Lions-Musical-Gala, 08.11.2010, 19.30 Uhr - Stadthalle Waltrop

 

Es gibt Menschen, die es schaffen anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern...

 

Der Lions-Club Datteln-Waltrop präsentierte in diesem Jahr wieder einmal eine Musical Gala.

Der Erlös dieser Benefiz-Veranstaltung sollte an Inter-Educare e. V. und an lokale Kinder-und Jugendprojekte in der Umgebung gehen.

Und das ist ja das besonders Schöne an solchen Benefiz-Veranstaltungen: Man kann mit relativ niedrigem Aufwand Gutes tun und wird um ein Vielfaches belohnt. Für meine Schwester und mich stand also relativ früh fest, zu dieser Veranstaltung zu gehen, da einer der Mitwirkenden mein Herz jedes Mal höherschlagen lässt und zudem Waltrop beinahe bei uns um die Ecke liegt.

 

Einzig die kleinen Worte “Freie Platzwahl” auf der Eintrittskarte trübten unsere Freude ein kleines bisschen, da wir beide wenig Lust verspürten, schon am frühen Nachmittag vor der Stadthalle Stellung zu beziehen und auch beide nicht über eine ausgeprägte Ellenbogenmentalität verfügen, die es uns ermöglicht hätte, alle Mitbewerber um einen guten Platz aus dem Rennen zu stoßen.

Also sagten wir uns, einen Platz finden wir immer und so groß sind diese Hallen meistens ja auch nicht, so dass wir auch von weiter hinten noch eine relativ gute Sicht haben würden.

 

Als wir kurz nach sechs an der Halle ankamen, zerstreuten sich unsere Bedenken auch. Es standen zwar schon ein paar Unentwegte vor der geschlossenen Tür, aber alles in allem war die Menge noch überschaubar. Später wurde die Menschenschlange hinter uns dann allerdings lang und länger, aber wir befanden uns tatsächlich im ersten Drittel. Das ließ doch auf einigermaßen gute Plätze hoffen.

 

Ein mitfühlender Mensch (es war nämlich schweinekalt) öffnete dann auch schon weit vor der angegebenen Zeit die Pforten und ließ tapfer den nun doch einsetzenden Ansturm über sich ergehen.

 

Die Unentwegten strömten also als Erste ins Foyer und liefen schnurstracks und ohne genaue Kenntnis der Lage einfach mal geradeaus. Erst als unsere Karten kontrolliert waren, rief plötzlich jemand: “Die Saaleingänge sind hier vorne” und veranlasste damit einen Rückstrom der Vorangepreschten.

Gut für uns, denn wir konnten sofort in fast unmittelbarer Nähe einer dieser Saaltüren stehen bleiben.

 

Etwas brenzlig wurde es noch einmal, als diese Türen geöffnet wurden und nun auch die Menschen von weiter hinten nach vorne drängten, aber auch dieses Nadelöhr wurde überwunden und ich glaube, dass alle unbeschadet einen Platz gefunden haben.

Für uns sprang die achte Reihe heraus und eigentlich wäre es die zweite geworden, wenn nicht die Stühle der ersten sechs Reihen mit Reservierungskarten gekennzeichnet gewesen wären. Zugegeben, ich hätte es auch in die siebte schaffen können, aber leider fuhr eine kleine, alte Dame mit ihrem Rollator vor mir her und die wollte ich nun beim besten Willen nicht über den Haufen rennen.

 

Trotz unserer doch recht guten Plätzen bleibe ich aber dabei: Eine Karte, für die man so etwas geboten bekommt wie an diesem Abend, darf gerne mehr kosten (zumal dann ja auch der Erlös für die gute Sache höher ausfallen würde), sollte aber feste Sitzplätze vorgeben.

Und ein paar Stühle an den Seiten und den Rückenlehnen mit Nummern zu versehen, kann doch auch nicht so schwer sein...

 

Wie dem auch sei: Wir sassen relativ bequem, registrierten erleichtert, dass sich die Wärme, die in solchen Hallen ja häufig herrscht, in Grenzen hielt und nahmen ansonsten das typische Ambiente einer Stadthalle wahr.

Aber egal, denn wie lautet eine Phrase beim Fußball: Wichtig is aufm Platz!

Wobei es hier richtigerweise heißen müßte: Wichtig is aufer Bühne!

 

Nach zwei wohltuend kurzen Reden eines Mitglieds (oder war es der Präsident?) des Lions-Clubs Datteln-Waltrop und von Gabriele Ramm wurde der Abend musikalisch durch Christian Stadlhofer eröffnet. (Er fungierte auch als Conférencier und kam dabei sehr charmant rüber. Und spätestens sein Bekenntnis zum Ruhrgebiet, zur regionalen Spezialität Currywurst mit Pommes-Schranke und zur hiesigen Kulturlandschaft brachten ihm auch die allerletzten Sympathien ein.)

 

Ein Chanson von Georg Kreisler mit dem schönen Titel ‘Geben Sie acht’ entpuppte sich als wahrer Eisbrecher und sorgte für gute Laune im gesamten Publikum. Etwas an Max Raabe erinnernd, interpretierte Christian dieses Stück.

In diesem ging es darum, dass er schon einige Male vom Ableben einiger Leute geträumt hatte und dieser Traum dann prompt wahr wurde. Da es sich bei diesen Menschen um Exemplare handelte, die ihm nicht sonderlich sympathisch waren, warnte er nun Jeden, ihm nicht dumm zu kommen.

“Geben Sie acht” halt..., denn für Einige war in seinen Träumen noch Platz, wie er glaubhaft versicherte.

Dumm nur, dass er am Ende feststellen mußte, dass er sich selbst nicht allzu sympathisch war und nun natürlich berechtigte Angst vorm Einschlafen hatte...

 

Nach diesem beschwingten Auftakt wurde es zum ersten Mal besinnlich, denn Kevin Köhler ließ den ‘Starlight Express’ durch seine Träume fahren.

Und hoffe ich bei solchen Anlässen immer auf die alte Version dieses vertrauten Liedes (“Wird es in mir dunkel, wird es in mir still, seh ich ein Licht leuchten in der Ferne...”), wurde ich sofort mit den ersten Worten enttäuscht: “Der Mond wirft Schatten aufs Dach, Du liegst im Bett und bist wach, endlos langsam fließt die Zeit...” und Achtung (!), jetzt kommt es: “Du zählst das hunderste Schaf und findest nicht in den Schlaf, starrst nur in die Dunkelheit...”

Wer auch immer diese Textänderung verbrochen hat, man sollte ihm einen Kopfhörer aufsetzen und darauf in einer Endlosschleife immer wieder diese bedeutungsschweren Zeilen laufen lassen. Bis er merkt, was er sich da für einen Unfug zusammengereimt hat. Ich könnte jedesmal einen Hals kriegen, wenn ich höre, was aus dem guten, alten Titelsong des Starlight Express geworden ist.

Manches doch einfach mal so lassen, wie es war...

Nun, Kevin K. kann ja nichts für diesen Text und brachte sein Paradestück gewohnt souverän (und vielleicht schon zu routiniert) über die Bühne, ohne mich, eigentlich auch wie immer, tiefer zu berühren, wie es anderen “Rustys” schon gelungen war.

 

Es folgte Jeane Marie Nigl mit dem Chanson ‘Die Frau in 14 G’. In diesem Lied geht es um das nicht ganz problemlose Zusammenwohnen in einem Appartementhaus, wenn über einem eine Operndiva probt und unter einem jemand der Rockmusik frönt. Da bleibt als Lösung eigentlich nur, sich einen eigenen Musikstil zu kreieren und fröhlich mitzumachen.

Jeane Marie Nigl zeigte hierbei nicht nur ihre tolle Stimme, sondern lebte auch herrlich uneitel ihre resolute Seite aus.

 

Und dann kam endlich der Moment, auf den ich und ich behaupte auch einige andere Menschen gewartet hatten: Im Smoking, weißem Smokinghemd und (natürlich) Fliege erschien zum ersten Mal Kevin Tarte.

Und eigentlich hätte er gar nicht singen brauchen, denn allein schon der Anblick war das Eintrittsgeld wert. Da dann aber wahrscheinlich einige Herrschaften erstaunt gewesen wären (und vermutlich die am meisten, die gar keinen Eintritt gezahlt hatten), sang er natürlich: Aus ‘Camelot’ - ‘If Ever I would Leave You’.

Nun habe ich ‘Camelot’ noch nicht gesehen und weiß demzufolge nicht, wie sich dieses Lied anhören sollte. Aber so, wie es sich hier und jetzt anhörte, schien es mir doch ziemlich in Ordnung zu sein...

 

Leider war es aber auch viel zu schnell vorbei und Beatrix Reiterer, eine ehemalige Christine aus herrlichen Essener ‘Phantom der Oper’-Zeiten erschien zum ersten Mal auf der Bühne. Sie sang ein fantastisches ‘I Feel Pretty’ (aus ‘West Side Story’).

Sie hat eine ähnlich großartige Stimme wie ihre ehemalige PdO-Kollegin Anne Görner, die ich kurioserweise vergangenen Samstag bei Ethan Freemans Konzert nach längerer Zeit mal wieder gesehen habe. Irgendwie schien das die Woche der “Ex-Christines” zu sein...

 

Kevin Köhler beklagte anschließend ‘Was für ein grausames Leben’ (‘Mozart’) und es war das erste Mal (von den Auftritten bei der Sendung “Musicalshowstar 2008" einmal abgesehen), dass ich etwas anderes von ihm hörte, als Stücke aus StEx. Und siehe bzw. höre da, es war gar nicht schlecht.

Mir scheint, wenn er etwas “Dreck” in seine Stimme legt, hört sie sich gleich um Längen besser an.

 

Im Reigen der Künstler dieses Abends fehlte jetzt also nur noch Eine und auf die hätte ich (Entschuldigung) gut verzichten können: Nämlich Maricel. (Jaaa, ich weiß: Sie ist als Special Guest bei Kevins Solokonzert dabei!)

 

Es spricht ja eigentlich für sie, dass sie die oberflächliche, selbstverliebte und modesüchtige Amneris in ‘Aida’ so glaubhaft verkörpert hat, aber irgendwie scheint sich dieses Bild zu sehr in meinem Hirn eingebrannt zu haben.

Bei einem Tag der offenen Tür war sie dann auch einmal außerhalb der Bühne zu erleben und auch dabei kam sie mir sehr laut, aufgedreht und hektisch vor.

Die Krönung für mich war allerdings ihr Auftritt bei einer Benefizgala im Colosseum Theater, wo sie (gefühlt) stundenlang verschiedene Variationen von ‘Ein bisschen Frieden’ auf ihrer Gitarre klampfte, ohne auch nur ansatzweise zu merken, dass das Publikum zunehmend ungehaltener wurde.

Sie wird ja gerne mal als blonder Wirbelwind bezeichnet, für mich ist sie eigentlich nur eins: Eine blonde Nervensäge.

 

Dieser meiner unerheblichen Meinung schien sie auch wirklich wieder gerecht werden zu wollen. Waren bisher alle Künstler nach einem kurzen “Guten Abend” und eventuell einem “Geht es Ihnen gut?” zu ihrem jeweiligem Lied gekommen, ertönte jetzt schon, noch bevor man die dazugehörige Person sah, ein langgezogenes “Guuten Aaabend” durch den Saal.

Und ob man es hören wollte oder nicht, legte sie mit einer enervierenden Rede los, von wegen, dass sie ja eigentlich etwas ganz anderes singen wollte, nachmittags aber alles über den Haufen geworfen hatte, um ihre Mutter, die sonst bei “sowas” immer dabei ist, zu grüßen, die aber diesmal nicht dabei sein konnte, weil sie zuhause den kranken Stiefvater pflegen mußte und Blablabla...

 

Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Das Lied, welches sie schließlich zu Gehör brachte, hieß ‘Angel’, war zum Glück nicht das von Robbie Williams und leider ziemlich lang. Ich war froh, als es vorbei war, denn neben der ganzen Person empfinde ich nun auch ihre Stimme als nicht allzu angenehm für meine Ohren. Mag aber auch sein, dass hier das Eine das Andere nach sich zieht...

 

Jedenfalls fand ich es wohltuend, dass gleich im Anschluss wieder Christian die Bühne enterte, um einen Cole Porter-Song darzubringen.

 

Und angenehm ging es auch weiter, denn es erschien wiederum der “kleine” Kevin und sang aus Aida ‘Elaborate Lives’, ein Titel, der mir erst mal gar nichts sagte und der sich dann nach den ersten Tönen als ’Jeder irrt durch das Dunkel der Welt’ entpuppte. Und dunkel, ja das passte jetzt auch, denn Kevin K. sang diesen Titel mit tieferer Stimme als man es sonst von ihm gewohnt ist. Und es hörte sich gut an.

Ich habe seine Stimme noch nie als so angenehmen empfunden wie bei diesem Song. Und irgendwie schien er auch zu merken, dass ihm die Sache einigermaßen gelingen würde und wollte es wohl zum Ende nochmal richtig gut machen. Er variierte seine Stimme ein wenig, wurde wieder etwas höher und... versemmelte den Ton so dermaßen, dass er nur noch ein erschrockenes “Oh Gott” hervorbrachte, bevor er neu ansetzte... und seine Singstimme komplett weg war. “Entschuldigung” stammelte er und tat mir in diesem Moment total leid. Alles war bis hierher so gut gewesen und dann sowas. Zum Glück fing er sich aber ziemlich schnell wieder, wartete, bis er wieder in der Musik drin war und sang weiter.

Großer Applaus, den er richtig verlegen entgegennahm, tröstete ihn anschließend über dieses Missgeschick hinweg.

 

Jeanne Marie Nigl ließ anschließend mit ‘Unexpected Song’ wieder ihre große Stimme erkennen, womit der Verdacht bestätigt war, dass hier einmal mehr eine Rebecca-Darstellerin stimmlich hoffnungslos unterfordert ist.

 

Die gleichzeitig bedrohlichen und doch so wohligen ersten Takte des ‘Phantoms der Oper’ erklangen und Beatrix Reiterer erschien und erzählte, wie das Phantom sie Nacht für Nacht zu sich ruft. Und wie aufs Stichwort erschien es aus dem dichter gewordenen Nebel: Das Phantom des heutigen Abends und betrachtete die singende Frau mit einer Mischung aus Freude und Begehren, aus Distanziertheit, aber auch mit einem gewissen Stolz über “sein Geschöpf”. Das es sich bei dem Phantom nur um Kevin (natürlich der “große”) handeln kann, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Er brachte diese ganzen Regungen so glaubhaft rüber, dass es mal wieder der schiere Wahnsinn war, ihm zuzusehen und natürlich zuzuhören. Zur schwarzen Hose mit weißem Hemd trug er diesmal eine längere schwarze Jacke (oder einen kurzen Mantel, wie man will).

Sehr liebenswert, wie er seiner Christine/Beatrix beim Applaus vorsichtig über ihren runden Babybauch streichelte.

 

‘Warum kannst Du mich nicht lieben’ (wiederum aus ‘Mozart’) klagte anschließend wieder Kevin K. und das war bis hierher sein stärkster Auftritt des Abends.

Fehlerfrei, mit einem überzeugenden Auftreten, meisterte er dieses Stück, dass ich bisher nur von “statiöseren” Darstellern, wie z. B. einem Patrick Stanke oder einem Yngve Gasoy-Romdal kannte. Hinter denen brauchte sich unser kleiner Musicalshowstar mit diesem Lied wirklich nicht zu verstecken.

 

Es hätte alles so harmonisch sein können, wenn es nicht ja auch noch Maricel gegeben hätte. “Haaallllooooo, da bin ich wieder....” (na, da freuen wir uns aber) schallte es aus dem Hintergrund der Bühne und die Nerv..., Entschuldigung, der Wirbelwind kam angefegt. Und natürlich begann sie nicht zu singen, sondern geriet erst einmal wieder ins Plaudern.

Bei dem Geplapper habe ich mich weitestgehend bemüht, meine Ohren verschlossen zu halten und als ich wieder genauer hinhörte, bekam ich noch mit, wie sie gerade sagte: “Ich habe ja ein Musical geschrieben...” (ah ja, jetzt kam das also wieder) “...nämlich ‘Jeanne d’Arc‘, weil ich finde, das man so einer Frau einfach ein Stück widmen muss...” (ja, ganz klar und ich schreibe bald eins mit dem Titel ‘Maricel’) ”Hat jemand von Euch das Stück denn in Oberhausen gesehen?” (nee, Gott sei Dank nicht)

Peinlicherweise bekundete auch sonst keiner der Anwesenden in irgendeiner Form Zustimmung, aber so etwas kann die Dame ja nicht erschüttern: “Dann ist es ja gut, dass ich heute etwas daraus singe...” (ja, da können wir wirklich alle froh sein)

‘Große Mädchen weinen nicht’ hieß das sich (endlich) anschließende Stück und bevor ich jetzt ganz ungerecht werde: Es war gar nicht so schlecht. Und hätte es eine andere Darstellerin gesungen, hätte es mir wahrscheinlich ganz gut gefallen, aber so... tut mir leid.

 

Aber mein Leid wurde belohnt, denn der erste Teil des Abends endete mit einem fulminanten ‘Engel aus Kristall’ und ließ mich strahlend in die Pause gehen.

 

Und genauso erfreulich wie der erste Teil endete, begann der zweite: ‘I am Your Man’ versprach da nämlich Kevin und durch unzählige (Frauen)hirne schoss wohl in diesem Moment derselbe Gedanke: “Wenn’s mal so wäre.”

 

Beatrix Reiterer sang anschließend ‘Love Never Dies’ aus dem gleichnamigen Musical.

Ein so wahnsinnig schönes Stück, einfach ohne Worte.

 

Anscheinend hatte Kevin K. die anklagenden Momente dieser Gala zugeteilt bekommen, denn jetzt hieß es für ihn ‘Why God Why?’ aus ‘Miss Saigon’. Und obwohl ich dieses Lied gerne auch von dem “großen” Kevin gehört hätte (weil ich weiß, wie toll es sich von ihm anhört), kann ich aber auch hier wieder nur sagen: Gut gemacht, junger Mann. Den verzweifelten GI hat man Dir echt abgenommen.

 

Jeanne Marie Nigl folgte mit einem Song aus ‘Ruthless’, der mir persönlich etwas zu überdreht war.

Um einiges witziger fand ich da Christians Anmoderation, als er meinte, “diese Frau neigt irgendwie zu Gewalttätigkeiten. Das kriege ich momentan jeden Abend zu spüren, wenn sie mich mit Hilfe einer ganzen Salami außer Gefecht setzt.”

Überhaupt war er gut über seine Kollegen informiert und konnte somit die beiden Kevins bedauern, die viele Stunden ihres Lebens vor dem Schminkspiegel verbringen mußten (“rein beruflich natürlich”), um sich wahlweise in einen Vampir oder in eine Dampflok zu verwandeln.

 

Als nächstes stand nun das ‘Gefährliche Spiel’ auf dem Programm.

Ironie des Schicksals war es, dass dieses Duett aus ‘Jekyll & Hyde’ ausgerechnet mit meinem Highlight und meinem No Go des Abends besetzt war.

Allerdings empfand ich eine fast schon unbändige Freude, dass es sich der weibliche Teil dieses Duetts tatsächlich verkniff, auch dieses Stück zu Beginn tot zu quatschen.

Dem gefährlichen Spiel des irren Mister Hyde und der ihn vergötternden Lucy stand also nichts mehr im Wege und wie die Raubkatzen schlichen sie umeinander herum.

Besonders angenehm fand ich, wenn der Abstand zwischen ihnen etwas größer wurde, was zwar dramaturgisch nicht so spektakulär war, mir aber die Gelegenheit gab, eine Hälfte der Bühne komplett ausblenden zu können.

 

Und dann kam DER Brüller des Abends: Christian Stadlhofer mit dem netten Titel ‘Tauben vergiften’. Wieder ein Chanson von Georg Kreisler und das Publikum lag vor Lachen fast unter den Stühlen. Zu komisch war aber auch der Text, dazu diese beschwingt-harmlose Melodie und obendrauf noch Christians betont dummes Gesicht... Ich kann mich nur wiederholen: BRÜLLER!

 

Und da ja hier ein österreichischer Sänger (Christian) das Lied eines österreichischen, oder noch besser: wienerischen Komponisten (Georg Kreisler) vortrug, war dieser typisch morbide Wiener Humor fast mit Händen greifbar.

 

Danach hieß es aber sich wieder zu sammeln, denn Kevin kam mit einem ganz ruhigen (mir unbekannten) Lied zurück auf die Bühne. Jedenfalls war es ein Stück, das ganz hervorragend zu ihm passte.

 

Beatrix Reiterer schien ein Abo auf das ‘Phantom der Oper’ zu haben, denn nach der altbekannten Version dieses Stücks und dessen Nachfolger bzw. Fortsetzung ‘Love Never Dies’ kam sie nun mit einem Stück namens ‘Home’ aus der PdO-Version von Maury Yeston zurück.

 

Wieder erschien der “kleine” Kevin und durfte mal so richtig rebellisch sein. ‘I want to break free’ forderte er und wurde dabei doch so sehr von dem verhaltenen Klavierspiel gebremst. Hier hätte ein Playback (wie es bei vielen anderen Stücken auch der Fall war) besser hingepasst und so verpufften Kevins Bemühungen leider, im Saal für die richtige ”Rock-Stimmung” zu sorgen, auch wenn er wie ein Derwisch von der Bühne sprang und im Publikum herumrannte.

 

Aus ‘Cabaret’ besang Jeanne Marie Nigl noch ihren Herrn (‘Mein Herr’) bevor es zum nächsten Adrenalinstoß kam: Kevin (der “große”, sonst hätte ich ja keinen Adrenalinstoß) betrat ganz in weiß(!) die Bühne und ein allgemeines Raunen (Seufzen, Stöhnen, Hyperventilieren) erfüllte den Raum und begleitete auch die ersten Takte seines ‘Let Me Try Again’.

Meine Güte, wie oft hatte ich dieses Stück schon auf seiner CD gehört (können CD’s ausfransen?) und eigentlich sollte man meinen, besser als auf einer gut abgemischten Studio-CD könnte sich solch ein aufwendiger Titel doch nicht anhören, aber weit gefehlt...

Was uns Kevin hier live und in Farbe (pardon, in weiß) präsentierte, war einfach gigantisch. Da sass jeder Ton wo er hingehörte... und ich bin immer noch ganz geflasht.

 

Ein Lied, was bei so einer Gala vermutlich nicht fehlen darf (sofern man die richtige Sängerin dafür hat) ist natürlich ‘Ich gehör nur mir’ aus ‘Elisabeth’. Und wer sonst als Beatrix Reiterer hätte diesen Titel singen sollen und es gelang ihr voll und ganz.

Nach diesem bekannten Stück folgte noch das mir eher unbekannte ‘Your Song’ aus ‘Moulin Rouge’ und Kevin Köhler. Irgendwie ist mir das jetzt aber nicht so im Gedächtnis geblieben.

 

“Juhuu!” ertönte es und dreimal darf jetzt geraten werden, wer wohl diesem Ausruf folgte.

‘Somebody to Love’ dröhnte es an mein Ohr und weckte in mir den Wunsch, manche Lieder für manche Leute zu verbieten. Na, immerhin gab es diesmal keine langen Reden. Dachte ich jedenfalls. Denn Maricel schafft es auch, sich selbst im Lied zu unterbrechen und Konversation mit dem Publikum zu betreiben.

Diesmal war es ihr Bestreben, alle ihre Zuhörer gleichzeitig zu ihrem Chor zu machen und teilte das Publikum in drei Teile ein. (Zwei wären ja auch zu einfach gewesen, dann hätte man die rechte und die linke Hälfte nehmen können.) Viel interessanter und vor allem langatmiger war es doch, zu erklären, dass sich eine Längsteilung ja nicht anböte, da ja der Gang dazwischenläge und sie sich nun zu einer Querteilung entschlossen hätte. “Die erste Gruppe verläuft Pfffffffffffttt!!” (angedeuteter Pfiff und ausladende Armbewegung), “die zweite Gruppe verläuft Pfffffffffffttt!! Pfffffffffffttt!!” (angedeutete zwei Pfiffe und zwei ausladende Armbewegungen) und wie die dritte Gruppe verlief, habe ich jetzt keine Lust mehr zu beschreiben.

Jede Gruppen mußte dann, zum Zeichen, dass sie alles verstanden hatte, ihre Hände heben und das nicht nur einmal, sondern mehrere Male. Dann ging es ans Text üben und nochmal und nochmal...

Und wenn ich sonst für solchen Quatsch auch eigentlich zu haben bin, merkte ich jetzt doch, wie ich immer fester meine Arme verschränkte, die Lippen fest aufeinander presste und mir eigentlich nur noch wünschte, dass dieser Spuk bald ein Ende haben möge.

 

Tatsächlich ging auch dieses Theater einmal vorbei, Christian erschien und kündigte an, dass der Abend nun eigentlich sein Ende erreicht hätte. Außer wir wollten noch etwas hören? Was für eine Frage!

 

Als Zugaben gab es von Kevin Köhler noch zwei Titel, die ich nicht kannte und von denen ich annehme, dass sie von seiner CD stammen. Besonders das Zweite (ich bin mir nicht sicher, aber es hieß glaube ich ‘I Want To Reach The Stars’ ) hörte sich wieder richtig klasse an.

 

Natürlich ließ es sich auch Maricel nicht nehmen, eine Zugabe zu präsentieren, allerdings nicht ohne vorher nochmal auf ihr schönes Kleid hinzuweisen (ist da von Amneris doch ein größerer Schaden zurückgeblieben?), noch einmal ihre Mutter zu grüßen und dann endlich zu verkünden: “Ich singe jetzt den letzen Titel des Abends.” (Gut, das dem nicht so wahr!) “Ach nein, ich singe jetzt meinen letzten Titel des Abends.” (Mach voran!)

‘I Will Always Love You’ wurde es dann und es war nicht gerade zum weglaufen, aber gab auch nicht Anlass zu grenzenloser Begeisterung.

 

Aber auch diesmal wurde ich belohnt, denn Kevin (immer noch ganz in weiß) kam noch einmal auf die Bühne, allerdings um sofort wieder kehrt zu machen und sich den Mikrofonständer zurückzuholen, den ein übereifriger Helfer gerade von der Bühne geschleppt hatte.

“Ich sollte nochmal rausgehen und nochmal etwas singen.” (Sehr gute Idee.)

“Aber vorher möchte ich etwas zu dem folgenden Lied sagen...” (Endlich sagt mal der Richtige etwas.)

Er erzählte also (kurz) von seinem diesjährigen Familientreffen in den USA und das sich einmal alle in einer kleinen Kapelle, die (wenn ich das richtig verstanden habe) seiner Großmutter gehört, getroffen haben. Die Tür dieser Kapelle stand auf und die Aussicht auf die Landschaft draußen war so grandios und er hat für seine Familie gesungen. “Und anschließend haben wir alle nur noch geheult. Das braucht ihr heute aber nicht...”

Die ersten Takte von “You Raise Me Up” ertönten und Kevin stand ganz versunken da, in Gedanken wahrscheinlich viele tausend Kilometer weit weg.

 

“When I am down and, oh my soul so weary. When troubles come and my heart burdened be...”

 

Boah, wie hörte sich das denn an? Klar, ich liebe diesen Song sowieso (auch wenn er von den einzig wahren Musikexperten in Deutschland, der DSDS-Jury, mal als ein “Richtig-Scheiß-Casting-Song” bezeichnet wurde), ich habe ihn schon auf CD tausendmal von Kevin gehört, aber das hier, heute und jetzt?

Diese Mischung aus Kraft und Gefühl in der Stimme... Unbeschreiblich!

 

Und da meine Worte mal wieder nicht reichen, bediene ich mich einfach einer Textzeile aus diesem wunderschönen Lied, die da lautet: “But when you come and I am filled with wonder” und die ich einfach mal ganz frei übersetzet: “Aber wenn du kommst, erfüllst Du mich mit Staunen.”

Das trifft die Sache schon ziemlich genau.

 

Und wer ansonsten am Ende dieses fantastischen Erlebnisses noch in diesem nüchternen Saal in Waltrop war und nicht in einer kleinen Kapelle irgendwo in den USA, dem war sowieso nicht mehr zu helfen.

 

Aber irgendwie schienen doch alle von der Magie dieses Augenblicks gefangen zu sein, denn nach den letzten Tönen war es erst einmal mucksmäuschenstill im Saal und dann brandete ein dermaßen starker Applaus auf, wie man ihn nicht alle Tage hört.

Nach und nach, und ich tippe mal in der Reihenfolge Kevin Tarte-Jünger (1), Tanz der Vampire-Fans (2), Musical-Begeisterte/Musik-Freunde (3)/(4) und auch die, die nicht so recht wussten, wer sie da an diesem Abend überhaupt bespaßte (5), schossen (1) und sprangen (2) aus ihren Stühlen, standen (3)/(4) etwas gemäßigter auf und rafften sich (5) von ihren Stühlen hoch und gaben minutenlang Standing Ovations, die Kevin dankbar und gerührt entgegennahm. Es herrschte in diesem Moment eine absolute Gänsehautstimmung und das ein oder andere Auge vor und auf der Bühne schien doch etwas feucht zu sein.

 

Nachdem alle wieder Platz genommen hatten (in umgekehrter Reihenfolge des Aufstehens) bedankte sich Kevin noch einmal für den Beifall und kündigte dann den wirklich letzten Titel des Abends an: ‘Feeling Good’, ebenfalls von seiner ‘Jump’-CD, der sich immer so herrlich verführerisch lasziv anhört.

 

Es wurde ein würdiger Abschluss für eine wunderbare, abwechslungsreiche Veranstaltung, für die man sich bei allen Beteiligten und Verantwortlichen nur bedanken kann.

 

Mein ganz spezieller Dank geht natürlich an “meinen Star” des Abends, denn ihm gelingt es immer wieder. Was? Siehe oben!