Musical-Gala, 29.05.2011, 16.00 Uhr - Forum am Schlosspark Ludwigsburg

 

Wer bitte braucht Die drei Tenöre?

 

Meine Güte, war es wirklich schon wieder über ein Jahr her, dass ich in Ludwigsburg war? Irgendwie kam es mir vor, als sei es gestern gewesen, so bekannt kam mir noch alles vor. Der einzige Unterschied bestand darin, dass ich den Weg vom Bahnhof zum Forum am Schlosspark im vergangenen Jahr bei Eiseskälte und immer darauf bedacht, nicht auf einer festgetretenen Schneescholle auszurutschen zurückgelegt hatte, während mich diesmal hochsommerliche Temperaturen zum Schwitzen brachten.

Gut, dass es im Foyer des Forums einladende Sitzgelegenheiten gab, die nicht nur Zeit zum Atemholen, sondern gleichzeitig auch einen hervorragenden Blick auf das Geschehen rundherum boten. Wie schon am Sonntag im letzten Jahr schien das Publikum wieder sehr gemischt zu sein, wobei mir die Leute, die einfach nur ein gutes Konzert mit den ambitionierten jungen Musikern des KJO (Kreisjugendorchester) erleben wollten und denen es egal war, welcher Musicalstar da gleich die Bühne betrat, in der Überzahl schienen.

 

Außerdem stellte ich mit Erstaunen fest, dass es anscheinend ein neues Erkennungszeichen für Kevin Tarte-Hardcore-Fans gibt: Einen orangefarbenen Leinenbeutel mit eben dem Aufdruck Kevin Tarte.

Als mir so ein Beutel das erste Mal ins Blickfeld kam, war ich doch ein wenig erschrocken. Gibt es von meinem Arbeitgeber doch Beutel in genau dieser Signalfarbe und manch Kollege/Kollegin trägt einen solchen als Zeichen der Identifikation zu dem Unternehmen mit sich rum. Mein erster Gedanke war also, dass sich womöglich ein(e) unliebsame(r) Kollege/Kollegin hierher verirrt hatte. Erst als ich einen genaueren Blick wagte, sah ich, worum es sich bei diesen Taschen handelte.

Nun muss ich meine Begeisterung für einen Künstler nicht mittels eines Leinenbeutels zum Ausdruck bringen und hätte auch nicht die geringste Lust, ständig die Frage “Wer is’ dat denn?” zu beantworten. Aber, Jedem das Seine und so lief halt eine Vielzahl, mit orangefarbenen Leinenbeutel bewaffneter, Menschen im Foyer herum, als seien sie auf der Suche nach dem Ludwigsburger Wochenmarkt, um ihre Wochenendeinkäufe zu erledigen.

 

Gleichermaßen abgekühlt wie amüsiert war es dann irgendwann auch Zeit, in den Saal zu gehen, denn bis zum Konzertbeginn war es nicht mehr lange hin (dachten Alle zu diesem Zeitpunkt wenigstens noch).

Der Saal füllte sich immer mehr und es war verblüffend zu erleben, dass manche Menschen zwar über wahrhaft große Rechenkünste verfügten, es ihnen aber anscheinend an einer ausreichenden Lesefähigkeit mangelte. Waren doch die ersten drei Reihen mit A, B und C (wie es bei Orchesterplätzen ja durchaus üblich ist) benannt und schlossen sich dann (mit einem Zwischengang) die Reihen 1, 2, 3 usw. an, so kam es auf den Orchesterplätzen immer wieder zu Konfusionen.

Dann nämlich, wenn ein Platz z. B. in der Reihe C von seinem rechtmäßigen Karteninhaber eingenommen werden wollte, dort aber schon Jemand sass. Dieser äußerte sein Unverständnis über dieses unverschämte Ansinnen dadurch, dass er wie von der Tarantel gestochen aufsprang, seinen Gegenüber scharf ins Visier nahm und mit Nachdruck loslegte “Ich sitze richtig, ich habe doch Reihe 3 auf meiner Karte stehen.” Und wie zum Unterstreichen, dass er in der Schule gut aufgepasst hatte, fing er an zu zählen “ 1" (deuten auf Reihe A), “2" (deuten auf Reihe B), “und hier 3" (deuten auf Reihe C).

Oh Mann! Wie kommt man darauf, sich mit einer Karte, auf der gut lesbar eine 3 steht, nicht in die Reihe zu setzen, an deren Anfang ebenfalls eine 3 zu lesen ist und sich statt dessen in einer Reihe niederlässt, die mit einem großen B gekennzeichnet ist?

Je nach Phlegma der Beteiligten dauerte es dann auch unterschiedlich lange, bis alle Unstimmigkeiten beseitigt waren. Manchmal bedurfte es auch der tätigen Mithilfe des gesamten Umfeldes und so kam es, dass bisweilen Menschentrauben staunend das Phänomen der Sitzreihen A, B, C, 1, 2 und 3 bestaunten.

 

Infolge dieser Intermezzi war die Zeit jetzt wirklich wie im Flug vergangen oder, um genau zu sein, es war bereits kurz nach vier. Hhmm, eigentlich müsste es jetzt doch losgehen, zumal es ja immer eine gewisse Zeit in Anspruch nahm, bis das gesamte Orchester seine Plätze bezogen hatte. Es wurde 16.05 Uhr, 16.10 Uhr und nichts tat sich.

Es war schon fast viertel nach vier als ein zwar lächelnder, aber auch etwas angespannt wirkender Kevin Tarte die Bühne betrat.

 

Sehr herzlich begrüßte er alle Anwesenden, aber dann ging es auch schon mit den Hiobsbotschaften los: Andreas Lichtenberger hatte seine Teilnahme an der Gala kurzfristig (Donnerstagabend!) absagen müssen, da ihn eine Kehlkopfentzündung außer Gefecht gesetzt hatte. Als Ersatz für ihn war (ebenfalls kurzfristig und dafür Hut ab vor ihm) Kasper Holmboe gefunden worden. Wie angespannt Kevin (und wahrscheinlich alle Beteiligten) wirklich war, machte die Tatsache deutlich, dass er den Namen seines Kollegen nicht wirklich hinbekam. “Kasper Holm..., Holm..., I‘m a little bit nervous, ja, auf jeden Fall ist Kasper da.” Und darauf kam es ja schließlich an.

 

Doch wer jetzt dachte, das sei die einzige schlechte Nachricht des Tages, sah sich getäuscht. “Dem Roland Haug, unserem Dirigenten, ging es schon den ganzen Morgen nicht gut, aber kurz vor Konzertbeginn ging gar nichts mehr. Jetzt war ein Arzt bei ihm und hat ihn mit einigen Mittelchen versorgt, aber wir brauchen noch etwas Zeit, um ihn wieder ganz auf die Beine zu kriegen. Aber wir fangen dann sofort an.”

Na toll, jetzt sass ich ganz schön in der Klemme. Denn obwohl ich dem sympathischen Herrn Haug natürlich die Ruhepause gönnte, die er benötigte und ich auch nicht zu den Menschen gehöre, die gleich unlustig werden, wenn etwas nicht pünktlich anfängt, begann in meinem Hinterkopf doch unschön eine Uhr zu ticken, die besagte, dass ich spätestens gegen 19.10 Uhr aufbrechen mußte, um meine Züge zu erwischen.

Blöd, mitten im Konzert rauszugehen, noch blöder, dazu von ziemlich weit vorne durch den ganzen Saal nach hinten latschen zu müssen.
Aber bevor ich mir den Kopf jetzt schon über einen geordneten Rückzug zerbrach, musste die ganze Sache ja erst einmal losgehen.

Nach einiger Zeit fingen einige Unbelehrbare, denen es allmählich langweilig wurde, an, rhythmisch zu klatschen. Ja, das wird’s jetzt bringen... Unfassbar!

Sie verstummten erst, als ein junger Mann des Orchesters (mit leicht eingezogenem Kopf, wie mir schien) auf die Bühne sprintete, sich schnell den ganzen Stapel Notenblätter, der auf dem Dirigentenpult lag, schnappte und schleunigst wieder verschwand.

Sollte sich jetzt auf die Schnelle hinter der Bühne noch ein anderer Dirigent mit dem Programm und dem Orchester vertraut machen? Jetzt war ich soweit, dass ich schon gar nicht mehr “nur” meinen Zug ohne mich am Horizont verschwinden sah. Nein, im Geiste ging ich schon mal all die Leute durch, die ich telefonisch darüber informieren mußte, dass ich erst im Laufe des Montags nach Hause kam, da sich das Konzert um unwesentliche fünf Stunden verschoben hatte.

Meine Gedanken wurden durch plötzliche Unruhe auf der Bühne unterbrochen und wie an der Schnur gezogen erschien das jugendliche Orchester.

 

Ein Mädel, das auch schon im vergangenen Jahr so ein bisschen die Moderation übernommen hatte, begrüßte das Publikum, stellte kurz die Solokünstler vor und sagte die erste Nummer an. ‘Sedona’, ein Stück mit ständigen Tempowechseln und sämtlichen Instrumentevariationen. Mal spielte nur ein Instrument bzw. eine Instrumentengruppe, dann wieder das ganze Orchester. Schön anzuhören und, was noch wichtiger war, dirigiert von dem netten Roland Haug, der zwar immer noch ziemlich angeschlagen wirkte, sich während der ganzen Zeit aber toll hielt und dem für diese Energieleistung ein großes Lob gebührt. Leicht ist ihm seine Arbeit an diesem Nachmittag bestimmt nicht gefallen.

Als Nächstes kam Kasper Holmboe auf die Bühne und stellte sich augenzwinkernd als “der Neue” vor. Amüsant, wie er erzählte, dass er eigentlich an alles gedacht hat mitzubringen, nur ein weiteres Hemd wäre vielleicht ganz schön gewesen. “Deshalb habe ich jetzt eins von Kevin an.” Außerdem bat er um Nachsicht, sollte er zwischendurch mal etwas krumm und vornübergebeugt auf der Bühne stehen. “Ich hab’s nicht im Rücken, ich gucke dann nur hier auf meinen Fahrplan” und deutete auf den vor ihm stehenden Notenständer.

Und wenn ich ihn auch schon mal in Elisabeth und Les Misérables gesehen hatte, war er mir doch nicht so wirklich im Gedächtnis geblieben und deshalb war ich gespannt, was jetzt kam.

Es sollte ‘The Impossible Dream’ (sowieso eins meiner absoluten Lieblingsstücke) sein und er sang es mit so einer wahnsinnig tollen Stimme, dass er gleich mal gewonnen hatte und außerdem meine Meinung bestätigte, dass dänische Musicaldarsteller einfach immer Top sind.

 

Doch meine Freude wurde gleich darauf etwas getrübt, denn Carolin Fortenbacher erschien. Als ich hörte, dass sie bei der 2011-er Gala dabei sein würde, hielt sich meine Begeisterung in sehr engen Grenzen. Ich habe diese Frau bei einigen Konzerten erlebt und sie macht in meinen Augen genau zwei Dinge: Entweder singt sie mit berufsbetroffener Stimme und Mimik ihre Lieder oder sie spielt sich völlig aufgedreht in den Vordergrund und das am liebsten, wenn sie nicht an der Reihe ist.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass sie mir am besten gefiel, als ich sie das erste Mal bei einem Konzert von Andreas Bieber und Paul Kribbe in der Essener Lichtburg gesehen habe.

Da hatte sie eine Halsentzündung und beließ es vermutlich aufgrund dessen tatsächlich dabei, dass ihr zugedachte Lied zu singen (noch dazu in angenehmer Lautstärke) und dann wieder von der Bühne zu verschwinden.

Nun wünsche ich Frau Fortenbacher (oder “La Fortenbacher”, wie sie ja oft genannt wird und sich wohl auch gerne nennen lässt) natürlich keine Hals- oder sonstigen Schmerzen, sondern ein bisschen mehr Gespür dafür, wann sie dran ist.

Im Moment nämlich mit ‘Hinterm Ozean’, dass sie mit der bereits beschriebenen Stimme und Miene zu Gehör brachte.

 

Jetzt konnte ich aber eine kleine Aufmunterung vertragen und wurde natürlich nicht enttäuscht. Kevin Tartes erstes Solo war ‘Blue Moon’ und hätte vom Stil gut auf seine Jump-CD gepasst. Mensch, war das schön, ihn mal wieder live zu sehen und zu hören. Drei Monate waren eine definitiv zu lange “kevinlose” Zeit.

Zu meiner großen Freude blieb er auch sofort auf der Bühne, um mit La Fortenbacher ‘So in Love’ zu singen. So schön, wenn da nicht... aber lassen wir das.

 

Bis hierher stimmte der bisherige Ablauf noch mit dem gedruckten Programm überein, aber dann begann ein munteres Stücke tauschen bzw. Stücke weglassen und die richtige Reihenfolge kriege ich jetzt nicht mehr hin.

 

Kasper Holmboe sang ein fantastisches ‘I do it for you’ (von Bryan Adams) und spätestens danach machte sich so manch Eine(r) im Publikum bestimmt Gedanken, ob sie (er) die charmante Einladung ‘Bleib doch bis zum Frühstück’ nicht annehmen sollte.

Witzigerweise beginnt dieser Udo Jürgens-Titel mit den Worten “Aller Anfang ist schwer...” Kasper Holmboe setzte auch an, brach aber nach ein paar Takten ab, weil er merkte, dass er nicht ganz mit dem Orchester übereinstimmte. “Sag ich doch: Aller Anfang ist schwer” sagte er breit grinsend ins Publikum und hatte damit natürlich alle Lacher auf seiner Seite.

 

Auch das Duett ‘Mack the Knife’ mit Kevin geriet zum Ohren- und beinahe noch mehr zum Augenschmaus, denn die beiden Herren ließen es sich nicht nehmen, ordentlich miteinander rum zu blödeln.

Nach so viel Frohsinn war es mal wieder Zeit für einen kleinen Dämpfer und dazu betrat Carolin Fortenbacher die Bühne und sang ‘Summertime’.

Wenn es schon dieses Lied sein muss (was ich nicht sonderlich mag und bei dem ich obendrein immer Ottos Juxversion im Ohr habe: Fish are jumpin' = die Fischstäbchen hüpfen) , dann aber bitte von so einer richtig “schwarzen” Männerstimme.

Das hier war das genaue Gegenteil: Hoch, höher, Fortenbacher und ich will mich nicht als Musikexperte aufspielen, aber das dieses Lied so interpretiert wird, lag sicher nicht im Sinne des Erfinders, sprich George Gershwins.

 

Jetzt brauchten meine Ohren aber eine Erholung und wer konnte die wohl bringen?

Schon als ich im Programm las ‘Mattinata’ - Kevin Tarte, war klar, dass hier wieder etwas Besonderes bevorstand. War es im letzten Jahr das fantastische ‘Nella Fantasia’, das mir seitdem nicht mehr aus Herz und Kopf geht oder das wunderschöne ‘Rondine Al Nido’ von seinem Solokonzert - Kevin und solche Titel: Das passt einfach zusammen.

Auch diesmal war es wieder einfach nur WAHNSINN! und man merkt ihm auch an, wie viel Spaß es ihm macht, solche Stücke zu singen, ach was, zu zelebrieren.

(Mittlerweile habe ich mir das Stück auf Youtoube mal von Domingo, Pavarotti und Carreras angehört... Sorry Jungs, aber ihr könnt einpacken!)

 

Als Kevin dann noch erzählte, dass es das Lieblingslied seiner vor fünf Jahren verstorbenen Mutter war, bekam das Ganze noch einmal eine besondere Bedeutung. Was gab es da Passenderes als ‘Mamma’ zu singen und was soll es anderes darüber zu sagen geben als FANTASTISCH!

(Das es erst im zweiten Anlauf klappte, machte die ganze Sache noch einmal extra-liebenswert, denn den ersten Versuch brach Kevin nach wenigen Takten und mit den Worten “Ich sing hier ja was ganz falsches” ab. Seine Erklärung dafür folgte aber auch auf dem Fuße: “Ich kann immer noch nicht glauben, dass Roland jetzt hier steht. Der war vorhin ein Schluck Wasser in der Kurve. Der war fix und flach und jetzt dirigiert er hier.” Der “Schluck Wasser in der Kurve” bedachte diese Worte mit einem mildem Lächeln und zeigte Kevin fortan mit dem Taktstock immer besonders deutlich seine Einsätze an.)

 

Der erste Akt endete schließlich mit den Höhepunkten aus ‘Ich war noch niemals in New York’ und hier trat auch zum ersten Mal der junge Nachwuchskünstler Till Kleine-Möller in Erscheinung und mein erster Gedanke war ganz ehrlich “Was’n das für’n Vogel?”

Gesanglich war er schwer zu beurteilen, aber sein Äußeres war irgendwie etwas merkwürdig. Neben einem etwas affigen (aber vermutlich hochmodischen) Bärtchen trug er gleichlange Haare, die ihm mit schöner Regelmäßigkeit ins Gesicht fielen und die er stets mit derselben Bewegung zurückwarf.

Neu war mir auch, dass Mann eine Hose mit Gürtel und oberhalb des Gürtels noch zusätzlich eine Art Kummerbund trägt. Außerdem lässt ein Frack eine nicht allzu große und auch nicht allzu schlanke Figur noch gedrungener wirken...

 

Den zweiten Teil eröffnete wieder das KJO mit dem Titel ‘In 80 Tagen um die Welt’.

Zu Beginn ertönte Big Ben und die Reise des Phileas Fogg nebst seines Dieners Passepartout konnte losgehen. Musikalisch wurden die Erdteile “sichtbar” gemacht, sehr gut, aber auch sehr lang und ich war froh, als schließlich wieder Big Ben schlug und die Heimkehr der Reisenden anzeigte. Schließlich war ich heute auch eine Reisende und da raunte meine innere Turmuhr ”19.10 Uhr”.

Roland Haug schien es indes immer besser zu gehen, denn gut gelaunt ließ er sein Orchester nicht etwa als Gesamtes aufstehen, sondern reihen- bzw. gruppenweise. Gefühlt wurden dadurch aus den 80 Tagen gleich mal 81...

 

Weiter ging es (wieder weiß ich die genaue Reihenfolge nicht mehr) mit ‘Feeling good’ und Till Kleine-Möller (hätte ich auch gerne von jemand Anderen gehört), ‘Home’ (von Michael Buble) gesungen von Kasper Holmboe (so schön), ‘Diamonds are forever’ und ‘Fever’ von Carolin Fortenbacher, wobei vor allem Letzteres dem Selbstdarstellungstrieb der Dame sehr entgegenkam. Später meinte sie dann noch mit dem Stück ‘Falsches Jahrhundert’ zu bemerken, dass sie in der falschen Zeit geboren wurde. Ja, damit könnte sie recht haben...

Kevin Tarte folgte mit seinen beinahe schon Klassikern ‘Save the last Dance for me’, das dann in ‘Sway’ überging (immer wieder schön).

 

Von Till Kleine-Möller gab es noch ein ‘My Way’ zu hören und wenn es auch eine gute Idee war, es auf deutsch, englisch und russisch zu singen (wobei sich Letzteres am besten anhörte), war es doch irgendwie komisch, einen gerade mal Zwanzigjährigen dieses Stück singen zu hören. Da konnte auch sein bemüht bedeutungsschwerer Gesichtsausdruck nichts dran ändern und auch nicht sein schwarzer, fast bodenlanger Mantel (russisches Millitär?). Erwähnte ich schon, dass manche Kleidungsstücke eine gedrungene Figur noch gedrungener machen?

 

Ein absoluter Höhepunkt war noch das hervorragende ‘Stern’, das Lied des harten Inspektors Javert aus Les Mis, den Kasper Holmboe ja bereits auf der Bühne verkörpert hatte. Und er schien richtig froh darüber zu sein, ein Lied mal von vorne bis hinten auswendig singen, und sich dabei frei bewegen zu können, ohne immer in der Nähe des Notenständers bleiben zu müssen.

 

Den Abschluss bildete ein kleines Mamma Mia!-Medley, angeführt von Carolin Fortenbacher und Kasper Holmboe, die beide dieses Stück wohl in- und auswendig kennen dürften. Kevin und Till K.-M. schlossen sich an und nach ‘SOS’ gab es noch ‘Ich will, ich will, ich will’ und das für einen Konzertabschluss schon beinahe unvermeidliche ‘Danke für die Lieder’.

 

So endete ein Konzert, aller Turbulenzen zum Trotz, in schönster Harmonie (und, juchhu, um 19.00 Uhr). Ein Konzert, was sich vielleicht einmal alle Leute ansehen sollten, die behaupten, dass die Jugend von heute nur noch in Schlabberhosen und einer Null Bock-Mentalität vor dem Computer abhängt. Hier gab es nun den vielfachen Gegenbeweis in Gestalt junger Menschen, die, adrett gekleidet, ihre Musikinstrumente auf wundersame Weise beherrschten. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einen besonders jungen Mann erwähnen, der meiner Meinung nach auch in einem Kinderorchester gut aufgehoben gewesen wäre und bei dem ich erstmal geguckt habe, ob er mit seinen Beinen im Sitzen schon den Boden berührt.

Das tat er und spielte, ganz rechts außen sitzend und mit einer Brille auf der Nase, in aller Ernsthaftigkeit sein Instrument. Um den Nachwuchs beim Nachwuchs scheint es bei diesem Orchester gut bestellt zu sein.

 

Aus diesem Grund hätten sie und natürlich auch die Sänger, deren Textverständlichkeit manchmal auf der Strecke blieb, eine bessere Akustik verdient, denn die war, wie schon im Vorjahr, nur mittelprächtig.

 

Ganz subjektiv betrachtet hätte ich mir natürlich noch ein paar (Musical)-Titel mehr von Kevin gewünscht, ist ja klar. Da stimmt es mich doch ziemlich fröhlich, dass es diesmal nicht so lange dauert, ihn wiederzusehen und dass es, wenn alles nach (Spiel)plan läuft, schon in knapp vier Wochen von ihm heißt “Tauch mit mir in die Dunkelheit ein...”