Musical Tenors, 30.10.2010, 20.00 Uhr - Ebertbad Oberhausen

 

Vier Freunde sollt ihr sein

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieser Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Alle Lieder des Abends werde ich mit Sicherheit nicht mehr zusammen bekommen und auch nicht die Reihenfolge, in der sie präsentiert wurden.

 

Die Reihenfolge ihres Auftretens kriege ich aber noch hin, da die Herren wohl auf Schnick-Schnack-Schnuck verzichtet hatten und statt dessen lieber brav nach Alphabet erschienen: Jan Ammann, Christian Alexander Müller, Mark Seibert und Patrick Stanke.

Einer nach dem Anderen erschien und sang dabei einen Teil eines Liedes, das ich nicht kannte, von dem ich aber im Nachhinein erfahren habe, dass es sich um ‘Limelight’ (aus ‘Gambler-Das Geheimnis der Karten’) gehandelt haben soll. Also geb ich das hier mal so weiter.

Überflüssig war eigentlich, dass sie sich dann gegenseitig vorstellten, aber das gehörte wohl zur Dramaturgie des Abends.

 

Es folgte ein ‘3 Musketiere’-Block und hier wurde besungen, worauf es an diesem Abend noch des öfteren ankommen sollte: 'Einer für Alle und Alle für Einen'.

‘Heut ist der Tag’ (auch irgendwie passend), ‘Constance’, mit einem ungestümen Patrick “D’Artagnan” Stanke und den belustigt auf ihren Stühlen hängenden “3 Musketieren” Jan, Mark und Christian.

‘Wo ist der Sommer’ und ‘Wer kann schon ohne Liebe sein’ folgten und natürlich durfte auch der ‘Engel aus Kristall’ nicht fehlen. Jan hatte die Ehre, diesen Titel zu singen und ich persönlich fand es ganz sympathisch, dass er sich auch einmal mit dem Text verhedderte und das wahrscheinlich aus Solidarität zu seinem Grafen-Kollegen Kevin Tarte, der bei der im letzten Jahr stattfindenden Benefiz-Gala im Metronom Theater auch nicht ganz fehlerfrei durch dieses Lied kam.

 

Das erste Solo des Abends gehörte Mark Seibert und nachdem er sich erstmal ausgiebigst darüber beschwerte, dass er dazu auserkoren worden sei, legte er auch los und es gab für ihn mal gar keinen Grund, sich so zu zieren. ‘Draußen’ aus ‘Der Glöckner von Notre Dame’ war sein Titel und es hörte sich wirklich total klasse an. (Sein zweites Solo später am Abend war ‘Love Of My Life’ von Queen, das bei mir nicht so hängen geblieben ist.)

 

Und während man noch ganz versunken mit dem buckligen Glöckner litt, machte sich im Hintergrund Unruhe breit und Jan, Patrick und Christian stürmten mit Stock und Zylinder zurück auf die Bühne. Nachdem auch Mark ausgestattet wurde, ging es los: ‘Weil ich weiß, in der Straße wohnst Du’ aus ‘My Fair Lady’.

Diese Nummer zeichnete sich vor allem durch die ausgefeilte Choreographie (!) und die (gewollt) dummen Gesichter der vier Herren aus.

 

‘The Impossible Dream’ und ‘The Man of La Mancha’ aus dem gleichnamigen Musical folgten und gerade bei dem unmöglichen Traum hätte ich mir gewünscht, dass Jan ihn allein träumt, denn als er die ersten Zeilen sang, war sie wieder da: Diese Stimme, von der ich zu Ludwig²- und Jekyll & Hyde-Zeiten gesagt habe, dass sie sich wie warmes, flüssiges Nougat anhört und die sich, in meinen Ohren, ziemlich verändert hat. Aber leider blieb es bei einer Zeile für ihn und dann stimmten seine Kollegen mit ein.

‘The Impossible Dream’ ist auch so ein Favorit von mir und es in dieser vierstimmigen Variante zu hören hat mich total begeistert.

Bei dem Mann aus La Mancha tat sich Patrick als besonders eifriger Sancho Pansa hervor und in dem Moment konnte ich ihn mir wirklich gut auf einem kleinen Esel, seinem Herrn folgend, vorstellen.

 

Kurz darauf war es für ihn mit dem Spaß aber auch schon wieder vorbei. Er setzte sich selbst ans Klavier und sang sehr gefühlvoll und nachdenklich ‘Du warst mein Licht’. (Und wäre seine Sabrina nicht im Publikum gewesen, um ihren Schatz von dort aus mental zu unterstützen: Man hätte sich ob seiner Intensität, dieses Lied vorzutragen, wirklich Sorgen um seine Beziehung machen können.)

 

Insgesamt war Patrick so, wie man ihn eigentlich kennt: Ein knuffiger Teddybär, der sich und seine Figur nicht allzu ernst nimmt, Clown und Spaßvogel, der immer einen Spruch auf den Lippen hat, aber eben auch ein großartiger Sänger, was er später u. a. noch mit seinem zweiten Solo ‘Wie wird man seinen Schatten los?’ (aus ‘Mozart’) wieder einmal nachdrücklich unter Beweis stellte.

 

‘Maria’ (‘West Side Story’) klang es schmachtend aus vier Kehlen und siehe da: Der Ruf der Jungs wurde erhört. Eine feurige Flamencotänzerin erschien und wirbelte so gekonnt über die Bühne, dass es unseren vier Helden zwar nicht die Sprache verschlug, ihre Augen aber doch groß und größer wurden.

 

Und dann schaffte es diese kleine Person doch tatsächlich, diese gestandenen Kerle zum Umkippen zu bringen und da lagen sie: Einer neben dem Anderen und konnten sich scheints nur mühsam wieder aufrappeln.

Hilfreich war es da, dass “ihre Maria” verlockend lächelnd von der Bühne verschwand und sie alle gar nicht schnell genug hinterherkommen konnten. Nur der arme Jan wurde zurückgelassen, was er zunächst schmollend, aber dann mit der Erkenntnis “Ich bin ja ganz gerne hier vorne” zur Kenntnis nahm.

 

“Ich weiß nicht, ob ihr es wisst, aber ich bin ja vor kurzem Papa geworden...”

- Jan-Liebelein, diese Frage ist jetzt nicht Dein Ernst, oder? Hier sitzen überwiegend Menschen, die Dich in- und auswendig zu kennen glauben; da werden sie doch diese elementare “Neuigkeit” garantiert mitgekriegt haben.

“Man sieht es ja auch an meinen Augenringen...”

- Damit kokettiert er wahrscheinlich noch, wenn sein Sohnemann zwanzig ist, denn von Augenringen war (mal wieder) nicht die leiseste Spur zu sehen.

 

Jedenfalls widmete er das nächste Lied seinem kleinen Sohn und gab gleichzeitig das Versprechen, ihm immer ein guter Vater zu sein...

 

Hm, jetzt bin ich nicht so der Freund von solch öffentlichen Bekenntnissen. Heiratsanträge vor großem Publikum (wie ich sie leider auch schon live miterleben mußte), Treueschwüre vor vollem Haus und andere, in meinen Augen, Peinlichkeiten, kann ich nicht wirklich ab. Ich bin auch nicht in der Lage, mir Sendungen wie etwa “Nur die Liebe zählt” oder ähnliches anzusehen, da ich dabei mindestens einmal, vom fremdschämen überwältigt, in den Boden versinke.

Zugegeben, Jans Aussage war dagegen nun wirklich harmlos, aber ich hätte ihm auch so geglaubt, dass er stets ein guter Vater sein wird.

 

Auf alle Fälle brachte ihm dieses Versprechen ein kollektives Seufzen des Publikums ein (“Hach, ist das nicht schön?!”) und ich behaupte, dass der Großteil der anwesenden Damen (und vielleicht auch Herren?) sich wünschte, dass Jan sie einmal so innig in den Schlaf singen würde.

 

Das Lied “Gute Nacht” war aber auch wunderschön und erzählte die Geschichte eines kleinen Jungen, dem, den großen Traum vom Fußballstar vor Augen, ein Missgeschick passierte: Dieser blöde Ball war doch (fast) ganz von alleine in eine Fensterscheibe geflogen. Vermutlich war er dabei von einem bösen Nachbarn beobachtet und mit wüsten Beschimpfungen überhäuft worden.

Jedenfalls kamen die tröstenden Worte seines Vaters, als er mit ganz heißem Köpfchen in seinem Bett lag und nicht schlafen konnte, genau zur rechten Zeit:

 

“Gute Nacht, träume süß, kleiner Schatz, mit der Hölle das ist Quatsch.

Gute Nacht, träume süß, wer hat dir so Angst gemacht?

Gute Nacht, träume süß, aber auch das Paradies ham' sich andre ausgedacht”

 

Dieser Text, zusammen mit Jans Stimme... Das hatte schon was!

 

Natürlich durfte von ihm die ‘Unstillbare Gier’ nicht fehlen, die er auch entsprechend zelebrierte. Das einzig irritierende dabei war sein immer wieder hervor blitzender Bauch (es gibt allerdings schlimmere Anblicke), der nicht mehr richtig von seinem Hemd bedeckt wurde. Auch oben herum schien der Kragen und somit auch die Krawatte nicht ganz so zu sitzen, wie es sein sollte und während meine Schwester sofort erkannte, was da los war, brauchten Jan und ich einige Zeit, um den Fehler zu bemerken.

“Ich bin überhaupt nicht richtig angezogen“ platzte Jan heraus, als seine Kollegen sich wieder zu ihm gesellten. “Patrick, hilf mir doch mal, irgendwie ist mein Hemd zu kurz.” “Ich weiß was es heißt, wenn das Hemd zu kurz ist” entgegnete dieser und strich sich vielsagend über seinen Bauch.

 

Sein anschließendes Gefummel an Jans Oberbekleidung machte die Sache auch nicht besser und schließlich fiel bei Jan der Groschen: ”Mann, ich hab mein Hemd ja falsch zugeknöpft.”

 

Dass das Publikum ob diesen ganzen Hin-und-Hers schon vor Lachen unter den Stühlen lag, muss nicht erwähnt werden, oder? Und die interessierten Blicke der anderen beiden Tenors trugen auch nicht unbedingt zur Ernsthaftigkeit bei.

 

Meine (vielleicht etwas gewagte) Vermutung ist jetzt folgende: Bei der eng sitzenden “Grafenhose” schweifen die Blicke ja auch immer mal wieder (ganz ungewollt natürlich) auf die untere Körperhälfte ihres Trägers. Jan hat sich vermutlich mittlerweile so an diese Blicke gewöhnt, dass er den Grafen ohne sie gar nicht mehr singen kann. Und da am Samstag der Schnitt seiner Hose nicht allzu spektakulär war, präsentierte er uns diesmal eben ein Stück nackte Haut.

Wie gesagt, ist nur so eine Vermutung...

 

Ärgerlich finde ich nur, dass meine Schwester nicht geistesgegenwärtig war und genau diese kleine Nacktheit beim Schlussapplaus fotografiert hat. Denn wenn ich lese, dass mittlerweile allen Ernstes gefragt wird: “Hat jemand den Bauch fotografiert?” - wir hätten mit diesen Bildern reich werden können!

 

Aber ich schweife ab und versuche mich jetzt lieber wieder an möglichst viele Lieder des Abends zu erinnern. Da war z. B. noch ‘Memory’ aus ‘Cats’ und wenn ich sonst bei diesem Stück auch immer schreiend weglaufen könnte: Von vier Männern in vier Sprachen (spanisch?, deutsch, englisch und französisch) gesungen, hörte es sich richtig gut an.

 

Das aber weibliche Stimmen auch nicht zwangsläufig schrill und unangenehm klingen müssen, bewies der “Special Guest” des Abends: Carin Filipčić.

In ‘I Believe in You’ unterstützte sie die Tenors und kam dazu von hinten durch den mittleren Gang des Ebertbads auf die Bühne.

Und nicht nur, dass ihre Stimme absolut genial war, auch in ihrer ganzen Erscheinung wirkte sie sehr sympathisch und nett. Eine charmante Wienerin halt.

Im Verlauf des Abends hatte sie auch noch ein Solo und zwar ‘Siehe da, sie liebt’ aus ‘Romeo und Julia’ und hierbei wurde dann nochmal bestätigt, dass sie eine total angenehme Stimme hat.

 

Da ja mit Mark Seibert der amtierende “Galileo” aus ‘We Will Rock You’ anwesend war, verstand es sich beinahe von selbst, dass es auch einen entsprechenden, wenn auch etwas (zu) kurzen “Queen-Block” gab.

‘Who Wants to Live Forever’ ist eigentlich immer ein Gänsehaut-Garant, aber so eindrucksvoll wie in dieser Version habe ich den Song selten gehört. Dasselbe gilt auch für ‘The Show Must Go On’ und warum gerade dieser Kracher nicht in WWRY vorkommt, habe ich noch nie verstanden.

 

Nun fehlt in der Einzelbeschreibung ja noch einer der Tenors: Christian Alexander Müller.

Er fiel als erstes mal wieder durch seine Frisur auf. Das dieser Mann scheinbar ein Faible für radikale Veränderungen besitzt, hat er ja schon mehrfach unter Beweis gestellt. Zu Zeiten des ‘Phantoms der Oper’ in Essen hatte er etwas längere, leicht lockige Haare, die ihm eigentlich ziemlich gut zu Gesicht standen. Irgendwann entschloss er sich dann, seine Haare zu kleinen Rastazöpfchen flechten zu lassen und diese auf einer Benefiz-Gala im Colosseum Theater zu präsentieren. Nun, das geneigte Publikum staunte nicht schlecht...

Diesmal waren die Seitenpartien und der Nacken fast ausrasiert und nur seinen Oberkopf krönte eine längere Haarpartie. Die Frisur erinnerte stark an eine Zeit, die, Gott sei Dank, lange vorbei ist.

Dann war da wieder diese große schwarze Hornbrille (wahrscheinlich ein tolles Designer-Stück), die er aber nur bei einigen Liedern trug und die mich den ganzen Abend grübeln ließ, an wen er mich erinnerte. Erst auf der Rückfahrt kam mir die Erleuchtung: Hätte er eine kleinkarierte Hose und eine großkarierte Jacke getragen, er wäre glatt als Bruder des Kölner (Karnevals)Comedian Mark Metzger, oder besser gesagt als dessen zweites Ich “Dä Blötschkopp”, durchgegangen.

Als ich ihn das erste Mal als Enjolras in Les Miserables gesehen habe, gefiel er mir noch ganz gut. Mittlerweile habe ich ihn des öfteren bei Konzerten erlebt und ich muss sagen, dass mir seine Stimme nicht allzu sehr gefällt.

 

Er singt “technisch” wahrscheinlich einwandfrei, aber er kommt mir vielleicht gerade deswegen immer etwas steif und nüchtern vor.

 

Sehr störend finde ich auch seine Angewohnheit, beim Singen die Luft sehr geräuschvoll einzuziehen.

Sollte er chronische Probleme mit seiner Nase haben, will ich nichts gesagt haben, sollte es sich aber nur um eine dumme Angewohnheit handeln, könnte er vielleicht daran arbeiten um sie abzustellen.

 

Er sang als Solo ‘Einsam sind alle Sänger’ (ein Lied, das irgendwie zu ihm passte) und ‘Die Musik der Nacht’.

Bei letzterer legte er wieder eine so seltsame Gestik und Mimik an den Tag, dass ich wirklich nicht unglücklich bin, ihn nicht als Phantom gesehen zu haben.

 

Noch war der Abend aber nicht zu Ende und nach ein paar “Horst Schlämmer-Einlagen” von Jan, gab es noch ein paar Auszüge aus ‘Grease’ , von denen mir aber nur ‘Greased Lightnin’‘ im Gedächtnis geblieben ist. Ob das an den extra-doofen Elvis-Perücken lag, die die Vier bei diesem Song trugen, lasse ich hier mal offen.

 

Und dann kam ein Stück, über das ich mich richtig gefreut habe. Ich dachte erst, ich höre nicht richtig, als die ersten Takte ertönten, aber es war tatsächlich ‘Am Ende bleiben Tränen’ von meinem “Musik-Helden” aus früheren Zeiten, Roland Kaiser. (Und ich gestehe, dass ich auch heute noch ab und zu eine CD von ihm hervorkrame und sie gerne höre.)

Ich finde dieses Lied einfach nur schön und da ich (ich gestehe nochmal) ziemlich textsicher bei des Kaisers Liedern bin, fiel mir natürlich relativ schnell auf, dass nicht jede Textzeile an ihrem eigentlichen Platz war. Das soll jetzt keine Kritik sein und ich finde solche Patzerchen auch immer allerliebst, nur war es hier der Fall, dass die Jungs sich gegenseitig ihren Text wegnahmen. Und speziell Christian stand einmal das pure Entsetzen im Gesicht, ganz nach dem Motto: “Der hat jetzt meinen Satz gesungen!” Zu schön. Aber auch diese Klippen wurden bravourös gemeistert und ließen zumindest mich ziemlich selig zurück.

 

Und das, obwohl ein anderes Highlight noch folgen sollte: Wir wurden nämlich in das Reich der Mystik entführt.

Und an dieser Stelle muss einmal die fünfköpfige Band erwähnt werden und dabei besonders Marina Komissartchik, die gewohnt souverän am Flügel und am Keyboard agierte und Emilio Percan an der Violine. Ich bin kein Experte, aber was dieser Mann auf seinem Instrument vollbrachte, war Balsam für die Ohren.

 

Diese Band (schon den ganzen Abend 1a) fing also an, gar mitreißende Rhythmen zu intonieren und man brauchte tatsächlich einen Moment, um die eigentlich doch so bekannte Melodie zuordnen zu können. ‘Braver Than We Are’ (=’Rote Stiefel’/’Gebet’) wurde so hammermäßig von der Band gespielt und den Tenors gesungen, dass mir wirklich fast die Worte fehlen.

So mitreißend (ich weiß, ich wiederhole mich) und fesselnd war dieses Stück und im Geiste sah man wirklich die Tanzpaare herumwirbeln. Wobei: Wären sie real gewesen, hätten sie vermutlich zu einer Reizüberflutung geführt.

Nach diesem Stück war man richtiggehend atemlos und es tat beinahe schon gut, dass alle vier Sänger die Bühne verließen und man sich erst mal wieder “erholen” konnte.

Marina Komissartchik und Emilio Percan spielten allerdings weiter und nach und nach kristallisierten sich die ersten Töne der ‘Unstillbaren Gier’ heraus.

Emilio Percan mit seiner Violine schaffte es, gleichzeitig locker-leicht und doch düster zu klingen und spielte immer neue Variationen der unstillbaren Gier. (Ein Grund dafür war mit Sicherheit die Tatsache, dass er Jan genügend Zeit geben wollte, sich umzuziehen. Was dem dann ja nur so halbwegs gelungen war: Umziehen - ja, Anziehen - siehe oben...)

 

Nach Jans umjubelter Gier folgte noch ‘The Shades of Night’ (=’Die Schatten werden länger’ aus ‘Elisabeth’) und es versteht sich doch beinahe von selbst, dass es sich fantastisch anhörte.

 

Und um das Ganze zu toppen gab es noch ‘This is The Moment’ (aus ‘Jekyll & Hyde).

Genau dieses Stück (allerdings in der deutschen Version) war es, mit dem Jan mich 2008 in Bad Hersfeld umgehauen hat. Wir erinnern uns: “Flüssiges Nougat...”

Hier und Heute wurde es bekanntlich von vier Stimmen gesungen und es hätte gar nicht des Feuerzeugschwenkens auf dem Rang bedurft. Es war schon so stimmungsvoll genug.

 

‘Vivo Per Lei’ folgte und... wie langweilig: Es hörte sich toll an.

 

Damit man nun aber nicht endgültig in andere Sphären abdriftete, kam noch einmal eine Ernüchterung: ‘Save Your Kisses For Me’. Ein gefühlt hundert Jahre alter Titel, den ich noch nie mochte und nie mögen werde. Okay, zum Mitklatschen ganz geeignet, aber selbst daraus wurde nichts, denn die Tanzversuche der Vier da oben brachten mich immer aus dem Rhythmus.

 

Auch das Outfit war etwas gewöhnungsbedürftig, bestand es doch aus glitzernden Cowboyhüten für Patrick und Christian und blumenfömigen Sonnenbrillen für Jan und Mark. Dieser stellte gleich zu Beginn auch mal die berechtigte Frage, wessen Schnapsidee dieser abenteuerliche Aufzug eigentlich war und Jan reklamierte am Schluss, dass er durch diese dusselige Brille gar nichts gesehen hatte. Nur Patrick schien ganz zufrieden zu sein, denn er meinte zu bemerken, dass der Hut ihn schlanker mache.

 

Damit das Publikum nicht mit diesem Kulturschock nach Hause geschickt wurde, gab es als allerletztes noch ‘Look With Your Heart’ (aus ‘Love Never Dies’ ).

 

Nicht endenwollender Beifall belohnte die vier Künstler und ich glaube, sie haben das einzig Richtige gemacht, um von der Bühne zu kommen und nicht die ganze Nacht weitersingen zu müssen: Sie gingen von der Bühne in den Zuschauerraum und verteilten dort die roten Rosen, die sie kurz vorher selbst bekommen hatten, um danach im hinteren Teil des Ebertbads zu verschwinden.

 

Sieht man einmal von den nicht ganz glücklichen (und meines Erachtens auch unnötigen) Choreographien ab, die manchmal doch stark an ein ungelenkes Männerballett erinnerten, war es ein unvergesslicher Abend mit einer überaus gelungenen Song-Auswahl.

 

Und da ich ja schon bei meiner Überschrift von Sepp Herberger (für die Jüngeren: Trainer der Deutschen Nationalmannschaft 1936–1942 und 1950–1964) geklaut habe, bediene ich mich nochmal bei ihm: “Ihr müßt brennen!” hat er wohl des öfteren von seinen Spielern verlangt und genau das haben die vier Protagonisten in die Tat umgesetzt: Sie brannten!

 

P. S. So unsynchron die Herren beim Tanz ab und an daherkamen, so synchron waren sie doch in ihrer Kleidung. Gleiche graue Anzüge, gleiche weiße bzw. schwarze Hemden mit den dazugehörigen Krawatten, gleiche Schuhe (bis auf Patrick, der einen schwarzen Schnürschuh den schwarzen Slippern seiner Kollegen vorzuziehen schien - vielleicht machen Schnürschuhe einen schlanken Fuß?), gleiche Jeans, gleich Lederjacken usw. usw.

In meiner unendlichen Phantasie stelle ich mir jetzt vor, wie Herr Luketa mit den Vieren im Schlepptau die Herrenausstatter der Umgebung unsicher machte und den verunsicherten Verkäufern wahrscheinlich erklärte: “Das sind meine Ältesten. Die sind aus allem raus gewachsen und brauchen mal was Neues.”