Peter Hofmann - in memoriam  

(*22.08.1944  †29.11.2010)

Fünfmal durfte ich diesen fantastischen Sänger live erleben. Leider nicht als Phantom der Oper, sondern bei seinen Rock Classics- und Country-Songs-Tourneen.

Das erste Mal im Jahr 1984 (in Dortmund), als es Titel wie ‘Unchained Melody’, ‘Nights in White Satin’ und ‘The Sun ain’t gonna shine anymore’ zu hören gab.
Wie genial hörten sich diese bekannten Lieder mit Peter Hofmanns großer Stimme an und wie groß war der Aufschrei derer, die es nicht verstehen konnten, dass ein Sänger der “E-Musik” seine Stimme an die “U-Musik” verschwendete.

Und genau darauf ging Peter Hofmann im Vorwort in seinem Programm ein, indem er schrieb: “Wer mich als Opernsänger sehen will, muss in die Oper gehen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, je nach Gefühl zwischen ganz verschiedenen Musikrichtungen auszuwählen. ... Ich hoffe, Sie haben die richtige Laune für meine Musik mitgebracht.”

Die zweite Tournee (1986 / Essen) trug den Titel ‘Unsere Zeit’. Und auch hier gab es das passende Vorwort: “Bis jetzt war ich der Meinung, ich könnte für Pop- und Rockmusik in deutscher Sprache keinen eigenen Gesangsstil entwickeln. “I love you” singt sich leichter als “Ich liebe Dich”. Diese Herausforderung hat mich gereizt. Deshalb singe ich deutsch.”
Und das war auch gut so, denn der Abend lieferte einen bewegenden Moment nach dem anderen.

1987 (wiederum in Dortmund) liefen die Konzerte unter dem Namen ‘Rock Classics 2'. ‘Dust in the Wind’, ‘Lady d’Arbanville’ und ‘Love Hurts’ waren Bestandteile des Programms.

Die ‘Country Roads Tour’ führte Peter Hofmann 1995 tatsächlich auch einmal nach Bochum.

Auf den Stühlen lagen rote Zettel, die dem Publikum erklärten, dass Peter Hofmann diese Tournee trotz eines eingeklemmten Nervs absolviert. Stimmlich unbeeinträchtigt, aber halt in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, was er wohl selbst mit der ironischen Bemerkung “Ich war noch nie ein Fred Astaire” kommentiert hatte.   

Und schon sehr bald merkte man, dass etwas Gravierendes nicht stimmte.
Beinahe regungslos stand dieser sonst so vor Kraft und Energie strotzende Mann auf der Bühne, seine Gesichtszüge seltsam starr und mit einer stark zitternden rechten Hand.

Und dann gab es eine Szene, die mir von diesem Konzert besonders in  Erinnerung geblieben ist, obwohl sie sich gar nicht auf der Bühne abspielte.
Bei einem reinen Band- und Chortitel verließ Peter Hofmann die Bühne.
Da die Bühne relativ klein war, ragten die Sitzreihen rechts und links ziemlich weit an ihr vorbei.
Meine Schwester und ich sassen in der ersten Reihe, allerdings ziemlich seitlich (ich kann mich noch gut an die Nackenschmerzen am nächsten Tag erinnern) und konnten dadurch sehen, wie sich Peter Hofmann, kaum, dass er aus dem Rampenlicht verschwunden war, auf eine dieser typischen Metallkästen (mit denen das Tour-Equipment transportiert wird) fallen ließ und sein Gesicht in den Händen verbarg.
Und dieser Anblick tat weh...

1999 (Duisburg) schließlich gab es die letzte Tournee dieses großartigen Künstlers.
Zusammen mit seiner ehemaligen PdO-Partnerin Anna Maria Kaufmann war das Programm ein Querschnitt aus allen bisher stattgefundenen Konzerten, zuzüglich eines Musical-Blocks.
Neben bekannten Titeln aus der ‘West Side Story’, gab es auch die ‘Totale Finsternis’ und natürlich ‘Die Musik der Nacht’ und ‘Das Phantom der Oper’.

Und obwohl Peter Hofmann die meiste Zeit fast bewegungslos auf der Bühne stand bzw. auf einem Barhocker sass, hatte seine Stimme (fast) nichts von ihrer alten Faszination eingebüßt.
Trotzdem war klar, dass dieser Abend irgendwie ein Abschied war.
Ein Abschied von einem tollen Künstler, bei dem ich immer auch den Eindruck hatte, dass da ein ganz sympathischer und liebenswerter Mensch auf der Bühne stand.

                         R.I.P. - Deine Stimme lebt weiter.