Tanz der Vampire, 08.10.2010, 19.30 Uhr + 09.10.2010, 14.30 Uhr - Palladium Theater Stuttgart

 

Spielplanänderung...

 

zuckte ich sonst immer leicht (und beim genaueren lesen manchmal auch schwer) zusammen, wenn kurz vor einem geplanten Stuttgart-Trip eine Mail der Kevin Tarte-Fans and Friends Community mit diesem Betreff ins Haus flatterte, ließ mich der letzte Newsletter in schiere Begeisterung verfallen.

 

Lautete der Inhalt doch schlicht und ergreifend:

“Kevin wird zusätzlich morgen, 08.10.2010, als Graf von Krolock in Stuttgart zu sehen sein.”

 

Okay, die ganz große Überraschung war es jetzt nicht, denn schon seit längerem war bekannt, dass Jan Ammann an diesem Freitagabend spielfrei hatte.

Wie sollte es auch anders sein, wenn ich mich auf den Weg nach Stuttgart machte? Beim ersten Mal war es ein (sicherlich verdienter) Urlaub, der mich daran hinderte, ihn mal wieder zu sehen. Beim zweiten Mal hielten ihn Fledermäuse, die geschützt und gerettet werden wollten, davon ab, etatmäßig zu gräfeln und dieses Mal war es halt eine Weinkönigin, die es zu wählen galt.

 

Und so gerne ich ihn auch mal wieder erlebt hätte (ehrlich!), so glücklich war ich doch über die Aussicht auf meinen Lieblingsgrafen in beiden Shows.

Etwas leid tat es mir für meine Schwester, die mich zum ersten Mal ins Ländle begleitete und der ich eigentlich beide Grafen gegönnt hätte. Aber auf Einzelschicksale konnte wie immer keine Rücksicht genommen werden und da sie sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen Grafen wunderbar leben kann (obwohl, wer Jans “verrockte” Phantom-Version toll findet, ist vielleicht doch eher ammännisch angehaucht, oder?!), stand unserer Tour eigentlich nichts mehr im Weg.

 

Ansonsten stellten wir uns auf einige Überraschungen ein, denn ganz nach dem Motto “Ewigkeit ist Langeweile auf Dauer...” hatten zahlreiche Darsteller, die auch schon in Oberhausen zur (liebgewonnenen) Stammbesetzung gehörten, ihre Zähne, Umhänge und wer weiß was noch an den Nagel gehängt, um entweder eine Nonne (Martine), ein tapferer Heerführer (Stocki), ein verrückter König (Jerzy), eine Katze (Paul) oder ein Mini-Elvis (Riccardo) zu werden.

 

Und der geneigte Zuschauer konnte jetzt zusehen, wie neue Gesichter aus den vertrauten Kostümen guckten.

Erschwerend kam hinzu, dass es noch keine neuen Programme gab und es die Stage Entertainment auch wieder einmal nicht geschafft hatte, auf ihrer TdV-Seite nicht nur die Darsteller der Hauptrollen in Wort und Bild vorzustellen, sondern endlich auch einmal das Ensemble.

Leider drängt sich beim Betrachten der lieblos aneinander gereihten Namen der Ensemblemitglieder unter Hinzufügung eines Uraltbildes (es zeigt die Stuttgarter Premieren-Cast!) der Verdacht auf, dass es der Stage wahrscheinlich auch egal ist, wer sich da auf ihren Bühnen den A.... für sie aufreißt.

 

Wie dem auch sei: Auf jeden Fall konnte man sich im Vorfeld nicht im Geringsten mit den neuen Gesichtern vertraut machen, um dann später zu versuchen, sie auf der Bühne wiederzuentdecken.

 

"Das Ziel unserer Mission ist ganz nah" ließ ich nach einer diesmal doch ziemlich staureichen Anfahrt (Beginn der Herbstferien) meine Schwester wissen, als die Türme des SI-Centrums in Sicht kamen.

 

Der Anblick des verwaisten Apollo Theaters und die Tatsache, dass hier vor gar nicht langer Zeit noch die fröhlichen Bohemians ihr Unwesen getrieben hatten, machte mich für einen kleinen Moment richtig wehmütig. Für trübsinnige Gedanken gab es aber eigentlich gar keinen Grund, denn schließlich standen uns zwei (vermutlich hervorragende) TdV-Shows bevor.

 

Die Zeit bis zum Showbeginn verging mal wieder rasend schnell und schon hieß Graf Jan seine Gäste willkommen.

 

‘Knoblauch’ ließ noch nicht allzu große Rückschlüsse auf die neue Cast zu. Zu maskiert und entstellt kamen die “Bauern” daher, boten aber in ihrem Zusammenspiel ein absolut stimmiges Bild.

 

Viel mehr Sinn machte es da, nach alten Bekannten Ausschau zu halten, was mir dann aber nur bei Lucas Theisen und Johan Vandamme eindeutig gelang.

Schon komisch, diese vertraute Szene ohne einen Riccardo, einen Michel, einen Matthias und einen Tibor zu sehen.

 

Auch an die neuen Wirtshausinhaber mußte man sich erst noch gewöhnen.

Kein Jerzy oder Maciej, der da die Geige schwang und keine Martine, die sich ohne Rücksicht auf Verluste ihrer aufdringlichen Gäste erwehrte.

 

Christoph Leszczynski war es als Chagal, der den Neuankömmlingen die Vorzüge seines gastlichen Hauses anpries und sich ebenfalls als guter Wirt erwies und den Herren voranging.

 

Zunächst fiel es nicht so auf, aber als er zum ersten Mal direkt neben Alfred/Krisha stand, drängte sich irgendwie der Eindruck auf, dass es sich bei ihm nicht gerade um einen Riesen handelte.

Dieser bestätigte sich dann spätestens, als ihn sich Magda/Linda bei 'Geil zu sein ist komisch' mühelos hätte unter den Arm klemmen können.

 

Manchmal war er recht schwer zu verstehen, woran sein Akzent aber am wenigstens Schuld war.

Mein Eindruck war vielmehr, dass er allgemein ziemlich undeutlich sprach, um nicht zu sagen, dass er stellenweise ziemlich nuschelte. Ich denke, dass er, selbst wenn er das reinste Deutsch reden würde, auch nicht wahnsinnig gut zu verstehen wäre.

Irgendwie schien er auch Schwierigkeiten zu haben, die ganzen Kosenamen für seine Tochter in die richtige Reihenfolge zu bringen. Aber bei den ganzen "Wuschelschätzchen", "Kuschelkätzchen" und "Puschelköpfchen" ist das ja auch nicht verwunderlich. Ich könnte jetzt auch keinen Eid darauf schwören, was genau er verwechselt hatte, aber irgendwie hörte es sich nicht ganz schlüssig an.

Klug von ihm wäre es natürlich auch, wenn er sich beim hastigen Schließen der Badezimmertür nicht den Mantel einklemmen würde. Denn das gab dem sabbernden Alfred noch ausreichend Gelegenheit, seine Tochter ganz ausgiebig zu betrachten.

 

Außerdem hielt er es am Freitag für eine gute Idee, Magdas Nachthemd bis hoch zu ihren Oberschenkeln zu schieben, um es sich dann für den Biss zwischen ihren Beinen bequem zu machen.

Dementsprechend trug er sie anschließend auch halbnackt zu dem Tisch und da er das Ganze am Samstag tunlichst unterließ, könnte ich mir gut vorstellen, dass Linda ihn vielleicht darum gebeten hat, sie doch etwas bedeckter durch die Gegend zu tragen.

 

Leider ließ er immer wieder die Gelegenheit aus, die Komik zu unterstreichen, die diese Rolle eigentlich mit sich bringt. Zum Beispiel nahm er den Pfählversuch des Professors relativ klaglos hin, während Jerzy an dieser Stelle völlig aufgelöst "Uiuiui" jammerte oder Stocki wie ein Schweinchen quiekte.

Immerhin präsentierte er, als er dem Professor und Alfred den Weg zum Schloss zeigte, mal einen ganz neuen Laufstil.

 

Alles in allem hat er jetzt nicht so einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Genauso verhielt es sich mit seiner Rebecca (Jeanne Marie Nigl). Sie war da und sie hat auch glaubwürdig ihre Rolle verkörpert, aber ansonsten fiel sie nicht sonderlich auf.

 

Am Freitagabend spielte Antje Eckermann (obwohl sie schon länger dabei ist, hatte ich sie das erste Mal in der Rolle) eine schön naiv daherkommende Sarah.

Ihr Schauspiel gefiel mir besser als ihr Gesang, der manchmal etwas schrill klang, aber das geht mir (und meinen Ohren) bei fast jeder Sarah so.

 

Am Samstagnachmittag war Sabrina Auer auf der Bühne und ehrlich gesagt: Meine Lieblings-Sarah wird sie nicht mehr. Sie spielt die Sarah fast immer gleich und vieles wirkt dadurch manchmal regelrecht abgespult.

 

Ganz anders Krisha Dalke. Ihm scheint die Stuttgarter Luft wirklich gut zu bekommen. Fiel er in Oberhausen meistens durch ein nicht immer passendes Dauergrinsen auf, mauserte er sich die letzten Male von Show zu Show. Er verändert immer mal wieder Kleinigkeiten und die Palette seiner Gesichtsausdrücke nimmt auch immer mehr zu. So spiegeln sich doch immer öfter auch Aufsässigkeit gegen die Befehle des Professors wider und immer öfter äfft er diesen auch nach.

 

Als sich der Professor z. B. am Samstag in der Gruft zwischen die Gitterstäbe setzte, stieß er dabei einen lauten Seufzer aus.

Und was macht unser kleiner Alfred? Kniet sich zwischen die beiden Stäbe neben dem Professor, guckt bedeutungsschwer hinunter und gibt genau so einen Seufzer von sich.

Auch sein Unbehagen beim Anblick der Särge, die Freude über den Anblick der nackten Sarah und seine Angst vor dem Grafen sieht man ihm mittlerweile viel deutlicher an als noch vor einiger Zeit.

 

Natürlich ist da auch immer mal wieder dieses typische Krisha-Grinsen. Besonders ausgeprägt ist es noch bei ‘Draußen ist Freiheit’ und da frage ich mich jedesmal, wie er es schafft, mit diesem breitgezogenen Mund noch so deutlich zu singen. Aber wahrscheinlich ist seine Freude so groß, endlich mit seiner angebeteten Sarah alleine im Mondlicht zu stehen. Also sei ihm sein Grinsen (oder formulieren wir es freundlicher: Lächeln) in dieser für ihn so besonderen Situation gegönnt.

 

Christian Stadlhofer gab wieder einen herrlich schrulligen Professor ab. Er variiert seine Spielweise wirklich immer so, dass es eigentlich nie langweilig werden kann, ihn zu sehen.

 

Dasselbe gilt für Linda Konrad. Ihr Schauspiel, gepaart mit ihrer rockigen Stimme, sind immer wieder toll zu erleben.

 

Florian Fetterle als Herbert gab wieder alles um Alfred, oder beim Mitternachtsball wahlweise auch jeden anderen männlichen Vampir, zu verführen. Sein allererster Hüftschwung, wenn er von seinem Vater vorgestellt wird und auf Alfred zu tänzelt, ist mittlerweile wirklich oskarreif.

Seine wippenden Hüften sorgen für ein brüllendes Publikum und sei es bei vielen auch nur deshalb, weil damit wirklich jedes Klischee erfüllt wird.

Ein weiteres Highlight ist auch jedes Mal, wenn er Alfred nach dessen Flucht wieder in Empfang nimmt. Sein Gesichtsausdruck spiegelt in dem Moment nicht nur grenzenlose Begeisterung wider, sondern auch einen gewissen Unmut darüber, dass Alfred ihr Fangenspielchen unnötig hinausgezögert hat.

 

Stefan Büdenbender koukolte sich gewohnt souverän durch beide Shows. Hatte ich in Oberhausen kaum einen anderen Koukol als ihn erlebt, war es in Stuttgart in diesen beiden Shows das erste Mal, dass ich ihn wieder sah. Mit neuer Haarpracht und schicker Bindetechnik seines Kopftuchs machte er eine gute Figur. (Zumindest so gut, wie es diese Rolle nun mal zulässt.)

 

Auf die Tanzszenen war ich dieses Mal besonders gespannt, denn hier gab es, meiner Ansicht nach, die einschneidendste Veränderung. Mein heißgeliebter Tanzgott Ross war nicht mehr der erotisch-animalische (wow, was für eine Kombination!) Black Vampire.

Trotzdem freute ich mich darauf, ihn in anderen Rollen, auf anderen Positionen und in anderen Kostümen zu sehen, wobei mir dabei die Gefahr groß erschien, dass er alle anderen Mitstreiter in Grund und Boden tanzen würde.

Aber daraus wurde nichts, denn ein paar Tage vorher hatte er sich eine Meniskusverletzung zugezogen, die ihn für längere Zeit daran hindern wird, seiner Berufung nachzugehen.

 

Und auch von der neuen Erstbesetzung des White Vampire (Pierre Damen) gab es keine guten Nachrichten: Auch er hatte sich verletzt.

Ihn hätte ich auch gerne erlebt, denn als Pepper in Mamma Mia! hatte er mir immer gut gefallen.

 

Nun, es sollte mit diesen beiden also nicht sein und so hoffte ich, dass wenigstens Toby Poole als neuer Black durchhalten würde und ich ihn zu sehen bekam. In einem gewissen Forum wird er ja ob seiner Tanzleistung in der Luft zerrissen. Und da sich dort die wahren Experten tummeln... (Achtung: Ironie!)

Abgesehen davon, dass ich es unmöglich finde, so abwertend über jemanden zu urteilen und das dann auch noch mit einem selbstgerechten “Ich bin eben anspruchsvoll” zu begründen, möchte ich nicht die Bewegungs-Legastheniker hinter diesen Worten sehen.

Außerdem konnte ich mir eine derart schlechte Leistung von ihm gar nicht vorstellen, schließlich war er in einem früheren Engagement für längere Zeit beim Starlight Express, hauchte dort einer eleganten E-Lok glaubhaft Leben ein und entpuppte sich bei einer Benefiz-Gala des StEx-Ensembles als Tänzer vor dem Herrn.

 

Und wirklich: In beiden Shows stand er auf der Besetzungsliste und demzufolge im Lauf der Show auch als Black auf der Bühne.

Er wirkt schon optisch kantiger und sperriger als Ross und so ist auch sein Tanzstil. Wo Ross durch seine fließenden Bewegungen auf- und gefiel, tanzt Toby einfach (und ich kann es nur laienhaft ausdrücken) grober.

 

Bezeichnend dafür war vor allem seine Herangehensweise an die auf dem Boden liegende Sarah. Wo sich Ross mit einer weichen Bewegung auf sie gleiten ließ, setzte Toby zu einem wahren Hechtsprung auf sie an.

 

Die in der Luft gesprungene Pirouette sah auch von ihm toll aus und ob er sich bei einigen Figuren einmal weniger gedreht hat als Ross, kann und will ich nicht beurteilen.

Wie gesagt, die wahren Experten sind woanders...

 

Was ich allerdings schon beurteilen kann, ist sein Gesichtsausdruck. Der war leider ziemlich mürrisch und störte mich eigentlich mehr als ein vielleicht mal nicht perfekter Tanzschritt.

Meine Schwester und ich einigten uns später ziemlich rasch darauf, dass er während der gesamten Szene irgendwie “angepisst” geguckt hat.

Klar kommt der Black nicht als Strahlemann daher und auch Ross machte immer ein ernstes Gesicht, aber genau das war der Unterschied: Ernst und nicht mürrisch.

Das er auch anders kann, bewies er doch beim Schlussapplaus, wo ich schon befürchtete, er stände dabei auch die ganze Zeit mit langem Gesicht herum. Aber nein, da war doch tatsächlich ein Lächeln in seinem Gesicht, was ihn sofort um einiges sympathischer machte.

Außerdem sah man dort, dass man ihm mangelnden Einsatz mit Sicherheit nicht vorwerfen konnte, denn als er sich verbeugte, spritzte eine Schweiß-Fontäne von seinem Gesicht und aus seinen Haaren. Gut, dass die Show zu Ende war, denn ansonsten hätte erst einmal eine Putzkolonne anrücken müssen, um die bestehende Rutschgefahr zu beseitigen.

 

Am Samstag tanzte er außerdem noch den Part des “Rote Stiefel-Grafen” und hier wirkten er und seine Bewegungen irgendwie lockerer.

Vielleicht fühlt er sich etwas mehr bekleidet einfach wohler?

 

Am Freitagabend gab es in der Rolle des Grafen-Double ein weiteres Debut für mich. Alan Kelly tanzte ihn und auch bei ihm sind mir keine größeren Patzer aufgefallen. Außerdem war er auch noch richtig lecker anzusehen... Leider hing bei einer Hebefigur und den anschließenden Drehungen Sarahs Kleid über seinem Gesicht, was die Sache für den armen Kerl bestimmt nicht leichter gemacht hat.

Und trotzdem war es auch hier komisch, nicht den vertrauten Csaba zu sehen. In manchen Szenen haben sich bestimmte Gesichter einfach so eingebrannt, dass es richtig schwierig ist, sich auf die neuen einzulassen. Das galt auch für die “Tanz-Sarah”. Ich glaube, egal welches Mädel diese Rolle verkörpert, sie wird für mich wohl immer Kyms Gesicht haben. In Wirklichkeit handelte es sich aber um Paula Ferreira und auch bei ihr werde ich mich hüten, nach Fehlern zu suchen.

 

White Vampire war am Freitag Johan Vandamme und diese Rolle passt bei Weitem besser zum ihm als die des Black. Leider stand auch ihm diese vermaledeite Perücke (die ja eigentlich schon eine Beleidigung für Krishas Frisur ist) nicht allzu gut.

 

Das es aber tatsächlich auch anders sein kann und was ich bei dieser Produktion nicht mehr zu hoffen gewagt hätte, zeigte der Samstag. Brett Hibbert (übrigens auch ein ehemaliger “Starlighter”) schlüpfte in die Rolle des White und siehe da: Er sah richtig gut aus!

Sein Gesicht und die Perücke harmonierten gut miteinander, seine Bewegungen sahen klasse aus und die Blicke, die er seiner Sarah zuwarf, waren einfach nur zuckersüß. Für mich war das mit die beste White-Vorstellung der Oberhausener/Stuttgarter Produktion.

 

Eine ganz eigene Komik bekam ‘Carpe Noctem’ mit dem Gespann Toby/Brett für mich, als ich mir unwillkürlich vorstellte, wie es wohl aussehen würde, wenn die Beiden die Szene zur Abwechslung mal auf Rollschuhen absolvierten.

 

Aus dem Ensemble greife ich mir jetzt noch zwei Darsteller heraus und das einfach darum, weil ich ihre Namen kenne und sie im Laufe der Shows auch immer mal wieder erkannt habe.

Da wäre zum einen Florian Soyka. Von ihm wissen wir ja dank VOX, dass er nicht unter irgendeiner Stuttgarter Brücke wohnen muss, sondern dank eines findigen Maklers glücklicher Mieter einer schicken Wohnung ist.

Das deren Miete allerdings um 50,00 € sein vorgesehenes Budget übersteigt, hat er mittlerweile bestimmt auch verschmerzen können. Und wenn demnächst mal ein paar Krolock-Shows dazu kommen, lässt sich doch bestimmt auch über eine Gehaltserhöhung reden.

Er scheint auf dem besten Weg, ein würdiger Stocki-Nachfolger zu werden. Er füllt jede Rolle perfekt aus, scheint einen Riesenspaß zu haben, fügt sich toll ins Ensemble ein und fällt aber trotzdem in jeder Rolle (positiv) auf.

Schade finde ich nur, dass er nicht Stockis Napoleon-Kluft übernommen hat. Die hätte ihm (im Gegensatz zu dem jetzigen Träger) bestimmt gut gestanden. Statt dessen hat er sich für Michels ehemaliges Kostüm entschieden, was ihm aber auch ausgesprochen gut zu Gesicht stand.

Als Nightmare-Solo 2 hörte er sich richtig gut an und harmonierte auch ganz hervorragend mit seinem Kumpel, dem Nightmare-Solo 1, der im richtigen Leben Christopher Busse heißt.

Mit einer schönen Stimme ausgestattet, allerdings kleiner vom Körperwuchs, kündigte er das ‘Carpe Noctem’ an. Als Ewigkeitsvampir trägt er (ich meine ihn erkannt zu haben, als er mir samstags am Ende der Ewigkeit mit etwa 20 cm Abstand im Gesicht hing) Riccardos Outfit nebst der markanten Frisur.

 

Das gesamte Ensemble bot in beiden Shows ein absolut stimmiges Bild und man wäre nicht darauf gekommen, dass alle erst seit relativ kurzer Zeit gemeinsam auf der Bühne stehen.

Es sind auch wieder ein paar richtig nette Gesichter dabei, die man hoffentlich irgendwann einmal einem Namen zuordnen kann.

 

Und noch einen aus dem Ensemble muss ich extra erwähnen, nämlich Vanni Viscusi. Da ich wegen der vielen neuen Namen die Castliste nur überflogen hatte, war mir irgendwie gar nicht bewusst, dass er am Samstag überhaupt spielte. Erst als er als “V. i. P.” hoch über unseren Köpfen den Professor und Alfred auf ihrem Weg zum Schloss beobachtete, fiel er mir auf. Später stach er mit seinen eleganten Bewegungen bei der ‘Ewigkeit’ und im ‘Ballsaal’ mal wieder total hervor und ihn zu beobachten bereitet mir auch immer Spaß.

 

Natürlich gab es auch wieder ein Erlebnis aus der Kategorie "Benehmen ist Glückssache". Während unser Umfeld in der Freitagsshow als durchaus angenehm zu bezeichnen war, sassen wir am Samstag hinter und neben einer Horde Menschen, die man am treffendsten als “Familie Flodder” bezeichnen konnte. Verwandtschaftliche Bande bestanden wohl in der Tat, denn als der Älteste der Gruppe nach der Pause erschien (ich muss nicht erwähnen, dass da schon die ersten Takte der ToFi erklangen, oder?) schallte ihm ein freudiges "Da kommt der Papi!" entgegen. Wenn dieser Mann tatsächlich "der Papi" dieser ganzen Bagage war, hätte ich ihn 1. gerne einmal gefragt, ob er noch andere Hobbys hat und 2. ob seine Erziehung nicht vielleicht ein wenig daneben gegangen ist.

In der ersten(!) Reihe tummelten sich vier halbwüchsige Wesen, die kaugummikauend dem Dirigenten (Guido Löflad) ein ohrenbetäubendes "Hi" entgegen brüllten, als er im Orchestergraben erschien. (Sein Blick war dann auch dementsprechend.) Während der Show machte es sich eines der Mädchen bequem, indem es seine Schuhe auszog und die Füße auf den Sitz zog. Eine andere entschied sich dann doch lieber für die Variante des Beine hochlegens (man will ja schließlich keinen Blutstau bekommen) und drapierte ihre unteren Extremitäten auf dem Geländer zum Orchestergraben. Das die Beiden ständig tuschelnd und kichernd ihre Köpfe zusammensteckten, fiel kaum noch störend auf.

Den kleinen Jungen neben ihnen schienen trotz seines jugendlichen Alters heftige Rheumaschübe oder sonstige Krämpfe zu plagen, denn immer wieder warf er seine Arme in die Luft um sich dann ausgiebigst zu recken und zu strecken.

 

Neben unseren Plätzen in der zweiten Reihe lümmelte breitbeinig ein Spätpubertierender, der nur sehr widerwillig das Feld räumte als wir kamen. Es war aber auch unverschämt von uns, ihn aus seiner halbliegenden Position aufzuscheuchen und ihm abzuverlangen, sich mit einem Platz statt mit dreien zufrieden zu geben.

Doch nicht genug damit, dass er nicht wusste, wie man sich benehmen sollte (und ich fürchte, es auch nicht so leicht lernen wird), hatte er wohl noch nie gehört, dass es Wasser, Seife und andere tolle Dinge gibt, um unangenehme Körpergerüche zu vertreiben. Vielleicht hätte er mal Nachhilfe bei der badesüchtigen Sarah nehmen sollen, denn nur ein klein wenig ihres Badezwangs hätte ihm äußerst gut getan. Hauptleidtragende dieser Geruchsbelästigung war meine Schwester, die direkt neben ihm sass, da sie mir großzügig den Gangplatz überlassen hatte (damit ich den Hauch des Grafen spüren konnte!). Es tat mir richtig leid, dass sie für ihre Großzügigkeit so bestraft wurde.

 

Zwei andere Dinge gibt es noch zu erwähnen, die ich (nach acht Shows im Palladium) mal als Stuttgarter Phänomene bezeichne, da sie sich mit schöner Regelmäßigkeit wiederholen:

Da wäre erstens die unheimliche Anziehungskraft des Orchestergrabens.

In noch keinem anderen Theater habe ich einen solchen Run auf diesen scheinbar magischen Ort erlebt. Ist es dort vor der Show noch relativ ruhig, weckt spätestens das Erscheinen eines mehr oder weniger wild mit den Armen rudernden Menschens (für Insider: der Dirigent) die Neugier des Publikums.

In der Pause und auch am Ende der Show (das Licht ist noch nicht richtig an) setzt sich die Masse lawinenartig in Bewegung. In Fünfer- und Sechserreihen drängeln sich die Leute vor der ersten Reihe, um einen Blick in den Untergrund zu werfen, wo doch tatsächlich echte lebendige Menschen an Saiten zupfen und in die Tasten hauen.

 

Aus eigener (leidvoller) Erfahrung weiß ich, dass es ihnen dabei auch ganz egal ist, ob hinter ihnen in der ersten Reihe noch jemand sitzt. Ohne Gnade strecken sie demjenigen ihre (meistens nicht) wohlgeformten Hinterteile ins Gesicht...

Und so lächerlich (oder eigentlich traurig, weil sie wohl tatsächlich vonnöten ist) ich diese Absperrung mit dem Hinweisschild "Bühne - Betreten verboten" vor und nach der Show, sowie in der Pause an den beiden Treppen auch finde, sollte man eventuell doch noch ein zweites Schild anbringen. Mir schwebt da etwas in der Art wie "Orchester - Füttern verboten" vor.

 

Das zweite Phänomen wäre die Sache mit der (wie ich es nenne) "verkicherten Gier". Verlassen die Ewigkeitsvampire den Friedhof/die Bühne, ist es für sie ja immer ein besonderer Spaß, mehr oder weniger ahnungslose Menschen im Publikum mit ihrer Nähe zu beglücken. Je nach Nervenkostüm des jeweiligen Zuschauers fielen die Reaktionen in Oberhausen unterschiedlich aus. Von kleinen spitzen Schreien, über kurzes Gelächter bis hin zu abwehrenden Gesten in Richtung des "Angreifers" war alles dabei. In Stuttgart ist es nun aber so, dass sich die Leute vor Lachen nicht mehr einkriegen können und sich in zügelloser Begeisterung immer noch auf die Schenkel schlagen, wenn die Gier längst angefangen hat.

Das hört sich dann ungefähr so an: "Endlich Nacht, kein Stern zu seh'n..." "KICHER! KICHER!" "...der Mond versteckt sich..." "PRUST! JAPS!" "...denn ihm graut vor mir..." "RÖCHEL, HAST DU GESEHEN, DER HAT MICH ERSCHRECKT?!"

 

Meine Güte, ja! Wir haben es alle mitgekriegt und jetzt muss aber doch mal wieder gut sein. Ich lasse mir nicht gerne von unkontrollierten Heiterkeitsausbrüchen die Gier versauen.

 

Vielleicht sollte man darüber nachdenken, nach der 'Ewigkeit' nochmal eine kurze Pause zu machen. Zum einen hätten die Lachsäcke genug Zeit, sich wieder einzukriegen und zum anderen könnten sich diejenigen, die es bisher noch nicht zum Orchestergraben geschafft haben, auch noch auf den Weg machen.

 

Tja, nun ist dieser Bericht wieder seitenlang geworden und das Wichtigste, aber gleichzeitig auch das Schwierigste fehlt noch: Der Graf und sein Darsteller.

Und genau an dieser Stelle wäre ich jetzt gerne ein bedeutender Schriftsteller, denn dann könnte ich eine Schreibblockade für mich in Anspruch nehmen. Bin ich aber nicht und so muss ich ganz einfach zugeben, dass mir allmählich die Worte ausgehen, um das zu beschreiben, was ich wieder einmal von ihm sehen und hören durfte.

 

Das erste Erscheinen des Grafen - Gänsehaut pur.

‘Gott ist tot’ ließ er alle wissen und verschwand auch schon wieder in der Dunkelheit.

Aber nur, um kurze Zeit später in das Badezimmer der ahnungslosen Sarah zu stürmen und sie mit einem Blick zu bedenken, der das Wasser in ihrer Wanne hätte zum kochen bringen können.

 

Und passend zu diesem stürmischen Auftritt war diesmal auch die Frisur des Grafen.

Waren bei 'Gott ist tot' die Haare alle noch an ihrem Platz, fielen bei der 'Einladung zum Ball' zwei dicke Strähnen rechts und links neben dem Gesicht des Grafen auf seine Schultern.

(Bitte, bitte Exzellenz, behalten Sie dieses Styling bei, denn das verleiht Ihnen nochmal ein extra-erotisches Aussehen.)

 

Auch ‘Vor dem Schloss’ war mit den ganz besonderen Licht-Stimmungen einfach nur wunderschön.

 

Bei der ‘Totalen Finsternis’ (wie zufällig hing natürlich wieder ein Stück seines Umhangs über dem Treppengeländer) schien es so, als würde der Graf aus einem Traum aufwachen, als er Sarah zum ersten Mal hört. In seinem Blick lag so etwas wie Ungläubigkeit darüber, dass dieses junge Mädchen tatsächlich den Weg zu ihm gefunden hatte.

Das war wieder so eine intensive Darstellung, dass mir wirklich die passenden Worte fehlen.

 

Dem Menschen, der entschieden hat, dass der Graf während der gesamten 'He ho he Professor'-Szene zu sehen ist, sollte man einen Orden verleihen. Zu schön ist dessen Gesicht, wenn er fassungslos dem Geschwafel des Professors zuhört, bevor er sich dann donnernd in die sinnlose Unterhaltung der beiden Angsthasen einmischt.

 

‘Die unstillbare Gier’ - grandios:

Die kleinen wegwerfenden Handbewegungen beim Betrachten der einzelnen Särge ("Ich kann es doch nicht mehr ändern"), dieses kurze Zögern beim Vorbeigehen am Sarg seiner großen Liebe, das Hinknien und Herabschauen auf den Sarg (mit den weichfallenden Haarsträhnen!!), das Beklagen des Todes der Pastorentochter und den des Pagen...

Als ob die Trauer ihm noch nachträglich das Herz zerreißen würde.

Unglaublich berührend!

 

Kurz darauf das genaue Gegenteil: Der eben noch so gebrochene Mann rockte aber mal so richtig den Tanzsaal, um anschließend stolz zwischen seinen Untertanen umher zu schreiten und ihnen mitzuteilen, welch fette Beute er doch für sie bereit hat.

 

Und dann kam wieder der Moment, der so besonders ist: Der Graf fordert Sarah mit einem aufmunternden Blick und einem lautlosen “Komm” auf, zu ihm zu gehen.

Das ist auch immer so ein ganz magischer Augenblick in jeder Show mit Kevin...

 

Nach dem Biss zierte wieder nur ein elegantes Rinnsal das Kinn des Grafen und trotzdem war wohl etwas Blut auf seine Haare (erwähnte ich, dass sie diesmal extremst gut aussahen?) gespritzt. So ausgiebig betupfte er seine Haarpracht mit dem Spitzentuch, dass er überhaupt keinen Blick mehr für die am Boden liegende Sarah zu haben schien.

Erst als sie klagte: "Einmal dachte ich, bricht Liebe den Bann..." unterbrach er ziemlich widerwillig seine Säuberungsaktion und bedachte sie mit einem beinahe schon abfälligen Blick. Toll gemacht.

 

Das Menuett, die Flucht, das einstürzende Schloss und schon hieß es wieder: Willkommen in der Wirklichkeit.

 

Und genau in dieser Wirklichkeit finde ich es immer wieder beeindruckend, wie strahlend Kevin zum Schlussapplaus erscheint. Bei ihm habe ich es noch nie erlebt, dass er auch nur ansatzweise ernst, erschöpft oder sonst wie indisponiert wirkt. Man hat immer das Gefühl, als wolle er jedem einzelnen Zuschauer vermitteln: "Hey, schön das Du da warst und ich habe echt gerne für Dich gespielt."

Bewundernswert!

 

Nach diesen wieder einmal so umwerfenden Eindrücken, finde ich die Aussicht ausgesprochen erfreulich, Kevin demnächst mal wieder nach nur halb- und nicht nach viereinhalbstündiger Fahrt zu sehen.

Danach kommt allerdings eine laaange Durststrecke bis zum Februar, in der ich mir nur einreden kann, dass die Witterungs- und Straßenverhältnisse im Dezember und Januar einfach zu schlecht sind (“...der lange Winter, Sie verstehen?”), um den weiten Weg nach Stuttgart anzutreten.

Vielleicht höre ich ja auf mich. Vielleicht aber auch nicht...

 

P. S. Einmal muss ich noch auf das (Achtung: Nochmal Ironie!) “Experten”-Forum zurückkommen: Dort hat sich vor kurzem jemand berufen gefühlt, die beiden Grafen miteinander zu vergleichen und ist zu folgender Erkenntnis gelangt (ich zitiere wörtlich):

 

“Jans Graf kommt wie der Verführer rüber, der gefährliche Liebhaber. Bei Kevin wirkt es mehr wie das Werben eines alt gewordenen Grafen.” (Zitat: Ende)

 

Hä?

Demzufolge schließen sich also “das Werben” und “der Verführer sein” gegeneinander aus??

Und ein “alt gewordener Graf” kann kein “gefährlicher Liebhaber” sein??

Ja nee, is klar!