Tanz der Vampire, 13.01.2010, 18.30 Uhr - Metronom Theater Oberhausen

 

Diesmal wirklich ein Showbericht. (Vielleicht etwas lang geraten.)

 

Akt 1:

Das Wirtshaus öffnete seine Pforten und alle huldigten dem Knoblauch. Chagal (Jerzy Jeszke) stimmte ein schönes Fiedeldumdei an, Magda (Sanne Mieloo) klagte über die Männerwelt an sich und Rebecca (Martine de Jager) hatte alle Hände voll damit zu tun, ihren Mann von anderen Frauen fern- und sich selbst lästige Verehrer vom Hals zu halten. Immer wieder toll zu sehen, wie die einzelnen Darsteller in dieser “Wusel-Szene” agieren. Sven Prüwer (den erkenne ich komischerweise in jeder Maske) ist z. B. immer persönlich beleidigt, wenn ihn (s)eine Frau darauf aufmerksam macht, dass Knoblauch "größer macht, was zu klein ist”.

Bald wurde diese Idylle allerdings durch zwei mehr oder weniger eingefrorene Gestalten gestört. Der Professor (Christian Stadlhofer) und Alfred (Riccardo Greco) platzten herein. Kaum einigermaßen aufgetaut, fing der Professor auch schon an, unangenehme Fragen zu stellen und Chagal redete so gut es ging um den heißen Brei herum.

Der Black Vampir von Sonntag (Johan Vandamme) war heute der Dorftrottel (steile Karriere!). Er wies sehr vehement darauf hin, dass "Da, da, da...” das Schloss ist. Leider wurde ihm genauso vehement der Mund zugehalten. Nachdem er sich aus dem beinahe schon Würgegriff befreit hatte, bestand er weiterhin darauf: “Aber da ist doch das Schlo...”. Weiter kam er nicht, denn Rebecca stand bedrohlich den Kochlöffel schwingend vor ihm und brachte ihn endgültig zum schweigen. In seinem Gesicht stand ein “Dann eben nicht” als er sich wieder mit aller Hingabe seinem Strickzeug widmete.

 

Chagal zeigte den Herren ihr Zimmer und präsentierte nebenan etwas “wirklich Schönes”. Alfred fiel die Kinnlade herunter, während der Professor mehr damit war, seine Schuhe zu säubern. Mit viel Spucke versteht sich. Aufgeschreckt durch Alfreds Interesse an seiner schönen Tochter vernagelte Chagal lieber mal die Tür zu ihrem Zimmer. Anschließend zog es ihn dann, weil er ja selbst ein Mann ist, nicht ins eheliche Schlafzimmer, sondern doch lieber zu seiner tadellosen Magd, die über den nächtlichen Besuch alles andere als erfreut schien. Da das ganze natürlich nicht ohne Gepolter vonstatten ging, wurde auch der Professor wach und machte sich auf den Weg, der Sache auf den Grund zu gehen. Klasse, wie Christian erst mal gegen die Wand lief, bevor er den richtigen Weg fand. Alfred war unterdessen schon alles egal. Er schmachtete nur noch von einem 'Mädchen, das so lächeln kann'. Und auch Sarah (Nele-Liis Vaiksoo) fand Gefallen an dem netten, jungen Mann.

Für den Professor endete seine Neugier schmerzhaft, den Rebecca zog ihm genauso gnadenlos wie versehentlich die Salami über den Schädel. Dasselbe Schicksal ereilte wenig später ihren untreuen Gatten. Mit einem eleganten Fechtsprung beförderte sie ihn ins eheliche Bett zurück, wo sie dann zum finalen K.O.-Schlag ausholte. Herrlich, wie resolut Martine diese Szene immer umsetzt.

 

“Sei bereit” (klar, sind wir) erklang es schon seit einiger Zeit und endlich erschien die majestätische Gestalt des Grafen (Kevin, wer sonst?) zum ersten Mal. Warum ist dieser Moment immer wieder auf’s neue Faszination pur? 'Gott ist tot' wurde wieder wunderschön zelebriert. Die schlanken Grafenhände rieben sich erwartungsvoll aneinander, bevor er, noch einmal den Mond anfauchend, wieder in der Dunkelheit verschwand. (Schade eigentlich.)

 

Alles wurde wieder hell und es hätte so schön sein können, wenn nicht Koukol (Stefan Büdenbender) dazwischengekommen wäre. Chagal scheuchte seine beiden Damen ins Haus und fragte nach den Wünschen des buckligen Zeitgenossen. Nach mehr oder weniger großen Verständigungsschwierigkeiten verschwand er im Haus, um die gewünschten K-k-k-kerzen zu holen und Koukol entdeckte Sarah an ihrem Fenster. Er bedeutete ihr, zum Schloss zu kommen, aber irgendwie verstand auch sie ihn nicht auf Anhieb. Also nahm er erst einmal das Kerzenbündel und verschwand brabbelnd im Dunklen.

Dem Professor war die bucklige Gestalt natürlich nicht entgangen und schon fing er wieder an, Fragen zu stellen. “Wie und was und wer und wo und wann?” Christian hat das wieder urkomisch rüber gebracht.

 

Sarah wollte endlich mal wieder baden und schwatzte Alfred erfolgreich die Badewanne ab. Sehr schön finde ich immer Riccardos Gesicht, wenn er merkt, dass Sarah etwas ganz anderes von ihm möchte als er sich das so denkt. Bei den anderen Alfreds verläuft das immer etwas im Sande und sie bleiben mit einem eher debilen Gesichtsausdruck zurück. Bei Riccardo ist die ganze Gefühlspalette zu sehen: Erst total erschrocken, wenn Sarah ihn am Schlüsselloch überrascht, dann, wenn der Schwamm runterfällt, schon völlig konfus über die plötzliche Nähe und mit einem dicken Frosch im Hals. Wenn Sarah ihm dann mit dem Schwamm über das Gesicht streichelt (mit dem sie sich vorher über den Körper gestrichen hat!) habe ich immer etwas Angst, dass er vor Aufregung gleich in Ohnmacht fällt. Und wenn sie ihn dann auch noch anfasst (leider nur um ihn aus dem Bad zu schieben) kann er sein Glück nicht fassen und mit seligem Lächeln und wie in Trance setzt er einen Fuß vor den anderen, bis er dann eben merkt, dass er irgendwie ausgetrickst wurde. Und dieser Gesichtsausdruck ist dann einfach göttlich.

 

Matthias Stockinger hat als Dachgraf sehr synchron die Lippen zum Gesang des “echten” Grafen bewegt. Leider konnte ich heute nicht sehen (sass zu weit außen), wie der Graf ins Badezimmer stürmte. Erst nach ein paar Schritten wurde er für mich sichtbar. Eindringlich sang er auf Sarah ein, verächtlich wurde die zugenagelte Tür betrachtet, verführerisch versprach er “Ich geb Dir, was Dir fehlt...” Wow, da war er also wieder, der Graf. In voller Pracht stand er auf der Wanne.

Alfreds Geschrei störte in diesem Moment schon sehr.

 

Nachdem Koukol seinen Botengang erledigt hatte, versteckte Sarah bei 'Draußen ist Freiheit' das Bündel so gut es ging vor Alfred. Schließlich schickte sie ihn einfach nochmal ins Haus, um den Schwamm zu holen. Alfred verstand zwar überhaupt nicht, warum er das tun sollte, machte es dann aber einfach.

 

Die darauffolgende Rote Stiefel-Tanzszene war wieder sehr schön. Der bewährte Csaba Farago war das Grafen- und Kerstin Zinser-Zwanzig das Sarah-Double.

 

Das Gebet hörte sich schön harmonisch an. Doch das wurde nebensächlich, als der Graf auf dem Dach auftauchte und wieder sehr deutlich machte, wer hier das sagen hat.

 

Alles beten nutzte nichts. Sarah zog es raus in die Nacht. Dicht gefolgt von ihrem Vater, der aber kurze Zeit später nicht nur gefroren, sondern auch gebissen und demnach (un)tot nach Hause gebracht wurde. Nur gut, dass der Professor Rat wusste, zum Pflock griff und ihn geradezu andächtig präsentierte. Das beeindruckte Madame Chagal aber nicht im geringsten. Im Gegenteil: Im wahrsten Sinne des Wortes drehte sie den Spieß um und vertrieb die beiden Störenfriede aus der Wirtsstube.

Als Rebecca dem Professor den Pflock zu warf, flog im Gegenzug etwas vom Professor auf die Bühne. Später entpuppte es sich als sein Monokel, was er sich beim fangen des Pflocks wohl abgerissen hatte. Chagal oder Magda hatten es dann wohl unbemerkt auf das Fass gelegt und als der Professor seine Vorbereitungen zum “Chagal-pfählen” traf, steckte er es wieder ein.

 

Rebecca trauerte noch angemessen um ihren Mann und anschließend stellte Magda fest, dass tot zu sein komisch ist. Chagal vernahm mit Freude, dass sie ihn eigentlich ganz nett fand. Na, da konnte er doch aufstehen und der Guten als Zeichen seiner Zuneigung gleich mal in den Hals beißen.

Immer wieder köstlich finde ich Jerzys Spiel, wenn er merkt, was er da angerichtet hat.

 

Nachdem Chagal Magda auf den Tisch verfrachtet hatte und der Professor und Alfred die Verwechslung bemerkten, ging die wilde Hatz durch das Wirtshaus los. Alfred brachte ihn zu Fall und auch hier finde ich die Laute, die Jerzy von sich gibt immer sehr erheiternd.

Um sein ewiges Leben nicht zu verlieren, erklärte er sich bereit, den beiden den Weg zum Schloss zu zeigen. Während sie noch auf dem Weg waren, schickte der Graf schon einmal eine kleine Vorhut seiner Untertanen in den Saal. Die Überraschung war ihm gelungen, denn man hörte doch viele kleine Schreie im Publikum als die Vampire sich ihren Weg bahnten. Ganz in meiner Nähe stand Sven Prüwer (erwähnte ich, dass ich den immer erkenne?).

 

Dann ging das Tor hoch und seine Exzellenz erschien. Vornehm und ziemlich hochnäsig. Alfred schien ob dieser imposanten Erscheinung immer nervöser zu werden. Der Graf ließ seine Besucher an seinen tiefsinnigen Gedanken (“Endlos ist das Meer der Zeit...”) teilhaben. Anschließend stand er wieder ganz versunken da.

Dann fiel ihm ein, dass diese Witzfigur von Professor und dessen nervöser Assistent noch da waren. Schlagartig änderte sich sein Gesichtsausdruck und er lachte ein arrogantes und hartes Lachen. Der Professor stellte sich vor und merkte mal wieder nicht, dass die Begeisterung des Grafen an seiner Arbeit nicht wirklich echt war. Umso begeisterter stellte der Graf dann aber seinen Sohn vor. Herbert (Jakub Wocial) schwebte heran und nahm den armen Alfred gleich in Beschlag.

 

Nachdem sich Koukol seine Streicheleinheiten und den sofort darauf folgenden Anschiss abgeholt hatte, wendete sich der Graf mit größtem Vergnügen Alfred zu und präsentierte ihm nicht nur seinen Schwamm, sondern auch seine Möglichkeiten, wenn er ihm denn vertrauen würde. Beim langen “Befrei’n” (wow) zog Alfred es aber vor, die Flucht zu ergreifen und der Graf schloss mit dämonischem Lächeln das Tor.

 

Akt 2:

Die 'Totale Finsternis' brach herein. Der Graf hatte wieder seine (meine) Lieblingsposition auf der Treppe bezogen und schaute zu Sarah hinunter.

Ich verkneife es mir jetzt ins Detail zu gehen, aber es sah wieder so umwerfend aus.

Als er unten bei Sarah war, begann wieder das Spiel zwischen Nähe und Abstand und es tut mir wirklich leid, dass ich für die wechselnden Gesichtsausdrücke des Grafen nicht die richtigen Worte finde.

Wieder mußte er sich so beherrschen, nicht jetzt schon den Genuss zu ruinieren und wieder gelang es ihm mit großer Mühe, Sarah nur in seinen Umhang einzuhüllen und mit ihr fortzugehen.

 

Während der Professor den Schlaf der Gerechten schlief plagte Alfred ein schlimmer Alptraum ('Nightmare').

Michel Driesse hat das Nightmare-Solo 1 gesungen. Er macht seine Sache bestimmt ganz prima, nur finde ich seine Stimme nicht so angenehm. Andererseits habe ich mich so an ihn gewöhnt, dass es schon komisch ist, wenn mal nicht er, sondern ein anderer oben auf dem Bett auftaucht. Nightmare-Solo 2 war Macej Salamon, dessen Stimme ich wiederum als angenehm empfinde. Zum ersten Mal (sowohl optisch als auch akustisch) ist mir heute Stocki aufgefallen, der ein wunderschönes “Fühl die Nacht” gesungen hat.

Der Vampir, der kopfüber vom Bett runter hing, hat sich so heftig hin und her geschaukelt, dass das Bett ganz bedrohlich gewackelt hat. Vanni Viscusi als Black war eine echte Augenweide. Ich habe mich sehr gefreut, ihn mal wieder in dieser Rolle zu sehen. Er ist für mich figürlich so ein “Zwischending” zwischen Johan (sehr schmal und filigran) und Ross (größer und statiöser). Sein Spagat über Sarah war wieder vom allerfeinsten. David Baranya war der White und Kerstin die Sarah. Alles in allem immer eine Szene, an der ich mich nicht sattsehen kann.

 

Auch dieser Alptraum ging für Alfred vorbei und während er schön gefühlvoll 'Für Sarah' sang, ging der Professor schon mal vor, die Lage zu erkunden.

Er fand auch tatsächlich was er suchte und lotste Alfred, dessen Unbehagen mit jedem Schritt größer wurden, in die Gruft. Aber es blieb ihm auch diesmal nicht erspart, in die Gruft runter zu steigen und wiederum kläglich zu versagen. Sein unglückliches Gesicht darüber sprach Bände. Der Professor kriegte sich in seiner misslichen Lage gar nicht mehr über die Unfähigkeit seines Assistenten ein und zeterte in einem fort. Jetzt wissen wir auch, dass der Professor nicht mehr nur Fußstapfen hat, in die Alfred einmal treten soll, sondern großartige Fußstapfen, was die Sache für Alfred nicht leichter machen dürfte.

 

Doch der Professor beruhigte sich spätestens beim Anblick der hunderttausend Bücher. Während er riechend und tastend in der Bücherwand verschwand, vernahm Alfred vertraute Töne. Sofort rannte er los und fand Sarah... natürlich in der Badewanne. So eindringlich er sie auch beschwor, mit ihm zu kommen, so beharrlich bestand sie darauf, mit dem Herrn Grafen zu tanzen (wer kann’s ihr verdenken?).

Nachdem sie Alfred weggeschickt hatte, wirkte dieser erst etwas ratlos, aber Gott sei Dank tauchte der Professor wieder aus den Bücherwänden aus und riet Alfred, sein Glück ebenfalls in den Büchern zu finden. Zielstrebig griff Alfred nach einem Buch, zufällig war es der Ratgeber für Verliebte und schon ertönte wieder eine vertraute Melodie. Leider war diesmal Herbert der Verursacher und freute sich mächtig, Alfred zu sehen. Die beiden drehten ein paar Tanzrunden vor dem Spiegel und Alfred erkannte entsetzt sich... und sonst nichts. Wieder einmal hieß es für ihn die Beine in die Hand zu nehmen, aber seine Flucht misslang gründlich. Genüsslich grinsend stand Herbert schon wieder hinter ihm und warf ihm zum allem Überfluss auch noch einen fetten Luftkuss zu. Eine erneute Flucht sollte es nicht geben, denn Herbert hatte jetzt genug von den Spielchen und warf sich wild entschlossen auf den armen Alfred.

Dem blieb nichts anderes übrig, als nach dem Professor zu schreien, der auch glücklicherweise ziemlich zügig erschien und auf Herbert eindrosch.

Jakub ist so ein zierlicher Herbert, dass man echt Angst haben könnte, dass der Professor ihm mit seinem Schirm ernstlich Schaden zufügen könnte. Sein zurückkrabbeln, wenn der Professor auf ihn losgeht war echt zu schön. In einer affenartigen Geschwindigkeit brachte er sich in seiner halbliegenden Position in Sicherheit und zog dabei ein furchtbar ängstliches Gesicht.

Das änderte sich aber schlagartig, als er merkte, dass der Professor Alfred in Verdacht hatte, ihn provoziert zu haben. Christian wollte es diesmal ganz genau wissen und ist Riccardo wirklich fast - Entschuldigung - in die Hose gekrochen. Riccardo konnte die Tasche gar nicht fest genug an sich drücken. Hinter mir sass eine Frau, die sich bis zum Ende nicht mehr über diese Szene eingekriegt hat vor lachen.

Zum schreien komisch fand ich eher das Gesicht, das Jakub aufsetzte, ganz nach dem Motto: “Genau, der war’s.” Außerdem spielte er die ganze Zeit mit seinem Zopf und als er dann weg stolzierte warf er ihn mit einem empörten “Tsssss” nach hinten.

 

Endlich tauchte seine Exzellenz mal wieder auf und verhöhnte mit “He ho he” den Professor. Auch in dieser kurzen Szene war die Präsenz des Grafen unglaublich und sein “Nur ein Biss und es ist passiert...” tat wirklich schon fast weh.

 

Die Vampire kamen aus den Gräbern und begannen ihren Tanz. Diese Szene ist auch immer wieder beeindruckend. Besonders fallen mir hier immer Stocki, Lucas Theisen (Markenzeichen: unentwegt zuckende Finger), Cale Stanojevic (der ist so klein), Csaba (wegen seiner schiefen Krone) und natürlich, klar, Sven Prüwer auf. Sie tanzten in die Nacht hinaus und machten Platz für ihren Herrn und Gebieter und für seine 'Unstillbare Gier'.

Auch hier verkneife ich mir Details, denn das würde den Rahmen endgültig sprengen.

Es war wieder einfach nur wunderbar, vielleicht etwas zurückgenommener als am Sonntag, aber trotzdem nicht weniger emotional und jedes Wort, jede Geste, jeder Blick passte.

 

Koukol richtete den Tanzsaal her und bat bzw. befahl die Vampire heran. Die gehorchten auch und zogen mit Herbert an der Spitze in den Saal ein. Der Graf erschien auf der Treppe (da war es wieder, mein Lieblingsbild) und hieß alle willkommen. Zuerst erinnerte er noch einmal rockig an den ausgemergelten Bauern und das er ja gesagt hatte, dass bessere Zeiten kommen, dann begab er sich zu seinem Vampirvolk hinab und wartete auf das verwunschene Sternenkind. In diesem Moment habe ich meinen Platz verflucht, denn ich konnte nicht sehen, wie er sie mit diesem lautlosen “Komm" ermutigte zu ihm zu gehen. Auch heute waren wieder einige deutlichere Gesten von Nöten, um Sarah zum näherkommen zu bewegen. Schließlich ging sie aber doch zu ihm und wieder spiegelten sich in dem Grafengesicht sämtliche Emotionen wieder. Am hinreißesten empfinde ich zur Zeit diese große Traurigkeit in den Augen des Grafen vor dem Biss.

Der fiel heute auch etwas zurückhaltender aus und da war es dann auch wieder, das elegante Rinnsal am Kinn.

Aber auch das mußte abgewischt werden, denn das Menuett begann. Elegant schwebten die Vampire, etwas weniger elegant die beiden Möchte-gern-Vampire über das Parkett.

Es kam, wie es kommen mußte: Der Spiegel enttarnte die drei als (Noch)Menschen.

 

Die Reaktion des Grafen, als Alfred mit dem Kerzenständer auf ihn zu rannte, konnte ich nur erahnen, denn seine Vampirschar verdeckte mir die Sicht. Stocki meinte dann auch noch ein paar Stufen der Treppe ins Parkett herunterkommen zu müssen, so dass ich während der ganzen Szene seinen Rücken bewundern durfte. Okay, war ja auch mal was.

Trotzdem wurde das Kreuz vor den Vampiren geformt und sofort brach ein Tumult los.

Zuerst stürzte der Graf (wieder sehr elegant) und dann sein Schloss über ihn ein.

Auch für Alfred gab es keine Rettung mehr, denn Sarah hatte ihm schon ihre Liebe gezeigt. Nur der Professor glaubte unerschütterlich, dass er wieder einmal die Menschheit vorm Verderben bewahrt hatte...

 

Beim Finale tanzte Csaba erst einmal eine zeitlang vor mir herum, bevor er auf die Bühne stieg. Alle anderen waren schon oben, aber er tanzte immer noch unverdrossen unten herum. Irgendwie hing er mir ziemlich dicht auf der Pelle und ich habe mal auf seine Trittsicherheit vertraut, denn ich hätte nicht ausweichen können, wäre er ins Stolpern geraten...

 

Zum Glück war dem Grafen bei dem Schlosseinsturz nichts passiert, denn er kam strahlend und winkend zum Schlussapplaus auf die Bühne.

Gut so, denn wir wollen doch noch ein paar Shows mit ihm erleben, oder?!