Tanz der Vampire, 23.04.2010, 19.30 Uhr + 24.04.2010, 19.30 Uhr - Ronacher Wien

 

Vampire in Vienna oder: Der Herr Graf trägt Leder...

 

Akt 1:

Bei der Ouvertüre zeigen zerklüftete, tiefverschneite Berge, dass sich Professor Abronsius und Alfred aber so richtig in der Wildnis verirrt haben.

 

Zum Glück entdeckte Alfred (Lukas Perman) den Professor (Gernot Kranner) eher als ich. Bei mir hätte der arme Mann noch länger im Schnee gelegen, denn während ich ihn links auf der Bühne wähnte, wandte Alfred sich zielstrebig nach rechts und schulterte seinen eingefrorenen Lehrherren, schnappte das übrige Gepäck und stapfte davon.

 

Das Wirtshaus dreht sich zu den ersten Tönen von ‘Knoblauch’ um die eigene Achse. Zuerst gibt es die Fassade zu bewundern und zwei Bäuerinnen gehen, wahrscheinlich angelockt durch das anheimelnde Licht in den Fenstern, hinein. Außerdem verspricht der rauchende Schornstein wohlige Wärme im innern.

Auf der Bühne wird es heller und da war er: Der vertraute Anblick der Gaststube.

Chagal (James Sbano), der mich vom Aussehen ein bisschen an Maciej in der Rolle erinnerte, zupft die Geige, Magda (Anna Thoren) beschreibt mit treffenden Worten die Männer (und das, obwohl sie blond ist!) und Rebecca (Katharina Dorian) muss ihrem Mann mal wieder klarmachen, wohin er gehört. (Zwischendurch hebt auch sie kokett ihren Rock und schicke Schuhe mit höherem Absatz kommen zum Vorschein.)

Dem Dorftrottel wird eine besondere Ehre zuteil (zumindest ist mir das in der Show am Samstag) aufgefallen): Er wird auf einem Stuhl sitzend von ein paar Bauern quer durch den Raum getragen.

Alfred und Professor Abronsius platzen herein, letzterer wird erfolgreich aufgetaut und bekommen von Chagal ihre Zimmer gezeigt. Hierbei dreht sich das Haus wieder und bleibt mit der Fassade nach vorne stehen.

 

Als zum ersten Mal Sarahs Gesang ertönt, öffnen sich oben zwei Fenster und der Professor und Alfred gucken mehr oder weniger verzückt heraus. Nachdem der Professor sich erkundigt, was “DAS” ist, öffnet sich ein weiteres Fenster, Chagal erscheint und liefert die nicht ganz richtige Erklärung.

Die Fenster schließen sich wieder, das Haus dreht sich und gibt den Blick auf die gewohnten Zimmer frei. (Das Haus ist breiter, höher und, was besonders auffällt, tiefer.)

Während Chagal das Gästezimmer präsentiert, taucht von Sarah (Marjan Shaki) nicht erst ein Arm, dann der zweite und schließlich der Kopf auf, sondern sie ist sofort ganz in der Wanne zu sehen.

Die Reaktion von Alfred ist eine gelungene Mischung aus Be-und Entgeisterung und veranlasst Chagal schleunigst zum Bretter holen und Tür verbarrikadieren.

Während er sein Leid über ‘Eine schöne Tochter’ klagt, beziehen Magda und Rebecca über die beiden Stiegen ihre Zimmer. (Freundlicherweise brauchen sie sich nicht selbst um ihre Betten zu kümmern, da diese schon an Ort und Stelle stehen.)

 

Nachdem Professor Abronsius sein müdes Haupt weich gebettet hat und auch sein Assistent sich seiner Jacke entledigt hat, bestätigt sich der erste Eindruck: Lukas Perman ist ein sehr großer Alfred, ein hübscher noch dazu und das ganze gepaart mit seiner Ängstlichkeit und Naivität ist eine ziemlich perfekte Mischung.

‘Ein Mädchen, das so lächeln kann’ hört sich von ihm sehr schön an und auch Marjan Shaki hat eine angenehme Stimme. Sie ist eine sehr hübsche Sarah und es macht gar nichts, dass man ihr bei genauerem Hinsehen das “fast schon achtzehn” nicht mehr ganz abnimmt.

 

Während seine Tochter von ihrem Prinzen träumt, kommt auch Chagal nicht zur Ruhe und macht sich mit lautem Getöse auf den Weg zu Magda. Natürlich weckt das auch alle anderen Hausbewohner und als Abronsius Alfred fragt: “Junge, hörst Du das?” antwortet dieser ganz brav: “Ja.”

Rebecca ahnt derweil, wo sich ihr Gatte rumtreibt und macht sich schon mal klar zum Kampf. Leider macht sie das nicht sehr resolut und robust, so dass die Komik dieser Szene etwas verpufft.

Nachdem der Professor die Salami über den Kopf und Chagal die Schere fast zwischen die Rippen bekommen haben und wieder in ihren Betten liegen, ertönt auch schon das erste “Sei bereit.”

 

Der Gang runter zur Bühne hat im Ronacher keine Stufen, sondern geht schräg nach unten. Ob es daran liegt oder eine ausgeklügelte Beleuchtung dahintersteckt weiß ich nicht: Jedenfalls ist der Graf noch ziemlich weit hinten, aber sein Schatten ist schon fast vorne am Bühnenrand. Das Ganze wirkt sehr eindrucksvoll (besonders bei einem Randplatz an diesem Gang in der dritten Reihe). Tatsächlich folgt aber irgendwann diesem langen Schatten ein Mensch, pardon: Ein Graf!

Obwohl dieser Graf verblüffende Ähnlichkeit mit einem Menschen namens Thomas Borchert hat. Diesen Thomas Borchert, den ich von vielen seiner Konzerte “kenne”, bei ‘Best Of Musical’ erlebt habe und den ich tatsächlich erst einmal (1999) in einem Musical (Les Miserables) auf der Bühne gesehen habe. (Wobei mir sein Name damals noch nichts sagte.) Eben diesen Thomas Borchert, den ich gehofft hatte hier zu sehen und zu hören.

Okay, jetzt mal die Bilder aus dem Kopf von einem “Nikolausbemützten Mann am Klavier”, einem “Hinternwackelnden-Der-letzte-Tanz-Performer” und einem blödelnden “Wildschweinduett-Sänger” und sich ganz eingelassen auf diese imposante Erscheinung des Grafen von Krolock.

 

Während der Graf seinen Platz vor dem Vorhang bezieht und die ersten Töne von ‘Gott ist tot’ erklingen, spielt das Orchester eine fast schon disharmonische Melodie, wie um das Grauen, das sich bald abspielt, anzukündigen.

“Jahrelang war ich nur Ahnung in Dir...” stellt der Graf fest (ich fühle mich dann mal, zumindest was die Grafen-Darstellung angeht, angesprochen), um sich dann mit der Erkenntnis ‘Gott ist tot’ umzudrehen.

Schick, schick, der Herr Graf. Leider nicht mit der sensationellen Hose, dafür aber mit einem kleidsamen schwarzen Gehrock über einem insgesamt weiter geschnittenen Beinkleid und einem edlen, gut fallenden, Umhang.

Beim Greifen dieses Umhangs fällt auf, dass die Fingernägel nicht allzu lang und rabenschwarz lackiert sind. Wahrscheinlich schon im Hinblick auf das neue Ende, in das schwarzlackierte Nägel reinpassen wie die Faust auf’s Auge.

Als Sarahs “Ich hör eine Stimme...” ertönt, dreht sich der Graf mit einer Mischung aus Erstaunen und Vorfreude kurz zu ihr um. (Alfred und Sarah sind oben in den Fenstern zu sehen.)

Langsam geht der Graf davon, ohne Zeit damit zu verschwenden, den Mond anzufauchen und verschwindet in der Dunkelheit.

 

‘Alles ist hell’ freuen sich Chagal, Rebecca und Magda und hören wohl noch nicht das Getrampel, dass ein gewisser Koukol (Thomas Weissengruber) im Gang verursacht. Erst nachdem er die Bühne gestürmt hat, verschwinden die Damen im Haus und Chagal kann sich alleine mit der buckligen Gestalt herumschlagen.

Aber bucklig? Ziemlich aufrecht und für seine Verhältnisse ordentlich gekleidet kommt er daher und während der mir vertraute Koukol eigentlich nur ein Klumpen Mensch ist, sind hier alle Gliedmaßen ziemlich deutlich definiert und man kann sogar hinter der Maske das Aussehen des Darstellers erahnen (und das ist nicht beleidigend gemeint). Der mir bekannte Koukol ist irgendwie schöner, obwohl sich Koukol und Schönheit ja eigentlich gegeneinander ausschließen. Er ist halt... koukoliger.

Aber was soll’s: Auch dieser Koukol ist geschickt worden, um K-k-k-k-kerchen zu besorgen und reagiert ebenso unwirsch auf Chagals Zögern wie gewohnt. Er macht Sarah auf derselben (also ziemlich unverständlichen) Weise klar, zum Schloss zu kommen und verschwindet ebenso mit seinen erworbenen Kerzen im Dunklen wie immer.

Natürlich ist Professor Abronsius dieses Intermezzo nicht entgangen und zur Freude aller Anwesenden gibt er mit vielen rollenden rrrrrrrrrrrr’s kund: ‘Ich suche Wahrheit’.

Am Freitag gab es mehrmals Zwischenapplaus, am Samstag konnte Gernot Kranner “ungestört” durchsingen und schien darüber etwas erstaunt sein.

(Übrigens wird die Gans beim rupfen von Rebecca sehr sanft behandelt, sie muss kaum Federn lassen.)

 

Alfred lässt sich sein Badewasser ein, ohne zu ahnen, dass es ihm innerhalb kürzester Zeit wieder abgeschwatzt wird. Eigentlich ist ihm ein Blick durch’s Schlüsselloch in Sarahs Zimmer auch viel wichtiger. Nur dumm, dass ihr nichts wichtiger ist, als das Geräusch des fließenden Wassers.

Ziemlich empört und kopfschüttelnd nimmt sie den gebückten Alfred vor ihrer Tür zur Kenntnis und dessen Erschrecken, nachdem sie sich bemerkbar macht, könnte kaum größer sein.

Sarahs Freude ist nicht zu übersehen, als sie merkt, wie sich der arme Alfred um den Finger wickeln lässt. Und Alfreds “Na dann, vielleicht...” kommt in einem solchen Tonfall, dass er auch gleich “Aber klar doch!” sagen könnte.

Doch nichts da: Außer dem Schwamm hält er nichts von Sarah in Händen und sein enttäuschtes Gesicht spricht Bände.

 

Von Enttäuschung ist beim Dachgrafen nichts zu sehen und auch als der Graf leibhaftig erscheint, ist er weit davon entfernt, enttäuscht zu sein. Warum auch, da er sich seiner Sache doch so was von sicher ist. 

Er steht bereits in dem Gang hinter den Zimmern und verdeckt sein Gesicht mit seinem Umhang. Bei “Oder willst Du lieber...” nimmt er den Umhang weg und kommt herein.

Herrlich arrogant und ironisch führt er Sarah die angebliche Sicherheit vor Augen, betont manche Wörter auf unnachahmliche Weise und wird erst etwas unsicher, als Alfred bemerkt, dass nebenan etwas Unheimliches vor sich geht.

Der anschließende Tumult im Badezimmer ist etwas gemäßigter und klasse ist, wie Alfred ab jetzt wohl alles und jeden für einen Vampir hält und er Rebecca, als sie das Badezimmer betreten will, mit dem Kreuz vor dem Gesicht rumfuchtelt.

 

Da die ‘Einladung zum Ball’ keinen Widerspruch duldete, ist es auch nicht verwunderlich, dass tags drauf der Diener des Grafen erscheint (für den Hinweg benutzt er den linken Gang) und das ihm anvertraute Bündel ablegt.

Wie jedes Mädel freut sich auch diese Sarah, wenn sie Geschenke bekommt und macht sich sofort ans auspacken. Zum Vorschein kommen hellrote Lederstiefel mit einem relativ hohen Absatz (mir gefallen die dunkelroten Wildlederstiefel mit niedrigem Absatz ja besser, aber sei’s drum).

Sarah ist von den Stiefeln jedenfalls so begeistert, dass sie sie später sogar zu ihrem Ballkleid trägt und würde sie gerne auch jetzt noch ein bisschen bewundern, als der romantische Alfred dazwischenfunkt.

Der freut sich wie verrückt über Sarahs zärtlichen Nasenstubser und als sie ihm erlaubt: “Nun, ein stückweit darfst Du mit mir geh’n...”, tapert er auch wirklich treudoof hinter ihr her.

Unter ‘Draußen ist Freiheit’ stellen sich die beiden letztendlich aber doch ganz unterschiedliche Dinge vor und so scheint Sarah sehr erleichtert zu sein, als Alfred ihr glaubt, dass sie unbedingt den Schwamm braucht.

 

Die mitreißende Musik von ‘Rote Stiefel’ fängt an und die Tanzpaare schweben herein.

Die beiden Solo-Tänzer (Csaba Nagy und Marcella Morelli) wirbeln gewohnt gekonnt herum, auch wenn es etwas komisch ist, nicht “den” Csaba zu sehen.

(Nur so am Rande: Der “Tanz-Graf” trägt eine normale schwarze Stoffhose, nicht so ein tolles glänzendes Teil. Irgendwie sind die Herren hier etwas zurückhaltend.)

 

Beim anschließenden ‘Gebet’ gibt es ein paar Unterschiede:

Rebecca zündet, während sie singt, die Kerzen an dem Leuchter an, Chagal, der alte Sünder, ist auf die Knie gefallen (ob das bei ihm noch was nützt?) und Alfred sitzt nicht in der Mitte des Hauses, sondern an der Seite.

Den größten Unterschied zu bemerken, hat bei mir am Freitag etwas gedauert:

Eigentlich greift der Graf ja vom Dach aus in die Szene ein.

Während sich das Haus beim ‘Gebet’ drehte, fiel mir (immerhin!) schon auf, dass er nicht da oben hockte. Als seine Stimme ertönte, habe ich ihn immer noch nicht gesehen. Erst als das Haus zurückfuhr, habe ich entdeckt, dass er im Haus steht und zwar ungefähr an der Stelle, wo vorher die Badewanne war. (Obwohl es vermutlich Quatsch ist, was ich mir so zusammenreime, aber diese Lösung passt perfekt zu der Darstellung des Grafen: “Warum sollte ich nochmal auf’s Dach klettern, wenn ich doch auch hier unten alles regeln kann?”)

Mit entsprechenden Armbewegungen versucht er Sarah an einem imaginären Band zu sich zu ziehen. Sieht schon klasse aus.

 

Das findet auch Sarah und veranlasst somit ihren Vater, ihr in die Dunkelheit zu folgen. Leider nimmt das tollkühne Unterfangen für diesen kein gutes Ende und so sieht der Ärmste sein Gasthaus im stocksteifen Zustand wieder.

Rebecca verhindert, dass ihrem Mann ein Pflock ins Herz gestoßen wird, vertreibt die beiden unverschämten Gäste aus dem Zimmer und nimmt Abschied von ihrem treulosen Gatten.

Auch Magda bereitet sich während der ganzen Zeit auf’s Abschiednehmen vor. Sie entledigt sich in ihrem Zimmer ihrer Kleider, sitzt unschlüssig auf ihrem Bett, greift schließlich nach einem Kreuz und macht sich auf den Weg nach unten.

 

Irgendwie rührt sie der Anblick des toten, eigentlich doch so lästigen, Kerls mächtig an und sie erkennt ‘Tot zu sein ist komisch’.

Anna Thoren hat absolut die geeignete Stimme für diese Rolle, aber sie hat nicht diese “allerletzte Röhre” die sich bei Linda immer so stark anhörte.

Ihre indirekte Liebeserklärung “...er war doch ganz nett...” freut Chagal dermaßen, dass er sich doch glatt mal aufrichtet und seiner Magd freundlich zuwinkt.

Der anschließende Biss fiel beide Male etwas blutleer aus und so konnte Chagal mit sauberem Mund und galanter Verbeugung um den Arm seiner Magd bitten. Leider befindet sich der schon in einem äußerst schlappen Zustand und Chagal ist über sich selbst erschrocken, was er denn da angerichtet hat.

 

Um den Schaden möglichst klein zu halten, begibt er sich mit einem gewagten Sprung (Aua, voll auf den Rücken!) zurück auf den Tisch und merkt aber ziemlich schnell, dass das die Situation auch nicht mehr retten kann. Also packt er sich beherzt den leblosen Körper der bedauernswerten Frau und verfrachtet sie auf den Tisch. Er schafft es gerade noch, sie zuzudecken, als oben auch schon lautes Knarzen das Anschleichen des Professors und seines Assistenten ankündigt.

Wie immer kanzelt der eigentliche Unruhestifter seinen unschuldigen Begleiter mächtig ab, um sich dann mit wichtigem Gesicht seiner Mission und Berufung zu widmen. Doch schnell wird selbst dem konfusen Professor klar, dass unter dem Tuch nicht der liegt, den er dort erwartet hat. Das eigentliche Objekt seiner Begierde guckt ihn nämlich plötzlich von der anderen Tischseite freundlich an und lädt zu einer wahren Hetzjagd durch die Wirtsstube ein.

Dank Alfreds Geistesgegenwart wird Chagal zu Fall gebracht und jammert herzerweichend um sein bisschen Leben, als der Professor seinem Herzen mit dem Pflock bedrohlich nah kommt.

Aber auch Alfred sieht ein, dass ein (halb)lebender Chagal mehr wert ist als ein aufgespießter und so schließen die drei Herren einen Kompromiss.

 

Chagal geht vor und Abronsius und Alfred haben große Mühe, ihm über die schneebedeckten Wege zu folgen. Zum Glück müssen sie nicht auch noch einen Umweg durch den Saal machen und so stehen sie schon bald vor einem imposanten Schloss.

Huschende Gestalten, Unruhe ringsherum und vereinzelte Schreie im Publikum zeigen, dass sich der Graf auch hier nicht lumpen lässt und einige seiner Untertanen vorausschickt, um für eine nette Begrüßung zu sorgen.

Besonders eindrucksvoll wirken die Vampire auf dem zweiten Rang, der weit oben, der Decke ganz nahe, ist. Geheimnisvoll angeleuchtet mischen sie die dortigen Besucher auf, als ob die mit ihren Stehplätzen, die sich in diesem Bereich befinden, nicht schon genug gestraft wären.

 

Aber auch dieser Spuk geht vorbei und mit lautem Rasseln öffnet sich das Tor und ein sehr arrogant blickender Graf erscheint. ‘Wohl der Nacht...’ begrüßt er seine “Gäste” und sein Gesicht lässt ziemlich gut erkennen, dass er an vielem, aber nicht an das Wohl der beiden Eindringlinge interessiert ist.

Ganz beiläufig erkundigt er sich, wer ihm die Ehre eines Besuchs macht, betrachtet den eitlen Professor eher amüsiert als wirklich interessiert und versetzt Alfred genüsslich mit der Vorstellung seines Sohnes “Herrrrrrrrberrrrrrrrt” in schiere Panik.

Leider betrachtet dieser Herbert (Marc Liebisch) sein neues Betthupferl gar nicht so begehrlich, wie es die drei “Ruhrpott-Herberts” (Florian, Jakub und Vanni) gemacht haben und begrüßt ihn statt dessen sofort mit einer eher unangenehmen, nasalen Stimme. Allerdings, wir sind schließlich in Wien, nicht ohne sich dabei tief vor ihm zu verbeugen.

Auch sein Outfit (grauer schlabbriger Anzug) und seine komisch-blonden Haare ( ähnlich denen von Michel als Ewigkeitsvampir) sind nicht besonders antörnend und so ist Alfreds entsetztes Gesicht wirklich einmal angebracht.

Der Graf bittet seine Gäste in sein Reich und sein “Fühlen Sie sich wie (kurze Pause) zuhause” klingt irgendwie mehrdeutig. So anders Koukol äußerlich auch beschaffen sein mag, auf die Streicheleinheiten seines Herrn legt er großen Wert. Mit einem unwirschen “Muschniki” wird er jedoch bald abgewimmelt und am Samstag, als sein Zärtlichkeitsbedarf dem Grafen wohl zu lästig ist, mit einem “Oooooch, Muschniki!!!”.

Triumphierend präsentiert der Hausherr dem gebeutelten Alfred den geliebten Schwamm und bietet ihm schmeichlerisch an, ihn von nun an zu führen. Aber Alfred wäre nicht Alfred, wenn er bei diesem verlockenden Angebot nicht die Flucht ergreifen würde.

Nach einem gewaltigen “Befrei’n” in grellem Licht (immer wieder ein Gänsehautmoment) folgt ihm der Graf mit einem kleinen wissenden Lächeln, dass sich aber in ein dämonisches Grinsen verwandelt,

als er sich noch einmal umdreht, um mit Schwung das Tor zu schließen.

 

Akt 2:

“Glänzende Augen...” ertönt es, der Vorhang hebt sich und gibt den Blick frei auf eine etwas minimierte Ahnengalerie. Acht “Gemälde” sind zu sehen, in der Mitte durch eine gerade, ziemlich steile und mit einem roten Teppich versehene Treppe getrennt.

Über dem oberen Ende der Treppe ist ein Fenster (einem Fenster im Stephansdom nicht unähnlich), gleißendes Licht fällt herein und in diesem Lichtkegel steht der Graf mit dem Rücken zur Bühne.

Auch Sarah hat sich inzwischen eingefunden und sieht sich staunend um. Bei ihren ersten Worten dreht der Graf sich um und beginnt, langsam die Treppe herunter zu gehen.

Und als hätte er geahnt, dass Sarah ihre roten Stiefel und die rote Stola trägt, hat auch er sich in einen roten Gehrock gewandet, der nur an einigen Stellen schwarz abgesetzt ist.

Und da der Graf ein ganz neues Modebewusstsein entwickelt hat, ist auch sein Umhang knallrot gefüttert.

Die ‘Totale Finsternis’ wird zelebriert und es ist (für meine Ohren) nicht genug zu loben, dass der Herr Graf sich nicht an die Wand singen (schreien?) lässt. Wo manchmal die hellen (schrillen?) Sarah-Stimmen bei diesem Stück doch mehr und mehr die Oberhand gewinnen, lässt sich ein Thomas Borchert auf so etwas ja gar nicht ein und zieht sein Ding durch. Sehr gut!

Er ist zwar nicht der wahnsinnig zerrissene, zweifelnde oder gar bedauernde Graf, trotzdem macht er mit seiner Mimik, seiner Gestik und einem tiefen Luftholen, als er sich von Sarah abwendet, ausdrucksstark klar, wie schwer es ihm fällt, sich und die Situation zu kontrollieren.

Die Worte “Genuss” und “Lust” klingen kehlig, werden mehr gesprochen als gesungen und das hört sich verdammt gut an.

 

Zum Schluss der “ToFi” ist es ein bisschen schade, dass die Bühne ziemlich hell bleibt, man im Hintergrund schon das Bett mit dem Professor und Alfred erkennen kann und auch sehr genau sieht, wie der Graf und Sarah verschwinden.

 

Dunkles Donnergrollen kündigt das ‘Carpe Noctem’ an.

“Folg mir nach, vertrau der Nacht...” ertönt es und das CN-Solo 1 (Sven Fliege) erscheint auf dem Bett, um genauso schnell wieder zu verschwinden. Geheimnisvolle Gestalten kommen von überall her und bald schwingt sich mit einem “Über Gräber und Ruinen...” das CN-Solo 2 (Alexander di Capri) auf das Bett.

Die ”Traum-Sarah” erscheint und bekommt kurz darauf Gesellschaft von ihrem “Traum-Alfred” (Gernot Romic) , der später zum Weißen Vampir mutiert. Und das ist der schönste White, den ich bisher gesehen habe.

Keine Ahnung, ob er eine Perücke trägt, aber wenn, ist sie gut gemacht. Da gibt es keine Haare, die albern in alle Richtungen abstehen und auch sein Gesicht und seine Figur passen ganz hervorragend zu dieser Rolle. Auch Sarah scheint recht angetan, denn versunken tanzen sie eine Weile miteinander, bis der Schwarze Vampir (wieder Csaba Nagy) die Szene betritt.

Mit nacktem Oberkörper und einer eng sitzenden, samtig aussehenden Hüfthose kommt er anmutig näher.

Und trotzdem: Irgendetwas stört mich an diesem Black. Konnte ich sonst die Augen nicht von meinem persönlichen Tanzgott Ross (oder auch von Vanni) lassen, schweifen hier die Blicke doch immer wieder mal über die gesamte Szenerie und zum White hin. Tänzerisch gibt es wahrscheinlich überhaupt nichts auszusetzen, aber der letzte Funke will nicht so wirklich überspringen. Er hat einfach kein “Black-Gesicht”.

 

Koukol serviert das Frühstück, erschreckt Alfred halb zu Tode, um sich danach selbst ganz fürchterlich zu erschrecken. Der Professor wacht ebenfalls aus seinem tiefen Schlaf auf und bei einem Tässchen Tee erwacht auch gleich wieder sein Forschergeist.

Klappte das Ankleiden des Professors am Freitag problemlos, verhedderte er sich am Samstag so hoffnungslos in seinen Hosenbeinen, dass es eine ganze Weile dauerte, bis er sich auf den Weg zum Gruftsuchen machen konnte.

(An dieser Stelle sei dem Professor vielleicht einmal ein Besuch in der Kapuzinergruft empfohlen, denn dort gibt es tatsächlich “Den kleinen Gruftführer” zu erwerben. Mit dessen Hilfe bräuchte er nicht immer so lange auf einen Tag zu warten, “der wie geschaffen ist für’s Gruftsuchen”.)

 

Während der Professor von dannen zieht, fällt Alfred mal wieder sein heißgeliebter Schwamm in die Hände. Bei diesem Anblick muss er doch einfach klarstellen, was er alles ‘Für Sarah’ tun würde. Sich danach für unbesiegbar haltend, folgt er Professor Abronsius in die dunkle Gruft.

 

Dort postiert Koukol inzwischen einen schlichten Holzsarg zwischen zwei prunkvollen Sarkophagen.

Kaum hat er die Gruft wieder veranlassen, ertönt von oben die vertraute Stimme des Professors, der sich vor Begeisterung kaum halten kann. Alfred folgt ihm in gebührendem Abstand und seine vorhin noch so große Zuversicht scheint auf ein Minimum geschrumpft zu sein.

Nur mit Mühe kann ihn der Professor am sofortigen Rückzug hindern. Ein Blick in die Tiefe signalisiert ihm jedoch, dass es vielleicht klüger ist, seinem jungen Assistenten den Vortritt zu überlassen. Dieser weiß die Ehre zwar nicht recht zu schätzen, kann aber auch den Argumenten des Professors wenig entgegensetzen.

Mit blankem Entsetzen im Gesicht beginnt er den Abstieg und erstarrt beinahe, als er realisiert, dass sein Herr und Meister ihm nicht folgen wird. Alle Bemühungen, diesen aus seiner misslichen Lage zu befreien, scheitern, obwohl Alfred den Holzsarg als Trittleiter nutzt und kräftig an den Beinen des Professor zieht und zerrt.

Aber außer einem Schuh steuert der nichts zum Gelingen der Mission bei und lässt Alfreds schlimmste Befürchtungen wahr werden, als er auch prompt erklärt: “Du wirst es alleine machen müssen”.

So viel Abscheu und Ekel liegen beim Öffnen der Särge in Alfreds Augen und der Anblick von Herbert lässt den Ärmsten beinahe kollabieren. Ganz kläglich würgt er “Der Sohn” hervor.

Klar, dass Alfred grandios scheitert und dem Professor bleibt nichts anderes übrig, als an “MEEEUUUUTTTTEEEERRRREEEEIIIII” zu glauben.

Sein anschließender Kollaps - einfach nur genial und warum am Samstag kaum jemand darüber gelacht hat, habe ich absolut nicht verstanden.

Alfred wird wieder nach oben beordert und als ob alles noch nicht schlimm genug wäre, vergisst er (zumindest am Freitag) auch noch den Schuh des Professors in der Gruft. Dieser macht ihn mit einem empörten “Jetzt vergiss auch noch meinen Schuh!” auf seinen Fehler aufmerksam und Alfred klettert gottergeben noch einmal an den Ort des Grauens zurück.

Ziemlich kleinlaut (Alfred) und laut zeternd (der Professor) verlassen die beiden Helden die Szenerie.

 

In dem Holzsarg wird es plötzlich unruhig (kein Wunder, bei dem Lärm) und Chagal schiebt den Deckel seiner Behausung zur Seite. Ausgiebig reckt und streckt er sich, um dann auch Magda aus ihre Lethargie zu reißen. Herrlich zerzaust kommt sie zum Vorschein und liefert sich mit ihrem früheren Chef ein Wortgefecht.

Chagal scheint mehr als erfreut, als sie ihrem Bekenntnis ‘Geil zu sein ist komisch’ auch gleich Taten folgen lässt und ihm seinen Mantel förmlich vom Leib reißt. Leider kommt in diesem vielversprechenden Augenblick Koukol dazwischen, dem der Anblick der offenen Särge seiner Herren und Gebieter einen spitzen Schrei (einem Jodler nicht unähnlich) entlockt.

Entschlossen treibt er Chagal und Magda zurück in ihr kuscheliges Heim, verschließt es wieder ordnungsgemäß, kniet sich am Fußende hin und haut mit seinem Kopf auf den Deckel.

Danach setzt er sich auf den Sarg und summt mit richtig glücklichem Gesicht ein paar Takte von “Was ist dabei...” vor sich hin. Erst als die beiden unruhigen Geister im Sarg in seinen Gesang einstimmen, hat er endgültig die Nase voll. Kurzerhand schiebt er den Sarg zur nächstbesten Treppe und mit lautem Gepolter verschwindet dieser in den Tiefen der Gruft.

 

Der Professor hat die schlimme Blamage seines Schützlings offensichtlich gut weggesteckt, denn beim Anblick der reichbestückten Bibliothek bricht er in wahre Verzückung aus. Beinahe schon zärtlich

streichelt er mit den Händen über die kostbaren Buchrücken und singt auf jeden der Autoren wahre Lobeshymnen. (Das Gernot Kranner dies in seiner unnachahmlich liebenswerten, vielleicht etwas nuscheligen Art macht, braucht wohl nicht erwähnt zu werden.) Alfred interessiert sich einzig und allein dafür, endlich Sarah zu finden und da der Professor ihm ohnehin keine große Hilfe ist, macht es auch nichts, als dieser gänzlich in der Bücherwand verschwindet.

In diesem Moment nimmt Alfred wohlvertraute Klänge wahr und da die Bibliothek eine Art Karussell ist, braucht es nur eine kleine Drehung und ein Badezimmer mit, welche Überraschung, Sarah in der Badewanne, kommt zum Vorschein. Sie denkt im Traum nicht daran, diesem Schaumparadies zu entsteigen und schickt Alfred mit einer entsprechenden Handbewegung hinaus.

Das “Karussell” dreht sich wieder, das Badezimmer verschwindet, die Bibliothek kommt wieder zum Vorschein und mit ihr auch Professor Abronsius, beladen mit einem ganzen Stapel Bücher. Auch dem verwirrten Alfred gibt er den Rat, sein Glück in einem Buch zu finden und zielstrebig greift dieser nach dem “Ratgeber für Verliebte”. Nach den ersten Zeilen (wobei Alfred die Sache mit dem Kuss am besten zu gefallen scheint), setzen sich die Bücherregale wieder in Bewegung und erneut ertönt lieblicher Gesang. Wieder lässt Alfred sich anlocken, muss aber entsetzt feststellen, dass es ausgerechnet Herbert ist, der sich lasziv auf dem Badewannenrand räkelt.

Reißausnehmen ist nicht, denn mit schnellen Schritten ist Herbert bei ihm, bewundert seine Anatomie und nötigt ihn zu einem Tänzchen. Mit angewidertem Gesicht macht Alfred das böse Spiel mit, bis ihm Herbert dann doch eindeutig zu aufdringlich wird. “Der Ratgeber für Verliebte” erweist sich wenigstens als dahingehend nützlich, dass er Herbert zwischen die spitzen Zähne gerammt werden kann.

 

Gut, dass Alfred so mit seiner Flucht beschäftigt ist, denn so muss er nicht mit ansehen (wieder mittels Drehung), wie Koukol seiner geliebten Sarah in ihr Ballkleid hilft (hier ist es bestimmt segensreich, dass Koukol mit einigermaßen menschlichen Gliedmaßen ausgestattet ist, denn mein altbekannter buckliger Freund hätte so einen Fummelkram bestimmt nicht hingekriegt).

Außerdem scheint Sarah durchaus Sympathie für dieses entstellte Wesen zu haben, denn immer wieder streichelt sie ihm über den Buckel.

Währenddessen wähnt Alfred sich in Sicherheit und bemerkt erst nach einer ganzen Weile, dass dem nicht so ist. Mit possierlich kleinen, putzigen Bewegungen klatscht Herbert in die Hände, so groß ist bei ihm die Wiedersehensfreude. Als er merkt, dass das Vergnügen nur einseitig ist, reicht es ihm allerdings auch. Nachdem er Alfred zu Fall gebracht hat, schmeißt er sich mit einem wahren Hechtsprung (der Choreographie der Rockys bzw. Hoppers beim Starlight Express nicht unähnlich) auf sein Opfer. Diesem bleibt nichts anderes übrig, als lauthals nach dem Professor zu rufen, der auch prompt herbeieilt und mit seinem Regenschirm für Ordnung sorgt.

Das ist zu viel für den exaltierten Herbert und völlig außer sich kontrolliert er, ob seine Fingernägel diese grobe Attacke auch gut überstanden haben.

Diese Aktion und der gewagte Hechtsprung waren (nachdem auch der beleidigte Abgang etwas unterging) für mich die Highlights der Herbert-Darstellung. Seine Stimme hatte ich schon beim Sprechen als unangenehm empfunden und es wurde auch beim Gesang nicht besser. Da machte es beinahe nichts aus, dass es am Freitag während des gesamten ‘Wenn Liebe in Dir ist’ furchtbar in seinem Mikro krachte und krächzte.

 

Den Professor und Alfred hat es mittlerweile zu den Zinnen verschlagen und wie gut konnte ich Alfred verstehen, als er klagt: “Mir ist kalt und ich bin müde”, denn so fühlte ich mich am Freitag nach einer ausgiebigen Wien-Tour auch, nur dass ich nicht noch das Problem hatte, Sarah finden zu müssen.

Der Professor will von derartigem Gejammer ohnehin nichts wissen und wähnt sich an einem todsicheren Ort, als ein höhnisches ‘He, ho, he Professor’ erschallt. Graf von Krolock steht lässig an eine Zinne gelehnt und spuckt den beiden Forschern jedes Wort geradezu entgegen. “Alfreds Seele gehört längst mir!” und das “mir” scheint tausendfach nachzuhallen.

 

Die Gräber der Untoten erscheinen und nach und nach kommen sie zum Vorschein: In nicht ganz so farbenprächtigen Kostümen wie gewohnt, aber dennoch wieder ein Augenschmaus. Zumal hier Anleihen aus der österreichischen Geschichte gemacht worden sind. Ein Vampir stellt einen ungarischen Offizier in seiner typischen Uniform dar, ein anderer gleicht in verblüffender Weise König Ludwig II. (der ja der Cousin von Elisabeth/Sisi war) und die Kleider der Vampirdamen scheinen vom Schnitt größtenteils denen nachempfunden, die zu Elisabeths Zeiten bei Hof getragen wurden.

Einhellig beklagen sie die “beschissene Ewigkeit”, um dann mit wankendem Gang in die Nacht zu verschwinden.

 

Auf dem Friedhof ist es ruhig geworden als eine große Gestalt erscheint.

Fest in seinen Umhang gehüllt und mit traurigem Blick geht Graf von Krolock an den Gräbern seiner Opfer entlang. Eindringlich beschreibt er dabei seine ‘Unstillbare Gier’ und lässt einen kurzen Einblick in sein Innerstes zu.

Nachdem er von der “Gräberwand” heruntergelaufen ist und sich unten für einen Moment, auf einem Knie abstützend, in die Hocke setzt, ist der Moment der Schwäche auch schon wieder vorbei und die alte Überlegenheit wieder zurück.

Besonders beeindruckend empfand ich das Ende, als der Graf sich langsam, fast zögernd, nochmal umdreht, so als müsste er es sich sehr genau überlegen, die Unwissenden da unten an seinem Gedankengut teilhaben zu lassen.

“Euch Sterblichen von morgen...” singt der Graf, aber gemeint hat er bei diesem verächtlichen Blick bestimmt “Ihr armen Irren...”

 

Die ‘Unstillbare Gier’ ist schon bei jedem Thomas Borchert-Konzert ein Genuss, aber hier in dieser Atmosphäre, wo auch noch Bühnenbild, Kostüm und Maske dazukommen, wird sie zu einem unvergesslichen Erlebnis.

(Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Graf wieder sein altbekanntes Outfit, bestehend aus Weste, Frack, aber leider immer noch nicht der Hose, trägt.)

 

Die Treppe des Ballsaals ist so schön, dass sie (sich anmutig drehend), von rechts nach links über die Bühne tanzt.

Mit einem kleinen Dach an ihrem oberen Ende ist sie einer Kirchenkanzel ziemlich ähnlich und auch das sonstige Aussehen erinnert stark an eine Kanzel, wie sie im Stephansdom steht.

Auch das "Domfenster" von der “ToFi” ist wieder zu sehen.

Der Professor und Alfred betreten von hinten den Ballsaal und schaffen es gerade noch, sich hinter zwei Säulen zu verstecken, denn fröhlich vor sich hin brabbelnd (mit akkurater Barock Perücke), ist ihnen Koukol dicht auf den Fersen. Liebevoll drapiert er die Leuchter, um dann respektvoll Platz für die, ebenfalls von hinten, hereinstürmenden Vampire (Herbert voran) zu machen.

Als sich alle ein Plätzchen im Saal gesucht haben, erscheint auch schon der Graf auf seiner Kanzel, äh Treppe und seine Vampirschar blickt ehrfürchtig zu ihm auf.

 

Nachdem der Graf sich zu seinen Untertanen herab begeben hat, wartet noch eine unangenehme Aufgabe auf ihn. Er muss ihnen klarmachen, dass das verwunschene Sternenkind nur ihm gehört. Das Ganze passiert dann mit einer Mimik und in einem Ton, dass er eigentlich auch sofort drohen könnte: "Pfoten weg!"

Und auch sein beschwichtigendes "Keine Sorge, auch an Euch ist gedacht..." kommt einfach köstlich rüber.

Hereingeführt vom treuen Koukol, betritt Sarah ebenfalls von hinten den Saal. Nach ein paar Schritten bleibt sie stehen und blickt unsicher zum Grafen hinüber.

 

Dieser steht mittlerweile am rechten Rand des Saals und lässt sich durch Herberts anerkennendes Nicken bestätigen, dass er eine gute Wahl getroffen hat. Und dieser Graf wäre nicht dieser Graf, wenn er sich lange damit aufhielte, Sarah zu sich locken. Mit drei langen Schritten ist er bei ihr und reicht ihr gebieterisch seine Hand. Kaum hat Sarah seiner Aufforderung gehorcht, wird sie auch schon herumgerissen und nur ganz kurz betrachtet der Graf die kleine Gestalt in seinen Armen. Sarah schafft es gerade einmal, ihren Arm in halbe Höhe zu heben, da wird er ihr auch schon unsanft wieder nach unten gedrückt.

Ganz langsam streicht der Graf Sarahs Haar zur Seite, bringt ihren Kopf in eine für ihn günstige Position und holt mit gierigem Blick weit aus, um dann seine Zähne genüsslich in den zarten Hals zu schlagen.

Der Biss dauert lange und als der Graf wieder zum Vorschein kommt, hat er beide Mundwinkel fast bis an die Ohren mit “Blut” verschmiert. Nur gut, dass er sein schwarzes(!) Spitzentüchlein dabei hat und sich damit den Mund zumindest grob abwischen kann.

(Wie schon erwähnt, hat der Graf ein ganzes neues Modebewusstsein entwickelt und in diesem Zusammenhang ist ihm wohl aufgefallen, dass Blutflecken aus weißen Kleidungsstücken nie mehr ganz rausgehen, denn auch sein Spitzenkragen ist nicht mehr weiß, sondern schwarz.)

Am Samstag fiel der Biss etwas weniger heftig aus, der Grafenmund war weniger beschmiert und das war auch gut so, denn sein Tuch hatte der Graf wohl in der Eile vergessen.

 

Fast schon etwas verwundert über Sarahs aufgelösten Zustand nach dem Biss schaut er auf sie herunter und erklärt ihr in mildem Tonfall “Du hast Dich gesehnt danach, Dein Herz zu verlier’n...”

 

Das Menuett beginnt und des Grafen betont ernsthaftes Gesicht ist eigentlich schon wieder zum lachen. Runde um Runde ziehen die Tänzer ihre Bahnen und leider kommt es nicht zu einem Zusammenstoß von Vater und Sohn.

Statt dessen weist plötzlich eine “Rudelbildung” darauf hin, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist.

Ganz Herr der Lage delegiert der Graf sein Volk auf die rechte Seite, um dann noch ein Weilchen mit amüsiertem Gesicht den Tanzbemühungen der drei Sterblichen zuzusehen.

Alfred erkennt als erster den Ernst der Lage und hat alle Mühe, den Professor davon zu überzeugen, mit seinen albernen Tanzbemühungen aufzuhören. Auch die Geduld des Grafen ist jetzt lange genug strapaziert worden und mit finsterem Gesicht fragt er in die Runde seiner Vampirschar “Seid ihr bereit?” Und ob die das sind.

Sie haben nur nicht mit dem tapferen Alfred gerechnet, der just in diesem Moment mit einem Kerzenständer bewaffnet auf ihr Oberhaupt zustürmt und erst knapp vor ihm halt macht. Der Graf scheint in Anbetracht so viel traurigen Mutes seinen Augen nicht zu trauen. Immer wieder wandert sein Blick zwischen Alfred und dem Kerzenständer hin und her.

Ein trockenes “Buh!” scheint ihm die angebrachte Reaktion zu sein und das anerkennende Gelächter seines Volkes quittiert er mit einem lässigen Schulterzucken, einer entsprechenden Handbewegung und einem Blick nach dem Motto: “Was soll ich diesem Kinderkram sonst entgegensetzen?”

Selbst als der Professor sich einen zweiten Kerzenständer schnappt und ein Kreuz formt, verliert der Graf nicht seine arrogante Haltung.

Er scheint regelrecht resistent gegen diesen Anblick zu sein sein und kann Koukol aufrecht und stolz und mit klaren Worten anweisen, “das Ding wegzuschaffen”, was dieser auch prompt für seinen Meister erledigt. Danach macht er sich, wie ihm befohlen, auf den Weg, die Flüchtlinge zurückzubringen.

Wohl im Hinblick auf das neue Ende “stürzt” auch das Schloss nicht über dem Grafen zusammen.

 

Die drei Geflohenen finden sich in der kargen Wildnis wieder und sinken ermattet in sich zusammen. Während Sarah inzwischen alles menschliche verloren und auch Alfred davon überzeugt hat, dass Blut “gar nicht schlecht” schmeckt, ist der Professor in seinen Aufzeichnungen versunken.

Das Alfred ihn mittlerweile zum anbeißen findet, Sarah diesen erst im letzten Moment von den viel dickeren Brocken, die auf sie warten, überzeugen kann und die beiden Hand in Hand ihre neue Freiheit erstürmen, bekommt der alte Mann überhaupt nicht mit.

Erst nach einer ganzen Weile steckt er sein Notizbuch weg und schaut sich suchend nach seinen Schützlingen um. Ganz deutlich ist das Erstaunen über deren Verschwinden in seinem Gesicht zu erkennen. Laut nach Alfred rufend und wild mit den Armen rudernd verlässt der Professor die Szene.

 

Kaum ist er verschwunden, wird der linke Gang angestrahlt, die Musik wird bedrohlicher und ganz langsam schreitet Graf von Krolock heran. Er betritt die Bühne und bleibt in etwa dort stehen, wo sich kurz vorher der Professor noch seine Notizen gemacht hat. Langsam dreht er sich um, lacht laut und triumphierend und verschwindet dann im Bühnenboden. (Klasse Effekt!)

 

Das neue Finale heißt laut Programm ‘Nachspiel Hier und Jetzt’ und es beginnt mit den gewohnten Klängen und mit dem Gesang von Magda und Herbert.

Kurz darauf werden die beiden aus den Gängen rechts und links unterstützt und es sind Alfred und Sarah, die sich, in Lack und Leder gekleidet, genähert haben.

Ob man dem braven Alfred jetzt unbedingt gleich ein Chiffon-Hemd verpassen mußte (ich gestehe, ich habe geguckt, ob er auch die Brustwarzen gepierct hat, denn das hätte zu diesem Hemd gepasst), sei mal dahingestellt, dafür ist seine Gürtelschnalle (ein rotes Herz mit viel Strass drum herum) umso liebenswerter.

Immer mehr Vampire in futuristischen, überwiegend schwarzen Kostümen, teils mit Sonnenbrille, entern von rechts und links die Bühne, wobei besonders Alexander di Capri, die Haare (seine eigenen?) lässig zurückgegelt, sehr glaubwürdig in seiner Ledermontur rüberkommt (fährt er vielleicht im richtigen Leben Motorrad?).

Zum Abschluss des Vampirreigens kommen nochmal je drei Vampire in den beiden Gängen nach vorne.

Während der gesamten Zeit ist die Skyline von Wien zu sehen. Quer darüber steht in roten Lettern in der typischen Schrift : Vampire

 

Und dann ist es auch an der Zeit, dass ER erscheint. An der selben Stelle, an der er verschwunden ist, kommt der Graf wieder zum Vorschein. (Wiederum Klasse Effekt!)

Ganz in schwarz, mit weit offenem Hemd, einer Kette, an der ein Kreuz(!) baumelt und langem Ledermantel lässt er sich, umringt von seinen Vampiren, huldigen, um dann im Hintergrund der Bühne zu verschwinden.

Zu den Schlussklängen von “Es laden die Vampire zum Tanz” kommt er wieder nach vorne, macht die letzten Tanzschritte mit, hebt schließlich beschwörend die Arme und grinst herausfordernd.

 

Aber auch der schönste Tanz geht einmal zu Ende und so bleibt nur noch, allen Beteiligten mit kräftigem Applaus zu zeigen, wie sehr es einem wieder einmal gefallen hat.

Alle diese liebgewonnenen Charaktere stürmen noch einmal auf die Bühne und es ist nur konsequent, dass selbst Koukol eine schicke, wenn auch etwas unförmige, schwarze Lederjacke mit langem schwarzem Pelzbesatz bekommen hat.

 

Das Publikum war etwas merkwürdig: Während am Freitag schon während der Show eine ausgelassenere Stimmung herrschte und beim Schlussapplaus (freundlicherweise für meine Sicht, unfreundlicherweise für die Darsteller) nur die ersten beiden Reihen stur sitzen blieben, war ich am Samstag eine der ersten, die stand. Ich habe dann auch einige erstaunte Blicke ringsherum wahrgenommen, aber so nach und nach erhoben sich doch ziemlich alle von ihren Plätzen. Na also, geht doch!

 

Die Sitze im Ronacher könnten etwas bequemer und sesselartiger sein, sind aber im großen und ganzen annehmbar.

 

Warum man den Ordnern/Ordnerinnen (“Billeteuren”) alberne Vampirumhänge verpasst hat und warum man an einem Tag eine Papier-Tragetasche (im Theater erworben!) mit in den Saal nehmen darf und am anderen Tag nicht (“Bitt schön, gebens Ihr Packerl an der Garderobe ab.”) hat sich mir nicht erschlossen.

Und das eine Vampirumhang-entstellte Billeteuse tatsächlich anfängt nachzudenken, wenn man sie fragt (und das auch nur weil sie mit wichtigem Gesicht genau daneben stand), ob man die Castliste im Foyer fotografieren darf, sei auch nur so nebenbei erwähnt.

 

Viel wichtiger ist, dass ich zwei absolut geniale Vorstellungen mit meinem “Wien-Wunschgrafen” erlebt habe und dass es mit ihm in Menschengestalt am 15. Mai ein “beglückendes” Wiedersehen gibt.