Der Studentenprinz, 22.07.2011, 20.30 Uhr - Schlosshof Heidelberg

“Er allein hat die Kraft die mich anzieht...”

Was veranlasst Jemanden (eigentlich mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend und auch sonst nicht ganz blöd) sich zu Beginn der Sommerferien im eigenem Bundesland ins Auto zu setzen und die stark frequentierte Autobahn gen Süden zu nehmen?

”Ein Prinz wartet in Heidelberg auf mich“ war des Rätsels Lösung, aber die ließ natürlich sowohl an meiner Bodenständigkeit als auch an meinem Verstand Zweifel aufkommen.

Aber, wie sagt der Norddeutsche so schön „Wat mutt, dat mutt“ und wenn bei sechs zur  Auswahl stehenden Terminen (bei einem zugegeben nicht gerade leeren Kalender) nun mal der 22. Juli = Ferienbeginn am besten passt - was soll‘s?

Zu Beginn war auch noch durchaus zügiges Fahren angesagt (mal abgesehen von den hinderlichen Autos mit den gelben Nummernschildern samt Fahrern, die ihren Hausstand ja ganzjährig unverdrossen in mehr oder weniger großen Wohnwagen durch die Gegend schaukeln).
Sollten meine (Bundes)landsleute tatsächlich so vernünftig sein und hatten sich nicht sofort in Bewegung gesetzt, nachdem die Schulglocke ein letztes Mal vor den Sommerferien läutete?

Leider änderte sich dieser Zustand kurz nachdem das “Herzlich Willkommen in Hessen”-Schild passiert war. Baustelle reihte sich an Baustelle und hier merkte man dann doch, dass noch mehr Fahrzeuge als sonst an einem Freitag unterwegs waren. Trotzdem ging es noch relativ zügig voran und es gab nie den totalen Stillstand. Der trat erst um Einiges später ein, als ein kollektives Aufleuchten von Bremslichtern nichts Gutes verhieß. Komisch nur, dass es kein Baustellenbereich war. Dennoch ging nichts mehr. Nach minutenlangem Stillstand begann ich mir doch Gedanken über den Grund für dieses Nichtweiterkommen zu machen.
Eigentlich konnte es sich ja nur um einen Unfall handeln. Und je länger dieses Stillstehen dauerte, desto mehr wuchs ein Katastrophenszenario in meinem Kopf. Und gerade als ich darüber nachdachte, wie ich die Unfallstelle am Besten passieren konnte ohne allzu viel von den ausgebrannten Autowracks und den verkohlten Leichen sehen zu müssen, ging es plötzlich Stückchen für Stückchen weiter. Und in weiter Ferne wurde etwas Blinkendes (zum Glück kein Blaulicht) sichtbar, was sich beim Näherkommen als großer orangefarbener Pfeil an einem Wagen der Autobahnmeisterei herausstellte. Dieser bewegte sich im Schritttempo auf der linken Spur vorwärts und gab so einem anderem Fahrzeug Rückendeckung.
Und was tat dieses andere Gefährt? Es schnitt das (vermutlich schon seit Jahren gewucherte) Gras und Unkraut entlang der Mittelleitplanke... Wer bitte gibt eine Anweisung, diese “wichtige” Arbeit ausgerechnet zur Ferienzeit auszuführen? Nicht zu glauben!

Der Rest der Fahrt verlief danach aber ohne größere Zwischenfälle, sieht man einmal von einem Kleintransporter ab, dem es gefiel, mitten auf der Autobahn den Dienst zu quittieren und den es zu umfahren galt.

Irgendwann war Heidelberg aber erreicht und während ich im letzten Jahr ein Hotel etwas außerhalb der Altstadt bezogen hatte war ich dieses Mal mittendrin.
Das Hotel, mitten in der Fußgängerzone gelegen, war nur über enge, kleine Gässchen zu erreichen. Wie viele Punkte gibt es eigentlich, wenn man eine Einbahnstraße in der falschen Richtung befährt? Und gibt es mildernde Umstände, wenn  das Navi befohlen hat so zu fahren?
Auf jeden Fall war ich froh, aus dieser doch irgendwie beängstigenden Situation ohne Gegenverkehr (und ohne erwischt zu werden) herausgekommen zu sein. Wenigstens befand ich mich jetzt schon einmal auf der Einkaufsstraße an der mein Nachtquartier lag. Und wenn das Hotel auf seiner Homepage auch ausdrücklich darauf hinwies, dass die Straße befahren werden durfte, muss ich sagen, dass ich es nicht tagtäglich brauche, harmlose Flanierer auseinander zu jagen und dabei noch immer Angst haben zu müssen, mit einem der Außenspiegel einen der aufgestellten Tische der zahlreichen Straßencafès mitzunehmen.

Und wo ich gerade bei dem Hotel bin: So praktisch die zentrale Lage auch war (z. B. kurzer Weg zur Bergbahn), brachte sie doch einiges an nächtlichen Begleiterscheinungen mit sich. Genau gegenüber gab es nämlich ein Lokal mit dem harmlosen Namen Schmidts.
Hier schien sich zu später Stunde die gesamte Heidelberger Jugend zu versammeln und beschlossen zu haben, das Leben einfach schön zu finden. (Man könnte auch sagen: Die gingen ab wie Schmidts Katze.) Der strenge Herr Lutz hätte das ganz einfach kommentiert ”Das sind Zulus.“ (Für Alle, die den Studentenprinzen nicht kennen: Ich diskriminiere hier Niemanden. Besagter Herr Lutz ist der humorlose Privatdiener des Prinzen und hält alle Menschen, die feiern und das Leben genießen halt für Zulus.) Jedenfalls ging es da unten ziemlich lautstark zu. Und auch die genau gegenüberliegende Kirche mit ihrer Glocke trug ihr Scherflein zur nächtlichen Ruhestörung bei, da sie mit unglaublicher Zuverlässigkeit jede Viertelstunde schlug und jede volle Stunde mit der jeweiligen Anzahl an Schlägen kundtat. Und auch hier könnte ich wieder Herrn Lutz zitieren, der nach einer durchzechten Nacht mit einem Tuch über dem Kopf auf einem harten Wirtshausstuhl aufwacht: ”Scheiss Vögel“ (ja, die zwitscherten bei mir auch zur frühen Stunde), ”Scheiss Glocken“ (da waren sie) und schließlich noch, als er sich mühevoll erheben wollte ”Scheiß Rheuma“. Gott sei Dank plagte mich das jetzt nicht, aber das Aufstehen aus dem sehr niedrigen Bett bereitete mir doch einige Schwierigkeiten (“Scheiß Rücken.”)

Aber ehrlich gesagt war das Alles auch gar nicht so tragisch.
Hatte ich doch zu diesem Zeitpunkt schon einen wunderbaren Studentenprinzen erleben dürfen.
Selbst wenn ich auf dem Boden hätte schlafen müssen, die Kirchenglocken die ganze Nacht gebimmelt oder die Feiernden den Entschluss getroffen hätten, eine Polonaise durch mein Zimmer zu machen: Ich war noch so gefangen, dass es mir eigentlich egal war, was um mich herum passierte.

Um ein Fazit gleich vorwegzunehmen: Es hat mir noch besser gefallen als beim letzten Mal.
Und das, obwohl die Temperaturen ziemlich weit von der oft besungenen lauen Sommernacht entfernt waren, sich der Himmel eher bedeckt zeigte und somit auch der malerische Sonnenuntergang vom letzten Jahr ausblieb. Aber es war trocken, die Atmosphäre stimmte und die Vorstellung konnte draußen stattfinden. Und das war doch das Wichtigste. Nicht auszudenken, hätte der Prinz nicht mit der Kutsche anreisen können...

Klar, es war jetzt nicht der allerwärmste Abend, aber mit einer normal dicken Jacke, etwas festerem Schuhwerk und nicht zuletzt einer Decke unter dem Hintern konnte man es doch sehr gut aushalten. Einige Leute erweckten allerdings den Eindruck, als wollten sie zu einer mehrwöchigen Antarktisexpedition aufbrechen. Ohnehin schon in dickste Daunenmäntel gehüllt, mummelten sie sich obendrein noch bis zur Unkenntlichkeit in Wolldecken ein.

Neben der Betrachtung dieser zu eingepuppten Raupen mutierten Menschen war es noch interessant, die ganzen Vorkehrungen am Rande zu beobachten. Sei es nun, wie ein kurz zuvor mit lautem Knall durchgebrannter Scheinwerfer in aller Eile repariert wurde oder der Dirigent (wie im letzten Jahr der junge Ivo Hentschel) noch in Freizeitkleidung angewiesen wurde, sein imaginäres (weil noch nicht anwesendes) Orchester zu dirigieren, damit die Monitore für die Darsteller gut sichtbar positioniert werden konnten.

Und natürlich gab es auch wieder einen Vorfall aus der Kategorie: Es gibt aber auch komische Vögel.
Die Fanfare hatte alle Besucher aus der weitläufigen Umgebung aufgefordert Platz zu nehmen. Das Orchester hatte seine Position bezogen, der Dirigent, mittlerweile im Frack, war mit Beifall begrüßt worden und ließ sein Orchester schwungvoll die Ouvertüre spielen. Und während man ihr schon leicht entrückt lauschte, machte sich, links außen beginnend, plötzlich Unruhe breit. Kam da doch tatsächlich ein Mann in aller Seelenruhe aus dem Restaurationsbereich, ein Brötchen mit einer Bratwurst in der Hand und schlenderte ohne große Eile durch den Gang zwischen der ersten Reihe und der Bühne, sich seines großen Auftritts offenbar gar nicht bewusst. Leises Kichern wuchs sich zu größerem Gelächter aus, aber auch das schien unserem hungrigen Freund nicht weiter aufzufallen. Und selbst, als ein paar Spaßvögel anfingen zu applaudieren, fühlte er sich nicht angesprochen. Im Gegenteil: Ziemlich genau auf Höhe des Mittelgangs im Zuschauerraum blieb er stehen und guckte erst mal ganz interessiert auf die Bühne, um zu sehen, was denn da mittlerweile los war und beklatscht wurde. Er hat überhaupt nicht realisiert, dass ihm die ganze Aufmerksamkeit des amüsierten Publikums galt. Erst als er an seinem Platz (natürlich ganz rechts außen) angekommen war und seine Begleitung ihn darauf aufmerksam machte, winkte er doch etwas verlegen ab.

Eine kleine Schrecksekunde galt es auch vorher noch zu überstehen, als nämlich eine Dame mit Mikrofon in der Hand die Bühne erklomm. So etwas ist ja nie ein gutes Zeichen und in dem Moment schoss mir doch der ein oder andere unschöne Gedanke durch den Kopf...

Tatsächlich verkündete sie auch, dass “der Herr Kammersänger Winfried Mikus” indisponiert sei, sprich eine Erkältung habe, er aber trotzdem in der Rolle des Studentenanführers Detlef auf der Bühne stehen würde und das geneigte Publikum doch bitte die ein oder andere kleine Einschränkung verzeihen möge.

 

Puh, nichts gegen Herrn Mikus, aber besser er als ein Anderer. Zumal man seiner Stimme überhaupt nichts anmerkte und sie genauso kraftvoll klang wie im vergangenen Jahr. Besonders sein “Drink! Drink! Drink!” (‘Drinking Song’) hat mir wieder ausgesprochen gut gefallen und unwillkürlich mußte ich an eine Begebenheit aus grauer Vorzeit zurückdenken. Ich bin nämlich (leider?/Gott sei Dank?) alt genug, um mich an Zeiten zu erinnern, an denen am Samstagabend im deutschen Fernsehen noch richtig gut gesungen wurde. Und so hatte ich das Glück, in einer dieser damaligen “großen Samstagabend-Shows” einen jungen Opernsänger namens Roberto Saccà zu sehen und vor allem zu hören. Sein schmissiges “Drink! Drink! Drink!” begeisterte mich dermaßen, dass ich (Teenager!) mich gleich montags auf den Weg in einen Plattenladen(!) machte und dem Verkäufer(!) freudestrahlend mitteilte, dass ich eine LP (=Langspielplatte = schwarze Scheibe mit Rillen und  einem Loch in der Mitte, von der Musik kam, wenn ein Arm mit Nadel drauf gesetzt wurde) von Roberto Saccà haben wollte. Aber es mußte unbedingt der ‘Drinking Song’ drauf sein...
Und ich kann mich noch genau an das entgeisterte Gesicht des guten Mannes erinnern. Es war ihm vermutlich noch nicht allzu oft widerfahren, dass ein Teenie sich die Platte von einem Opern-Fuzzi kaufte.
(Besagte Schallplatte steht übrigens heute noch in digitalisierter Form in meinem CD-Regal und ich glaubte nicht, was ich da hörte, als ich mich im vergangenen Jahr im Vorfeld ein wenig mit dem Studentenprinzen vertraut machen wollte und dabei auf dieses Lied stieß.)

Aber mal abgesehen von diesem Lied und der besonderen Beziehung, die ich zu ihm habe, fand ich es erstaunlich, dass mir doch auch die meisten anderen Stücke noch vom letzten Jahr im Gedächtnis waren. Außerdem war es regelrecht entspannend, ungefähr immer zu wissen was (und vor allem WER) kam, denn letztes Jahr hatte ich doch überwiegend nach Kevin Tarte Ausschau gehalten und war auf die anderen Mitwirkenden nicht so konzentriert. Das war diesmal ganz anders und so konnte ich mich richtig über einen beleibten, aber durchaus behänden Doktor Engel (Ronald Ulen) freuen. Was hat der Mann für eine beeindruckende Stimme? DAS Lied des Dr. Engel (‘Golden Days’), scheint  für sie gemacht zu sein.
Toll auch sein Schauspiel, das immer die richtige Balance zwischen väterlichem Freund und Erzieher des Prinzen hatte. Respekt auch, dass er sich, ungeachtet seiner Leibesfülle, auf drei wacklige Stühle legte und ungerührt weiter sang.

Das genaue Gegenteil zu diesem lustigen Burschen war wieder der vornehme Herr Lutz (Peter Pichler) als Privatdiener des Prinzen. Akkurat gescheitelt und mit einem berufsmäßig säuerlichem Gesichtsausdruck war er zwar immer um Einhaltung der Etikette bemüht, sorgte aber gerade deswegen auch immer für die komischen Momente des Stücks.

Sehr liebenswert brachte AP Zahner den treuen Kellner Toni auf die Bühne. Und obwohl er, gemäß der Rolle, sehr bescheiden daherkam mußte man ihn einfach auch immer beobachten.

Maraile Lichdi spielte die Wirtsnichte Kathie und wie schon im letzten Jahr empfand ich sie in jeder Hinsicht als ein wenig zu wuchtig. Bei ihrem Schauspiel habe ich mich in der Schlussszene über die gleiche Sache geärgert  wie schon im letzten Jahr. Mit ihrem völlig unbeteiligtem Gesicht und ihrer gleichgültigen Stimme könnte sie dem unglücklichen Karl Franz auch gleich sagen “War schön Dich kennen gelernt zu haben. Jetzt geh aber auch und sei König. Ich werd hier schon ohne Dich klarkommen.” Boah, wo gibt’s denn so was? Ich könnte mich schon wieder aufregen...

Bei den Studenten stach immer wieder (neben dem bereits erwähnten Winfried Mikus) Wilfried Staber als Lukas hervor. Er war einer der ausgelassensten Gesellen und sorgte auch für den einzigen Niederschlag des Abends, als er übermütig eine Flasche öffnete und das kostbare Nass so hoch aus der Flasche schäumen ließ, dass auch die ersten Reihen in den Genuss von ein paar Spritzern kamen. (Übrigens zeigte sich auch unser Prinz als äußerst geschickt im Öffnen von edlen Flaschen.)

Und bevor ich jetzt (endlich) zu ihm komme: Eines haben sie alle (auch die nicht näher Erwähnten) gemeinsam, egal ob in einer Gesangs- oder in einer Sprechrolle: Ihre Stimmen erreichen das Publikum ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel, sprich Mikros. Und diese Tatsache finde ich gleichermaßen beeindruckend und bemerkenswert.

Natürlich gilt das in besonderer Weise für Kevin, denn es liegt in der Natur der Sache, dass er als Titelfigur die meiste Zeit auf der Bühne ist.
Dieser ständige Wechsel zwischen seinem (grandiosen) Gesang und seinen Sprechparts - da fallen mir spontan “große” Musicaldarsteller ein, die ob so einer Leistung nach zehn Minuten nicht einmal mehr ‘Hänschen klein’ singen könnten...

Schon sein erster Auftritt war wieder eine Augenweide, als er in einer blauen Uniform mit federnden Schritten auf die Bühne gerannt kam. (Von diesem Elan können sich so manche jugendliche Hosentiefträger, die unmotiviert durch die Gegend latschen, mal eine Scheibe abschneiden.)
Und um das auch gleich abzuhandeln: Ich nehme ihm den Studenten immer noch ab. Klar, sieht man, dass da kein Mittzwanziger auf der Bühne steht (bei Elisabeth nimmt ja auch niemand der jeweiligen Darstellerin das 15-jährige Mädchen ab, oder?), aber dieser Mann strahlt so von innen heraus, wie es nur die wenigsten (jüngeren) Menschen tun.

Bezaubernd, wie er mit großen Augen dem Gespräch von Dr. Engel und dem Premierminister lauschte und sich vor Lachen nicht mehr einkriegen konnte, als dieser seinen Erzieher plötzlich “Geheimrat” nannte.
Umso diebischer fiel dann auch die Freude aus, als es ihm gelang gerade diesem Geheimrat eine Zigarette abzuluchsen.

Sehr glaubwürdig war für mich auch der junge Student, der zum ersten Mal seinen neuen Kameraden gegenüberstand oder unbeholfen erste zarte Avancen in Richtung Kathie machte und mit gespitzten Lippen hinter ihr her lief um wenigstens ein kleines Küsschen zu erhaschen...

Trotzig widersetzte Prinz Karl Franz sich zunächst der Aufforderung des Premierministers nach Karlsberg zurückzukehren, um auf seine Rolle als König vorbereitet zu werden. Erst als Dr. Engel ihn zur Räson brachte und an seine Pflichten als kommendes Staatsoberhaupt erinnerte, begann der Widerstand zu bröckeln. Herzerweichend war es zu sehen, wie er hilflos darauf bestand während seiner Abwesenheit alles so zu belassen, wie es im Augenblick war. Schließlich wollte er in ein paar Wochen zurückkommen und sein Leben so frei und unbeschwert weiter führen wie er es in den vergangenen Wochen getan hatte. Und so fest er seine Absichten einerseits auch ausdrückte, so sehr zeigte andererseits sein trauriger Blick, dass er genau wusste, dass für ihn nichts mehr so wird, wie es jemals war.    

Da die anderen Darsteller die Sicht versperrten konnte ich diesmal leider nicht besonders gut sehen wie sich die Diener mit ihren brennenden Fackeln auf der Treppe aufstellten um so den Einzug des  (mittlerweile) Königs zu flankieren. Als er, bei jetzt schon ziemlicher Dunkelheit, im weißen Gewand die Bühne betrat mußte ich doch einmal tief seufzen. Doch bevor mich der Anblick dahin schmelzen ließ, gab es zum Glück etwas zum Schmunzeln. Wie gleichgültig und gelangweilt kann Mann bitte gucken, wenn Mann mit seiner zukünftigen Frau tanzt? Göttlich diese Mimik!  

Besonders gepackt hat mich diesmal die gesamte Szene rund um das Stück ‘What Memories’/’Never more will come again those days of youth’. Es war so rührend, wie der treue Toni sein Präsent für den König, eine Rose aus Heidelberg, vorsichtig aus einem karierten Geschirrtuch hervorholte.

Und weiter ging es mit diesen “gefühligen” Momenten, als Karl Franz, die Rose in den Händen, über seine Jugend sinnierte und schließlich zu der Erkenntnis gelangte “Ich bin der König... und so allein!”
(Was passiert eigentlich, wenn man in so einem Moment - von Emotionen überwältigt - auf die Bühne springt und den Mann da oben tröstend in den Arm nimmt?)

Besonders erwähnenswert sind in dieser Szene auch die fantastischen Lichtstimmungen. Während der König nur noch im diffusen Licht zu erkennen ist, wird ein Teil des alten Schlossgemäuers im Hintergrund der Bühne hell angestrahlt und die Stimme von Dr. Engel erklingt, der noch einmal die ‘Golden Days’ aufleben lässt. Das Licht erlischt, um ein Stück weiter wieder anzugehen und nahtlos reiht sich der vielstimmige Gesang der fröhlichen Studenten an (‘To the Inn We're Marching’). Deren Stimmen reißen den einsamen König ein wenig aus seiner Melancholie und für einen Moment ist er wieder der junge unbesonnene Mann, der ausgelassen die Namen seiner ehemaligen Kommilitonen aufzählt und im Geiste mit ihnen anstößt. Doch schon sehr bald merkt er, dass diese Zeiten unwiederbringlich vorbei sind und bringt das mit einer resignierenden Geste zum Ausdruck. Erst als schließlich noch Katie (sie steht, ebenfalls hell angestrahlt, an einem Fenster eines Nebengebäudes) mit ‘Deep in my Heart, Dear’ zu hören ist, entschließt sich der König zu handeln. “Ich tu es! Ich geh zurück nach Heidelberg!”  Denn: “I want you, I need you, my love...”
Hach, so schön...      

Leider fiel das Wiedersehen mit seinen alten Freunden so ganz anders aus, als der König es sich erträumt hatte. Und so sehr er auch um Ungezwungenheit bemüht war, merkten doch beide Seiten sehr schnell wie groß die Kluft zwischen ihnen geworden war.
Nur das gemeinsame Singen (wunderschön: ‘Overhead the Moon is Beaming’) brachte noch einmal wenigstens ein bisschen die alte Vertrautheit zurück.

Der Abschied von Kathie gestaltete sich wie schon weiter oben beschrieben. Ihre Unterkühltheit war ein krasser Gegensatz zu dem schmerzerfüllten Gesicht des Königs. Und wenn irgendetwas in diesem Moment völlig fehl am Platz war, dann die Bemerkung der stark aufgebrezelten (und natürlich vermummten) Dame vor mir, die schon den ganzen Abend mit ihren Kommentaren begleitet hatte: “Meine Güte, ist das ein harter Mann.”
(Darf man seinem Vordermann/seiner Vorderfrau, der/die so viel Unsinn redet eigentlich eins auf die Rübe geben?)    

Ja, und das war es auch schon wieder. Das Ende empfand ich, wie schon im letzten Jahr, als ziemlich abrupt. Menno, so schnell kann ein Mensch doch gar nicht in die Wirklichkeit zurückkehren.

Apropos Wirklichkeit: Keiner weiß ja so ganz genau, ob an der Erzählung etwas dran ist, Heidelberg wäre im Zweiten Weltkrieg nur deshalb nicht von den Alliierten bombardiert worden, weil ein amerikanischer General in seiner Studienzeit den Studentenprinzen gelesen und sich dabei in die “romantic town” Heidelberg verliebt haben soll...

Ob wahr oder nicht: Schön finde ich diese Geschichte allemal.

Abschließen möchte ich meinen Bericht mit den Worten, die die Heidelberger Schlossfestspiele als Slogan des diesjährigen Studentenprinzen gewählt haben: “Bye, bye süßer Prinz!”
Nicht ohne aber noch ein zuversichtliches “Niemals geht man so ganz” dranzuhängen.
Und damit wären wir wieder bei der Überschrift angelangt...